Monsanto-Übernahme als Auslöser: Deutsche Fondsgesellschaften verlangen mehr Mitsprache

Monsanto-Übernahme als Auslöser: Deutsche Fondsgesellschaften verlangen mehr Mitsprache

, aktualisiert 18. Mai 2017, 19:24 Uhr
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Die Deka wird künftig Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen nur noch um bis zu 20 Prozent befürworten.

Quelle:Handelsblatt Online

Mehr Mitsprache bei Übernahmen und Kapitalerhöhungen – das fordern deutsche Fondsgesellschaften. Einer der Auslöser war die Monsanto-Übernahme, bei der eine Zustimmung der Aktionäre nicht von Nöten war.

FrankfurtGroße deutsche Fondsgesellschaften wollen mehr Mitsprache bei teuren Übernahmen und Kapitalerhöhungen. Deka-Fondsmanager Andreas Thomae kündigte am Donnerstag an, das Wertpapierhaus der Sparkassen werde künftig Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen nur noch um bis zu 20 Prozent befürworten. „Größere Beträge sollten auf einer außerordentlichen Hauptversammlung begründet und beschlossen werden“, forderte er auf der Hauptversammlung der Deutschen Bank in Frankfurt. Die bisher üblichen Vorratsbeschlüsse für Kapitalerhöhungen um bis zu 50 Prozent des Grundkapitals sind auch anderen deutschen Vermögensverwaltern wie Union Investment, Allianz Global Investors und der Deutsche-Bank-Tochter Deutsche Asset Management ein Dorn im Auge.

Auslöser des Unmuts ist die mehr als 60 Milliarden Euro schwere Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto durch Bayer. Der Leverkusener Chemiekonzern muss seine Aktionäre dafür nicht um Zustimmung bitten, weil das genehmigte Kapital - neben Krediten und Anleihen - für die Finanzierung ausreicht. Mit der Blockade weiterer Vorratsbeschlüsse wollen die Fonds erreichen, dass sie künftig wenigstens indirekt über Großfusionen und andere strategische Schritte abstimmen können. Denn dann müssten die Unternehmen vor einer Kapitalerhöhung eine außerordentliche Hauptversammlung einberufen.

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Die Deutsche Bank will das Grundkapital mit zwei Beschlüssen in den nächsten fünf Jahren um bis zu 50 Prozent erhöhen können, ohne dafür die Aktionäre eigens um Zustimmung bitten zu müssen. Auch Union Investment kündigte ein Nein an. Portfoliomanager Ingo Speich sagte, die Fondsgesellschaft der Volks- und Raiffeisenbanken werde den Managern keine „Blankoschecks“ mehr ausstellen. Der Beschluss sei „überdimensioniert“. Den bisherigen Kapitalrahmen von 50 Prozent hatte die Bank freilich für ihre acht Milliarden Euro schwere Kapitalerhöhung im März voll ausgeschöpft.

„Auch wenn die Gesellschaft zurzeit ausreichend mit Eigenkapital ausgestattet ist, muss sie über den notwendigen Handlungsspielraum verfügen, um sich jederzeit und gemäß der jeweiligen Marktlage Eigenkapital beschaffen zu können“, bat der Vorstand um Zustimmung. Konkrete Pläne für eine Kapitalerhöhung gebe es aber nicht. Das Votum wurde für den Abend erwartet. Die eigene Tochter Deutsche Asset Management hat Insidern zufolge für Kapitalerhöhungen ein Limit von 33 Prozent beschlossen. Sie meldete sich auf dem Aktionärstreffen allerdings nicht zu Wort. Der einflussreiche US-Aktionärsberater ISS hatte seinen Kunden empfohlen, dem Kapitalrahmen zuzustimmen.

Die härtere Linie der Fonds hatte zuerst der Rückversicherer Münchener Rück zu spüren bekommen. Dessen Vorstand hatte im April eine Abstimmungsniederlage nur dadurch abgewendet, dass er sich im Vorfeld verpflichtete, das Kapital um maximal ein Drittel zu erhöhen. Die notwendige Dreiviertel-Mehrheit erreichte die Münchener Rück trotzdem nur knapp.

Quelle:  Handelsblatt Online
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