Monsanto-Übernahme: Bayer-Vorstoß kostet den Dax-Börsenthron

Monsanto-Übernahme: Bayer-Vorstoß kostet den Dax-Börsenthron

, aktualisiert 19. Mai 2016, 13:03 Uhr
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Anleger reagieren skeptisch auf die Pläne, den Rivalen Monsanto zu übernehmen.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Die mögliche Übernahme des Konkurrenten Monsanto lässt die Bayer-Aktien abstürzen. Der Marktwert des Chemie- und Pharmakonzerns purzelt und der Dax gleich mit. Warum die Wirkung so groß ist – und was Analysten sagen.

FrankfurtMit der Übernahme des Konkurrenten Monsanto könnte Bayer zum weltweit führenden Unternehmen auf dem Gebiet der Saatgutproduktion werden. Am Donnerstagmorgen bestätigte der Pharma- und Chemiekonzern, dass es vor kurzem Gespräche über eine einvernehmliche Übernahme von Monsanto gegeben habe. Zuvor hatte bereits die amerikanische Monsanto auf Presseberichte reagiert und bestätigt, dass es „ungefragt ein unverbindliches Angebot für eine mögliche Übernahme durch Bayer“ erhalten habe. Sein Aufsichtsrat berate nun darüber.

Bei den Bayer-Aktionären kommt diese Nachricht nicht gut an. Viele trennten sich am Donnerstagmorgen von ihren Papieren und bescherten den Aktien einen Kursverlust von zeitweise mehr als acht Prozent. Damit kostete eine Bayer-Aktie weniger als 89 Euro – der tiefste Stand seit zweieinhalb Jahren. „Das wird Bayer wohl einiges kosten und das drückt erst mal auf den Kurs“, erklärte ein Händler die Reaktion der Anleger. Monsanto wird an der Börse derzeit mit gut 42 Milliarden Dollar (etwa 37 Milliarden Euro) bewertet.

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Der Firmenwert von Bayer hat seit den ersten Gerüchten über die Kauflust des Konzerns heftig gelitten. Bayer ist am Donnerstag noch 73,3 Milliarden Euro wert – der Titel des wertvollsten Dax-Unternehmens ist mittlerweile verloren gegangen. An der Spitze nach Börsenwert liegt jetzt SAP (84,4 Milliarden Euro) vor Siemens (78,9 Milliarden Euro) und dann Bayer. Und der Vorsprung vor der Deutschen Telekom ist nur hauchdünn.

Die Übernahme Monsantos wäre für das Leverkusener Unternehmen kein Klacks. Den Analysten der Baader Bank zufolge bräuchte Bayer bei Zustandekommen eines Deals eine Kapitalerhöhung. Langfristig sei eine Übernahme des US-Saatgutkonzerns strategisch sinnvoll, schrieb Analyst Jacob Thrane in einer Studie. Er beließ die Aktien auf Hold mit einem Kursziel von 142 Euro. Weil Bayer noch keine Details bekanntgegeben habe, dürfte die Aktie des Dax-Konzerns kurzfristig unter Druck bleiben.

Auch Analyst Jeremy Redenius von Bernstein Research vertritt die Ansicht, dass sich der deutsche Chemie- und Pharmakonzern finanziell schon sehr strecken müsse, um den US-Saatguthersteller zu kaufen. Eine Abspaltung des Bayer-Agrarchemiegeschäfts nach einer Fusion könne sich aber wertsteigernd auswirken. Auch kartellrechtliche Bedenken sollten sich überwinden lassen, so Redenius. Auch er rechnet ungeachtet der fundamentalen Stärke der Bayer-Aktien kurzfristig mit Druck auf die Papiere.


Wirbel im Dax

Der Kursverlust der Bayer-Aktie belastet auch den deutschen Leitindex schwer. Dieser gab am Vormittag etwa 1,5 Prozent nach. Zwar setzt sich der Dax aus Papieren von 30 deutschen Unternehmen zusammen, diese sind jedoch sehr unterschiedlich gewichtet.

Mit einem Anteil von 9,83 Prozent kommt Bayer die größte Bedeutung zu. Ähnlich viel Gewicht haben die Siemens-Aktien mit 8,6 Prozent. Einzelne Titel dürfen maximal mit zehn Prozent gewichtet sein. Zum Vergleich: Die Papiere von RWE, Lufthansa oder ThyssenKrupp beispielsweise machen jeweils nicht einmal ein Prozent des Leitindex aus. Bei der Gewichtung berücksichtigt die Deutsche Börse die im Streubesitz frei handelbaren Aktien – und dieser Anteil ist bei Bayer extrem hoch.

Das Gewicht des Konzerns im Index bedeutet, dass allein der heutige Kursverfall den Dax um 75 Punkte nach unten zieht. Die Deutsche-Bank-Aktie als Tagesgewinner drückt den Dax gerade einmal sechs Punkte nach oben. Die Summe aller Einzelwerte führt um die Mittagszeit zu einem Minus von 150 Dax-Punkten.

Ob es überhaupt zu einer Übernahme Monsantos durch Bayer kommt, ist nach Ansicht der Analysten von Jefferies aber fraglich. Sie bewerten die Wahrscheinlichkeit als gering, denn Monsanto sei von seinen langfristigen Wettbewerbsvorteilen überzeugt und werde wohl ablehnen. Dennoch werde die Monsanto-Aktie in nächster Zeit von den Spekulationen profitieren. Sie waren am Mittwoch 0,6 Prozent tiefer bei 97,13 Dollar aus dem Handel gegangen.

Im Frankfurter Handel haben sie am Donnerstagmorgen bereits acht Prozent zugelegt. Hier wird jedoch nur ein kleiner Teil der Aktien gehandelt. Der Großteil läuft über die New Yorker Börse NYSE.

Quelle:  Handelsblatt Online
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