Mr. Dax und sein Anlegerkongress: Die große Dirk-Müller-Show

Mr. Dax und sein Anlegerkongress: Die große Dirk-Müller-Show

, aktualisiert 11. April 2016, 14:44 Uhr
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Fondsmanager Dirk Müller sieht die Situation an den Märkten kritisch.

von Jessica SchwarzerQuelle:Handelsblatt Online

Mr. Dax alias Dirk Müller hat zum Anlegertreffen geladen. Die Kulisse: ein Schloss. Die Show: unterhaltsam, aber auch lehrreich. Und ein bisschen erinnert das Ganze an Warren Buffetts Aktionärstreffen.

HeidelbergDer Mann ist große Auftritte gewöhnt, sitzt regelmäßig in Fernseh-Talkshow und gibt viele Interviews. Aber dies sei ein „Gänsehaut-Moment“ sagt Mr. Dax alias Dirk Müller, als er am Wochenende die Bühne im Königssaal des Heidelberger Schlosses betritt. Man nimmt es ihm ab. Der Neu-Fondsmanager hat zum ersten Anleger-Kongress geladen. 500 Gäste sind an diesem sonnigen Frühlingstag in die alte Ruine gekommen, viele haben den Müller-Fonds im Depot, aber nicht alle.

Zugegeben, ein bisschen erinnert das Ganze an eine Werbeveranstaltung, aber seine Anhänger sind begeistert. „Endlich sehen wir Mr. Dax mal live und nicht immer nur im Fernsehen“, sagt ein älterer Herr, der extra aus München angereist ist. „Den Fonds habe ich natürlich auch.“ Vor ziemlich genau einem Jahr ist Dirk Müller unter die Profi-Investoren gegangen oder – um es genauer zu sagen – unter die Fondsberater. Der offizielle Manager des „Dirk Müller Premium Aktien Fonds“ ist Andreas Schmidt vom Family Office Focam.

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Los geht es mit einer launigen Begrüßung – ganz so, wie man Mr. Dax eben kennt. Dann widmet er sich der aktuellen Situation an den Märkten und wagt einen Ausblick. „Der perfekte Sturm oder die Jahrhundertchance!?“ ist der Vortag überschrieben. Die Botschaft: Die Risiken sind groß, aber ohne Risiko auch keine Chance. Es sind die Themen und Positionen von Dirk Müller, die seine Fans kennen. Trotzdem hängen sie förmlich an seinen Lippen.

„Wir rennen von einer Krise in die nächste“, sagt er. Zypern, Griechenland, Ukraine und Russland, China, Syrien, Flüchtlinge, Brexit – die Liste ist lang, Müllers Ausblick wenig rosig. Aber: „Man kann sich auf die Krise einstellen, sich absichern“, sagt er. „Die einen gehen in der Krise unter, die anderen gründen Dynastien.“ Als Beispiel muss Joseph Kennedy herhalten, der in den Jahren nach dem Crash 1929 den Grundstein für das Vermögen des mächtigen Clans legte.

Reich gemacht hat Müller seine Anleger bisher noch nicht. Die Bilanz nach einem Jahr: Knapp sechs Prozent hat das Portfolio verloren. Der Vergleichsindex MSCI World Value immerhin 14 Prozent. Damit schneidet der Fonds deutlich besser ab. „Eine Outperformance, auf die wir stolz sind“, sagt Müller auf der Bühne. „Ein Plus wäre besser gewesen“, raunt ein Anleger im Publikum. „Aber immerhin…“ Mit dem Dax hat der Fonds zwar herzlich wenig zu tun, denn Müller ist ein Value-Anleger à la Warren Buffett, aber Mr. Dax zieht auch diesen Vergleich. Klar, hier kommt der Fonds besonders gut weg, hat der Dax doch binnen eines Jahres fast 20 Prozent verloren.

