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Mittelstandsfinanzierung: Wagniskapital für den Start

Quelle: Handelsblatt Online

Viele Start-ups wenden sich zur Anschubfinanzierung an Venture-Capital-Gesellschaften. Doch um die potenziellen Geldgeber zu überzeugen, müssen vor allem Präsentation und Qualität des Unternehmens stimmen.

Das Team von DailyDeal wusste mit seinem Konzept die Geldgeber zu überzeugen. Quelle: pa/obs/DailyDeal GmbHdpa
Das Team von DailyDeal wusste mit seinem Konzept die Geldgeber zu überzeugen. Quelle: pa/obs/DailyDeal GmbHdpa

HamburgEs dürfte der Deal ihres Lebens sein: Die Brüder Fabian und Ferry Heilemann haben Ende September ihr erst vor zwei Jahren gegründetes Gutscheinportal DailyDeal für über 100 Millionen Euro an den US-Konzern Google verkauft. Gewinner der Übernahme sind auch diverse Geber von Venture Capital (VC): Nach der mit Business Angels gestemmten Anschubfinanzierung waren im zweiten Schritt renommierte Investoren wie der Schweizer VC-Fonds Adinvest eingestiegen und in der dritten Runde der New Yorker VC-Fonds Insight Venture Partners.

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Was haben die Berliner Start-up-Unternehmer Heilemann, die ihr Geschäftsmodell dem amerikanischen Vorbild Groupon abgeguckt haben, richtig gemacht? Warum bekommen einige IT- und Internet-Firmen von Risikokapitalgesellschaften Geld - und andere nicht? Ein Blick in die Szene.

München: In der Isar-Metropole ist momentan ein junges Unternehmen am Start, das ähnlich wie DailyDeal eine amerikanische Erfolgsstory kopieren will. Unter der Internetadresse www.windeln.de finden junge Eltern alles, was sie für ihren Nachwuchs bis zum vierten Lebensjahr brauchen.

Das Shoppingportal liefert Babynahrung, Spielzeug und Kleidung bis an die Wohnungstür. Beteiligt an Windeln.de sind die britische Wagniskapitalgesellschaft DN Capital, der High-Tech Gründerfonds und der Münchener Wachstumsfinanzierer Acton Capital Partners. Nach der Gründung im vergangenen Jahr steigt der Umsatz der Münchener Newcomer momentan monatlich um 30 Prozent.

Die Geschäftsidee stammt aus den USA, wo die Firma Diapers gezeigt hat, wie man mit der Frei-Haus-Lieferung von Babyartikeln gutes Geld machen kann. Copycats nennt man solche Kopien von Ideen, die in einem anderen Land bereits erfolgreich waren und im neuen Markt lediglich auf die kulturellen Besonderheiten zugeschnitten werden. Sind diese Start-ups für Risikokapitalgeber eine „sichere Bank“? „Nicht unbedingt“, meint Nenad Marovac, Managing Partner bei DN Capital.

Für ihn ist das Management eines Jungunternehmens ausschlaggebend für den Erfolg: „Uns hat bei Windeln.de in erster Linie die Erfahrung des Gründerteams überzeugt.“ Weitere Erfolgsindizien seien ein attraktiver Markt, die professionelle Gestaltung des Shops und das große Sortiment gewesen.

Hamburg: Die Journalisten Michael Dunker und Andreas Fey stießen vor drei Jahren auf eine Marktlücke: Sie erkannten, dass Suchmaschinen-Marketing (SEO) oft nicht an der Technik scheitert, sondern an schlecht geschriebenen Texten und mangelnder Verlinkung. Die beiden verfeinerten die Texte ihrer eigenen Webseiten, bis sie in den Suchergebnissen aufstiegen. Im zweiten Schritt publizierten sie Texte auf anderen Portalen mit Verlinkungen auf die eigenen Seiten. Testroom-Chef Michael Dunker: „Erst beide Maßnahmen zusammen ergeben einen enormen Schub für die Platzierung in Google.“


Alleinstellungsmerkmal ist wichtig

Dunker und Fey gründeten die Dienstleistungsfirma Testroom, um mit ihrem Wissen Geld zu verdienen. Von ihrer Bank bekamen sie aber kein Darlehen. Mitgründer Andreas Fey: „Und das, obwohl wir profitabel waren, bereits viele Kunden und steigende Umsätze vorweisen konnten.“ Stattdessen stieg der Wagniskapitalgeber Neuhaus Partners ein.

Ende 2010 investierte der Financier von der Alster einen einstelligen Millionenbetrag. „In diesem Fall hat alles zusammengepasst“, begründet Matthias Brix von Neuhaus Partners den Schritt: das Team, das Netz aus Zehntausenden Webseiten (journalistische Magazine, Themenseiten, Blogs und Bewertungsportale) und die Boom-Branche SEO.

„Damit haben sich Dunker und Fey ein Alleinstellungsmerkmal erarbeitet, das niemand auf die Schnelle kopieren kann“, erklärt Brix. „Das ist ausschlaggebend für Wagniskapitalgeber.“ Ähnlich attraktiv seien Patente oder umfangreiche Kundenlisten. Der Faktor, der für alle Geldgeber am meisten Gewicht hat, sei die Qualität des Managements: „Das Team hinter einer Geschäftsidee muss mich überzeugen. Wenn ihre Präsentationen, ihre Persönlichkeit und ihre ersten Umsätze stimmen, haben sie bei mir gute Karten.“ Der Internet-Experte bei Neuhaus Partners sieht zurzeit einen Run auf Firmen, die Apps und Mobile Services anbieten: „In diesem Segment ist im Moment ähnlich viel los wie vor zehn Jahren, als alle Firmen erstmals einen Webseitenauftritt brauchten.“

In sehr frühen Unternehmensphasen steigt Gerd Nicklisch in IT-und Internet-Firmen ein. Mit seiner Impala Consulting ist der Hamburger derzeit an den beiden jungen Unternehmen intelligentmobiles und newscope beteiligt. Nicklisch und sein Team geben nicht nur Geld, sie beraten die Newcomer auch in Strategiefragen und begleiten sie mit Coaching. Ziel: langfristige Wertsteigerung. Der Finanzier, der selbst früher ein erfolgreicher IT-Unternehmer war (Emprise), stellt hohe Anforderungen an seine „Zöglinge“: Dazu gehört zum einen ein tragfähiges Geschäftsmodell, das spätestens nach drei, vier Jahren Gewinne verspricht.

Darüber hinaus komme es nicht nur darauf an, dass die Protagonisten technologische Kompetenz besitzen und eine klare Vision verfolgen, sondern dass sie engagiert und motiviert seien: „Sie müssen brennen für ihre Idee, bereit sein, Tag und Nacht für den Erfolg zu arbeiten.“ Manchmal seien IT- und Internetgründer „allzu technologieverliebt“. Er investiere nur, wenn im Führungsteam auch kaufmännisches Know-how vorhanden sei. Und kein Entrepreneur solle glauben, er könne alles allein: „Wer von mir Kapital haben möchte, muss offen sein für Beratung, auch für Kritik. Nur der Dumme denkt, er brauche keine Hilfe.“

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