Montblanc: Lebenszeitbegleiter für den reisenden Geschäftsmann

Montblanc: Lebenszeitbegleiter für den reisenden Geschäftsmann

, aktualisiert 07. April 2016, 20:44 Uhr
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Das Kerngeschäft des Hamburger Konzerns sind nach wie vor Füllfederhalter.

Quelle:Handelsblatt Online

Montblanc ist bekannt für seine hochwertigen Füllfederhalter. Nun will der Chef des Hamburger Luxuskonzerns, Jérôme Lambert, das Geschäft mit Uhren und Lederaccessoires vorantreiben. Warum er das tut.

HamburgIn dem großen Raum ist es ruhig, sehr ruhig. Die grauhaarige Dame, ganz in Schwarz gekleidet, braucht diese Ruhe in der Federmanufaktur. Sie biegt die beiden Flügel der Goldfeder immer wieder leicht auseinander und betrachtet sie durch eine Lupe. Sie ist erst zufrieden, als die Flügel den richtigen Abstand haben. Durch den feinen Spalt fließt die schwarze Tinte durch den Füller.

In dem schmucklosen Backsteingebäude von Montblanc in Hamburg-Bahrenfeld in der Nähe des Volkspark-Stadions werden die Füllfederhalter immer noch größtenteils von Hand gefertigt – und das im Zeitalter der Digitalisierung. Bis zu 35 Arbeitsschritte in vier bis viereinhalb Wochen braucht eine Feder, ehe sie fertig ist. Beim Füller sind es insgesamt 100 Schritte.

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Gerne zeigt Konzernchef Jérôme Lambert seinen Besuchern die Federmanufaktur. Er betont dabei, dass das Kerngeschäft mit Schreibgeräten von Montblanc, das dieses Jahr 110 Jahre alt wird, auch noch wächst. Aber für das größte Plus sorgen zwei andere Sparten. „Am stärksten wächst das Ledergeschäft“, sagt Lambert. Auch die Uhrensparte legt kräftiger zu als das Füllergeschäft.

Mit Uhren kennt sich Lambert aus. Schließlich arbeitete er knapp eineinhalb Jahrzehnte bei den Uhrenfirmen des Richemont-Konzerns, zu dem auch Montblanc gehört. „Unser Uhrengeschäft hat sich in den vergangenen sieben Jahren verdoppelt“, sagt Lambert.

Dabei stieg Montblanc erst vor 20 Jahren in das Geschäft mit Luxus-Zeitmessern ein. Heute gehört der Konzern „zu den 20 größten Uhrenherstellern weltweit.“ Den Umsatz der Uhrensparte nennt Lambert nicht. Er bestätigt aber, dass Montblanc inzwischen etwa 90.000 Uhren pro Jahr verkauft. „Die Zahl steigt von Jahr zu Jahr.“

Nicht überall in der Uhrenbranche läuft es derzeit so gut. Im vergangenen Jahr ist der Umsatz mit Luxusuhren weltweit in vergleichbarer Währung um sechs Prozent auf 38 Milliarden Euro gesunken, schätzen die Unternehmensberatung Bain & Co. und der italienische Luxusverband Altagamma in einer Studie. Das liegt auch daran, dass die Chinesen wegen schärferer Antikorruptionsgesetze weniger edle Chronometer kaufen.

Richemont, der Mutter-Konzern von Montblanc und anderen Uhrenmarken wie Jaeger LeCoultre, hatte Anfang des Jahres angekündigt, dass er 350 Stellen in den Schweizer Werken seiner Marken streichen will. Montblanc ist jedoch nicht vom Stellenabbau betroffen. „Wir haben in unseren Schweizer Uhrenmanufakturen sogar noch zusätzliche Mitarbeiter eingestellt“, stellt Lambert klar.

Im Uhrengeschäft muss sich Montblanc anders als bei Luxus-Schreibgeräten, wo das Unternehmen 70 Prozent Marktanteil hält und deutlich vor Konkurrenten wie Faber-Castell liegt, in der Preisklasse von 2.000 bis 20.000 Euro gegen viele Konkurrenten durchsetzen.

Mit der Uhrensparte will Lambert die Abhängigkeit vom Geschäft mit Schreibgeräten verringern. Derzeit macht dieses Kerngeschäft noch 40 Prozent des Umsatzes aus. Uhren und Lederwaren kommen jeweils auf 25 Prozent. Insgesamt stieg der Umsatz für das Geschäftsjahr 2014/15 um rund sechs Prozent auf rund 775 Millionen Euro – nach einem Minus im Jahr zuvor.


Eine Sonderkollektion namens Andy Warhol

Markenxperten wie Franz Maximilian Schmid-Preissler halten die Diversifikation des Hamburger Unternehmens für gelungen. „Montblanc hat ein gutes Konzept für den reisenden Geschäftsmann entwickelt.“
Doch auch in Sachen Schreibgeräte hat Lambert manches verändert. Er hat die Durchlaufzeiten in der Fertigung beschleunigt und die Abläufe in der Produktion besser miteinander verzahnt.

„Die größte Herausforderung war es, die größere Produktvielfalt bei den Schreibgeräten effizient zu steuern“, sagt Lambert. Denn der 46-jährige Franzose verkauft heute „wesentlich mehr Sondereditionen“ als früher. Damit meint er Füller, die Namen berühmter Künstler, wie etwa Andy Warhol und Pablo Picasso, tragen. Auch Opernstar Luciano Pavarotti ist Namenspate. Die kleinste Auflage kostet rund 30.000 Euro. Obwohl die Produktion aufwendig ist, bietet sie höhere Gewinnspannen als die schwarzen Klassiker. Sondereditionen machen inzwischen schon ein Drittel des Geschäfts mit Schreibgeräten aus.

Doch Lambert denkt nicht daran, das Produktportfolio um neue Sparten zu erweitern. Er will sich, wie er es nennt, auf „hochwertige Lebenszeitbegleiter“ konzentrieren. Die müssen haltbar und leicht zu transportieren sein. „Dazu passen weder Wohnaccessoires noch Mode“, sagt er.

Ein Negativbeispiel ist Meissener Porzellan. Das staatliche Unternehmen hat sein Sortiment drastisch bis hin zur Luxusmode und Wohnaccessoires erweitert. Im vergangenen Jahr musste das Unternehmen Kurzarbeit verhängen.

Künftig will Lambert den Vertrieb modernisieren, um im Wettbewerb mit den Filialen anderer Luxuskonzerne zu bestehen. So hat er gerade die ersten zehn Boutiquen nach dem neuen Konzept umgebaut.
In der neuen Hamburger Filiale dominieren die Farben Schwarz und Weiß, viel Holz und große Bildschirme mit künstlerisch inszenierter Tinte. In diesem modernen Stil will er in den kommenden sieben Jahren alle 280 Läden in 130 Ländern umbauen, im Schnitt 30 bis 50 pro Jahr.

Quelle:  Handelsblatt Online
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