Morgan Stanley vs. Goldman Sachs: Gorman stellt Blankfein in den Schatten

Morgan Stanley vs. Goldman Sachs: Gorman stellt Blankfein in den Schatten

, aktualisiert 19. Juli 2017, 17:24 Uhr
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Der Chef der Bank Morgan Stanley bot mit dem aktuellen Quartalsergebnis eine positive Überraschung.

von Frank WiebeQuelle:Handelsblatt Online

Der Chef von Morgan Stanley hat eine angeschlagene Bank saniert. Sein Kollege bei Goldman hat eine gesunde Investmentbank nicht wirklich voran gebracht. Ein Vergleich der beiden Strategien.

New YorkDie Aktie von Goldman Sachs erlitt am Donnerstag, nach Bekanntgabe der Quartalszahlen, einen deutlichen Dämpfer. Und die Analysten von Keefe, Bruyette & Woods (KBW), einer auf die Finanzbranche spezialisierten Researchfirma, setzten noch eins oben drauf und stuften das Papier herunter auf „Market perform“.

Außerdem senkten sie das Preisziel von 260 auf 230 Dollar, also beinahe auf das derzeitige Niveau. „Für uns ist das eine ‚Show-me-Aktie‘ geworden“, schreiben die Analysten Brian Kleinhanzl und Michael Brown, gemeint ist: Sie glauben nur noch an Erfolge, die wirklich in den Zahlen sichtbar sind.

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Ausschlaggebend war der Einbruch der Erlöse im Kerngeschäft mit Zinspapieren, Währungen und Rohstoffen (FICC) um 40 Prozent. Ein relativ hartes Urteil ist auch: „Goldman Sachs hat schwache Handelsergebnisse für das erste Halbjahr 2017 veröffentlicht, und wir haben zurzeit mehr Fragen als Antworten zur Gesundheit der Marke (about the franchise’s health).“

Das Wort „franchise“ ist in dem Zusammenhang schwer zu übersetzen. Gemeint ist jedenfalls nicht, dass die finanzielle Gesundheit der Bank infrage steht, sondern eher dass die Chancen des Geschäftsmodells, Gewinnwachstum zu erzeugen, skeptisch gesehen werden.

Eine Schwäche im Geschäft mit dem Handel am Kapitalmarkt haben auch andere US-Banken wie etwa JP Morgan ausgewiesen. Aber die wurde aufgefangen durch gute Erfolge im traditionellen Bankgeschäft, über das Goldman Sachs als Investmentbank kaum verfügt. Außerdem ist bei Goldman, bedingt durch ein relativ starkes Engagement im Rohstoffhandel, der Einbruch stärker ausgefallen als bei der Konkurrenz.

Ganz anders Morgan Stanley. Dort hielt sich der Rückgang im Handel mit vier Prozent in Grenzen, damit hat der Bereich die Konkurrenz geschlagen, wie KBW anmerkt. Außerdem lieferte die Vermögensverwaltung gute Ergebnisse ab. Insgesamt bot Morgan Stanley eine positive Überraschung. Die Börsenbewertung reicht mit gut 80 Milliarden Dollar noch nicht an die von Goldman mit knapp 90 Milliarden heran. Aber die Gewinne liegen jetzt auf demselben Niveau, das hat das am Mittwoch bekanntgegebene Quartalsergebnis bestätigt.

Goldman Sachs und Morgan Stanley sind die beiden großen Investmentbanken der USA. Schon vor der letzten Finanzkrise waren sie ewige Konkurrenten, damals etwa auf gleichem Niveau. In der Finanzkrise geriet Morgan Stanley stark unter Druck, während Goldman diese Phase unter Führung von Lloyd Blankfein recht gut überstanden hat.

James Gorman hat 2010 die Leitung von Morgan Stanley übernommen, als die Bank noch deutlich unter den Nachwehen der Krise litt und von der Ertragsstärke weit hinter Goldman zurücklag. Er hat dann begonnen, den Schwerpunkt vom schwierigen Handelsgeschäft auf die Vermögensverwaltung zu verlagern. Ein Prozess, der viel Geduld erforderte, aber letztlich zum Erfolg geführt hat.

Blankfein dagegen wollte die relative Stärke seiner Firma nach der Krise nutzen, um im Kapitalmarktgeschäft seine Position auszubauen. Das ist auch gelungen – nur, dass das Kapitalmarktgeschäft sehr viel schwieriger geworden ist. Außerdem ist in einer Zeit höherer Transparenz an den Märkten und allseitiger Verfügbarkeit von Daten und Analysen der Wissensvorsprung von Goldman gegenüber anderen Banken und Investoren geschrumpft oder entwertet worden.

Beide, Gorman wie auch Blankfein, verbindet eines: Sie haben ihre strategischen Ziele im Auge behalten und sich von Rückschlägen nicht beirren lassen. Zurzeit sieht Gorman mit seiner Strategie besser aus.

Es gibt keine Garantie, dass das so bleibt: Vermögensverwaltung ist ein Bereich mit zurzeit noch hohen Margen, aber das Wachstum ist begrenzt, der Druck auf die Gebühren ist spürbar und die Automatisierung kann traditionelle Modelle der persönlichen Beratung bedrohen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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