Modemarke Icebreaker: Das Schaf im Sportgeschäft

Modemarke Icebreaker: Das Schaf im Sportgeschäft

, aktualisiert 09. Februar 2016, 07:32 Uhr
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Der Neueseeländer hat früh auf Merinowolle als Material für Sportkleidung gesetzt.

von Joachim HoferQuelle:Handelsblatt Online

Keiner hat die Chancen von Merinowolle in der Sportbranche so früh erkannt wie Jeremy Moon. Sein Label Icebreaker ist inzwischen weltweit beliebt. Seit er den Chefposten aufgegeben hat, läuft es sogar noch besser.

MünchenAuf den Besprechungstisch von Jeremy Moon ist eine Karte der Südinsel von Neuseeland aufgedruckt. Dutzende Punkte sind darauf markiert. Jeder einzelne steht für eine Schaf-Farm. „Unsere Rohstoff-Fabrik“, sagt Moon mit einem Augenzwinkern.

Der Neuseeländer ist Gründer des Sportbekleidungslabels Icebreaker. Als einer der Ersten in der Sportbranche hat Moon erkannt, dass auf den Weiden seiner Heimat ein Schatz herum läuft: Schafe, die Merinowolle liefern.
Die Shirts und Shorts, die Socken und die Unterwäsche des Labels bestehen fast komplett aus neuseeländischer Merinowolle.

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Das Naturprodukt von den weiten Wiesen des Inselstaats trägt sich nicht nur ausgesprochen angenehm, es hat auch zahlreiche Vorteile gegenüber den sonst in der Industrie vorherrschenden Kunstfasern. Bei Kälte wärmt die Wolle, wenn die Haut heiß wird, gibt sie Wärme ab. Sie trocknet schnell und stinkt auch nach tagelangem Einsatz noch nicht. Zudem ist der Stoff extrem dünn.

Als 24-jähriger Uniabsolvent hat der passionierte Skifahrer seine Firma vor zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen. Inzwischen ist daraus eine weltumspannende Marke geworden, die alleine in Europa in 3000 Läden vertreten ist. Obwohl er im besten Unternehmeralter ist, hat sich Moon aber längst von der Spitze zurückgezogen. „Ich hatte einfach keine Lust mehr, mich mit Währungsschwankungen und solchem Zeug zu beschäftigen.“

Seit zweieinhalb Jahren führt nun Rob Fyfe, der Ex-Chef der Fluggesellschaft Air New Zealand, die Geschäfte. Eine gute Entscheidung, meint Moon. Denn so könne er selbst sich als Kreativdirektor auf das Design und neue Kollektionen konzentrieren, also auf das, was ihm wirklich Freude mache.

Der Gründer zieht sich ins zweite Glied zurück, und die Firma profitiert. So sieht es Moon. Einen gestanden Manager an der Spitze kann Icebreaker freilich auch gut gebrauchen. Anfang des Jahrzehnts ist das Label unter der Regie von Moon stürmisch gewachsen. Doch seit ein paar Jahren tritt die Firma auf der Stelle, zumindest in Deutschland, dem bedeutendsten europäischen Markt.

Unter den wichtigsten Lieferanten von Intersport rangieren die Neuseeländer nach wie vor abgeschlagen auf Rang 45. Damit hat Icebreaker bei Deutschlands führendem Sporthandelsverbund zwar vergangenes Jahr zwei Plätze gut gemacht. Aber von anderen Outdoor-Marken wie Jack Wolfskin, Schöffel oder The North Face ist die Firma meilenweit entfernt. Die sind alle in den Top Ten. Intersport ist nicht irgendwer: Jeder dritte Euro im deutschen Sporthandel fließt in die Kassen des genossenschaftlich organisierten Verbunds.

Andererseits: Die Preise sind auch deutlich höher als bei den meisten Sportmarken. Ein einfaches T-Shirt von Icebreaker ist kaum unter 50 Euro zu bekommen, ein langärmeliges Unterhemd fürs Skifahren kostet locker das Doppelte. Selbst das günstigste Paar Socken schlägt schon mit 20 Euro zu Buche.


Moon verspricht „schönere Farben“

Dazu kommt: Moon ist zwar ein Pionier in dem Geschäft, aber der Wettbewerb wird immer härter. Der Münchener Skitourenspezialist Ortovox etwa expandiert mit seiner Wollkollektion kräftig und hat dabei ähnlich hohe Standards wie die Neuseeländer. Ortovox bezieht seine Merinowolle aus Tasmanien und sucht ebenso den engen Schulterschluss mit den Lieferanten. Jeden Bauer, jede Wollwäscherei, jede Spinnerei hätte er jüngst selbst inspiziert, erklärt Stefan Andreas Krause, der für die gesamte Produktpalette zuständig ist. Das Ziel: Den anspruchsvollen Kunden ein in jeder Hinsicht einwandfreies Produkt zu garantieren.

Fast alle Sportmarken haben inzwischen Shirts und Shorts mit Merinowolle im Angebot, selbst Großkonzerne wie Adidas. Manche haben sich sogar darauf spezialisiert, etwa Devold aus Norwegen. Nur wenige verfügen aber über eine so breite Palette wie Icebreaker.

Moon nützt die Freiheiten, die er inzwischen als Chefkreativer hat. In Neuseeland ist momentan Sommer, da kann er mit den drei Töchtern auch mal an den Strand. Oder, wie kürzlich, in Utah durch den Tiefschnee pflügen. Dann aber sitzt er kurz danach mit den Kollegen vom Global Product Design Center in Oregon zusammen, um die nächsten Kollektionen zu besprechen. „Schönere Farben“ verspricht er für die Zukunft, denn dann könnten seine Kleider genauso in der Stadt wie draußen in der Natur getragen werden.

Wer mag, der kann im Internet nachschauen, wo das Schaf gegrast hat, das die Wolle für sein Shirt geben musste: Jedes Produkt besitzt einen Code, der zu einem Bauern in Neuseeland führt. „Die meisten Farmer kenne ich“, meint Moon. So sei für viele der 200 Familien Icebreaker die wichtigste Einkommensquelle. Vor allem aber würde seine Firma die Preise für zwei, drei Jahre garantieren. Das sei auf dem stark schwankenden Rohstoffmarkt für die Landwirte eine echte Hilfe.

Dass seine Klamotten auch noch lange halten, das versucht Moon seinen Gesprächspartnern seit einiger Zeit mit einem einfachen Beispiel zu vermitteln: indem er zu Meetings einen acht Jahre alten Pulli anzieht.

Quellle:  Handelsblatt Online
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