Mögliche Zinswende: Bankenverbände wünschen sich EZB-Signal

Mögliche Zinswende: Bankenverbände wünschen sich EZB-Signal

, aktualisiert 09. März 2017, 12:50 Uhr
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Der deutsche Privatbankenverband wünscht sich von dem EZB-Chef ein Zeichen für das Ende der ultralockeren Zinspolitik.

Quelle:Handelsblatt Online

Mehrere deutsche Bankenverbände wünschen sich von der EZB erneut Signale für ein Ende der ultralockeren Zinspolitik. Die Lobbyorganisation Privatbankenverband hofft auf den „Einstieg in den Ausstieg“ und übt Kritik.

BerlinAngesichts der gestiegenen Inflation fordern die deutschen Privatbanken von der EZB ein Signal für ein allmähliches Ende der ultralockeren Zinspolitik. Die Europäische Zentralbank müsse langsam mit dem Einstieg in den Ausstieg beginnen, sagte der Hauptgeschäftsführer des Bundesverbandes deutscher Banken, Michael Kemmer, am Donnerstag im Deutschlandfunk. Das „Deflationsgespenst“ sei inzwischen verschwunden. EZB-Chef Mario Draghi müsse zeigen, dass er die Zeichen der Zeit erkannt habe. Dieser erste Schritt sei überfällig. Der EZB-Rat berät am Vormittag in Frankfurt über seine Geldpolitik.

„Die EZB hat ihr Pulver schon weitgehend verschossen“, beklagte der frühere Chef der BayernLB. So hänge die Kreditvergabe nicht mehr von den Zinsen, sondern von der Bonität der Darlehensnehmer ab. Privatleute steckten bei niedrigen Zinsen nicht mehr Geld in den Konsum, sondern sparten mehr.

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Auch der Präsident des Genossenschaftsbanken-Verbandes BVR, Uwe Fröhlich, hat die EZB zu einer Wende in der Geldpolitik aufgefordert. „Es ist wirklich Zeit, dass die Europäische Zentralbank umsteuert“, sagte Fröhlich am Donnerstag in Berlin.

Dabei sei das Kernproblem weniger die niedrigen Zinsen, als das Anleihenkaufprogramm der EZB. Die Zeichen in der Welt ständen auf einer Abkehr von der extrem lockeren Geldpolitik, und dem könne und dürfe sich Europa nicht widersetzen. Die Hoffnung, dass EZB-Präsident Mario Draghi bereits bei der Zinssitzung am Vormittag dies tue, habe er aber nicht, sagte Fröhlich.

Sparkassen-Präsident Georg Fahrenschon stellte sich hinter diese Positionen seines BVR-Kollegen. Laut Fröhlich ist für seine Bankengruppe die aktuelle Niedrigzinspolitik zwar kein Existenzproblem, aber doch eine ernste Erschwernis im Geschäft.

Experten gehen davon aus, dass die EZB die Zinsen am Donnerstag auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent belässt und das Volumen ihrer Anleihenkäufe beibehält. Die Inflation lag zuletzt bei 2,0 Prozent und damit leicht über der Zielmarke der Währungshüter. Deswegen wird die Kritik insbesondere aus Deutschland immer lauter. Die Banken klagen schon länger, dass die Zinsen ihnen zusetzen und sie in ihrem angestammten Kreditgeschäft kaum noch auskömmliche Gewinne erzielen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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