Monte dei Paschi : Geldspritze für die Krisenbank

Monte dei Paschi : Geldspritze für die Krisenbank

, aktualisiert 24. November 2016, 21:12 Uhr
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Das kriselnde Geldinstitut hatte beim europäischen Banken-Stresstest am schlechtesten abgeschnitten.

von Regina KriegerQuelle:Handelsblatt Online

Nach neunstündigen Beratungen haben die Aktionäre der italienischen Krisenbank Monte dei Paschi einer Kapitalerhöhung zugestimmt. Um die dünne Kapitaldecke zu stärken, soll es außerdem einen Schuldentausch geben.

RomFünf Milliarden Euro einsammeln noch in diesem Jahr – diesen Auftrag gaben die Aktionäre der toskanischen Krisenbank Monte dei Paschi am Donnerstagabend an die Geschäftsführung. Bei der außerordentlichen Hauptversammlung stimmten sie nach einer neunstündigen Marathonsitzung mit 96,13 Prozent der Stimmberechtigten für die Kapitalerhöhung. Die Versammlung war beschlussfähig, weil 22,3 Prozent des Kapitals und damit mehr als die gesetzlich geforderten 20 vertreten waren.

Es wird die dritte Kapitalerhöhung der ältesten Bank der Welt in drei Jahren. Der neue CEO Marco Morelli hatte sie als Teil seines Sanierungsplans gefordert. „Ich bin kein Wahrsager, das ist aber eine Operation, die anders ist als alle bisherigen, denn sie löst auf radikale Art und Weise das Problem der faulen Kredite“, sagte er den Aktionären in Siena. Jetzt hänge es davon ab, wie sich die Bankenaufsicht verhalte. Die faulen Kredite belasten die Bank mit neun Milliarden Euro.

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Vor dem Votum war der Versammlung eingebläut worden, dass im Fall eines Scheitern der Bank das Bail-In in Kraft treten werde, die seit Jahresbeginn in Europa eingeführte Haftung der Gläubiger und das in einem Volumen von 13 Milliarden Euro.
Um die dünne Kapitaldecke zu stärken – Monte dei Paschi verbuchte in den ersten neun Monaten des Jahres einen Nettoverlust von 4,5 Milliarden Euro – soll es außerdem einen Schuldentausch geben.

Die Bank rechnet damit, so rund 1,043 Milliarden Euro einzunehmen. Der Tausch soll am Montag starten. Je mehr Gläubiger dieses Angebot annehmen, desto weniger Geld muss sich die Bank über die Kapitalerhöhung besorgen. Monte dei Paschi hatte beim europäischen Banken-Stresstest 2014 und bei der Prüfung in diesem Sommer am schlechtesten abgeschnitten.

Zum Rettungsplan gehören neben der Kapitalerhöhung und dem Schuldentausch auch der Verkauf von Risikodarlehen von rund 27 Milliarden Euro. Doch erst im nächsten Jahr, im ersten Halbjahr 2017, rechnet Monte dei Paschi mit den Ergebnissen der Prüfung seiner Bücher durch die Bankwächter der Europäischen Zentralbank.

Ein Tag vor dem Stresstest, Ende Juli, hatte die Bank einen Rettungsplan veröffentlicht, um sich wie von der Europäischen Zentralbank verlangt mit privaten Mitteln und ohne Staatshilfe ihrer nicht bedienbaren Kredite zu entledigen. Die Börse in Mailand quittierte das Votum der Aktionäre schon vorher mit einem Sprung nach oben. Die Entscheidung zur Kapitalerhöhung fiel erst nach Börsenschluss. Wenn die Kapitalerhöhung und das Abstoßen der faulen Kredite nicht gelinge, gebe es keinen „Plan B“, hatte die Bank am Tag zuvor mitgeteilt.

CEO Morelli erklärte, die Entscheidungen der Bank seien abgekoppelt vom Referendum über die Verfassungsänderung, das am 4. Dezember stattfindet. Ein „Nein“ könnte Italien in eine Phase der politischen Instabilität stürzen. Und eine weitere italienische Bank, die HVB-Mutter Unicredit, will erst nach dem Referendum ihren Sanierungsplan bekannt geben, zu dem eine noch höhere Kapitalerhöhung gehören soll.

Quelle:  Handelsblatt Online
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