Apropos Warren Buffett. Ein bisschen erinnert der Kongress den einen oder anderen Besucher an das Aktionärstreffen des amerikanischen Superinvestors. Auf der Hauptversammlung von Berkshire Hathaway im beschaulichen Omaha stellen Jahr für Jahr die Unternehmen ihre Waren aus, die Buffett auch im Depot hat. Ein bisschen ähnlich macht es Müller: Seine Lieblingsaktie ist die des Lachsfarm-Betreibers Bakkafrost. Der Titel hat seit Aufnahme in den Fonds gut 60 Prozent zugelegt. Besucht hat das Fonds-Team das Unternehmen auf den Färöer-Inseln auch schon – in der Pause läuft ein Film über den Trip. Und es gibt Lachs – 40 Kilogramm hat das Unternehmen nach Heidelberg geschickt. Der Andrang am Büffet ist groß. „Noch besser als der Lachs schmeckt mir aber der Kursgewinn der Aktie“, witzelt ein Fondsanleger. „Wenn nur der ganze Fonds so gut laufen würde“, sagt ein anderer.


Fehlen nur noch die Kursgewinne

Rund um das Büffet gibt es eine kleine Ausstellung. Partner des Fonds wie eben Focam – übrigens das Family Office der Kaffeedynastie Jakobs – präsentieren sich. Aber eigentlich geht es an diesem Tag nur um einen: Dirk Müller. Der Personenkult geht sogar so weit, dass es nicht nur die Bücher des Bestsellerautors zu kaufen gab, sondern auch Fan-Shirt, Polo und Hoodys mit Fonds-Logo. 49 Euro kostet das teuerste Modell. Die gibt es übrigens auf Nachfrage der Facebook-Fans. Dort hatte Dirk Müller etwas über den Reilinger Ringerclub gepostet, den er sponsert. Die Mannschaftskleidung samt Fonds-Logo kam so gut an, dass es sie nun auch für Anleger gibt. Der Andrang am Stand hält sich aber in Grenzen.

Viel größer ist das Interesse am Bühnenprogramm. Dirk Müller und Fondsmanager Andreas Schmidt geben einen erfrischend ehrlichen Rückblick auf das erste Jahr. Was lief gut, was ging gründlich in die Hose? Mit der Wirecard-Aktie hatten sie beispielsweise viel Ärger, sind aber immer noch vom Unternehmen überzeugt. „Wir ziehen das bei Wirecard durch, egal was passiert“, sagt Schmidt. Der Januar sei nicht einfach gewesen, aber die Absicherungsstrategie des Fonds habe sich bewährt. Gut 15 Prozent rauschte der Vergleichsindex in die Tiefe, 5,5 Prozent verlor der Fonds. „Gewinne wären mir lieber, aber das müssen wir jetzt aushalten“, kommentiert Müller.

Immer wieder betont Mr. Dax, dass Schmidt ein echtes Zahlengenie sei. „Wo ich mit der Analyse aufhöre, fängt er erst richtig an“, witzelt er. Und wie er dabei vorgeht, dass zeigt er in seinem Vortrag zur Aktienauswahl. „Manche Studenten brauchen dazu acht Semester, wir ziehen das in 45 Minuten durch“, kündigt er an. „Mal sehen, was dabei rauskommt.“ Eine Menge. Die kleine VWL-Studie ist sehr unterhaltsam, leicht verständlich, aber trotzdem gehaltvoll. Die Aktienanalyse sei wie Eiskunstlauf, sie bestehe aus Pflicht und Kür. „Und das Börsenparkett ist manchmal genauso glatt wie das Eis“, sagt Schmidt. Seine Botschaft: Der Umsatz sei die wichtigste Kennzahl in der Bilanz. Der Umsatz sei der Treibstoff für Wachstum. Viele Zuhörer schrieben eifrig mit.

Ein weiterer Programmpunkt ist der Auftritt von Max Otte, der Professor und Bestsellerautor ist ebenfalls Fondsberater – und ein Freund von Dirk Müller. Er spricht über „Die Welt vor dem Endspiel – Vermögenserhalt in unsicheren Zeiten“. Er hat bei Ben Bernanke in Princton studiert, auch Alan Greenspan einmal kennen gelernt, aber nicht EZB-Chef Mario Draghi. Über ihn habe er viel recherchiert und altes Filmmaterial gefunden. Das habe er nun mitgebracht. Es folgt eine Filmsequenz in schwarz-weiß. Ein kleiner Junge schmeißt händevoll Geld aus dem Fenster – in einer Endloswiederholungsschleife. „Das tut er heute auch noch“, witzelt Otte und hat die Lacher auf seiner Seite. Doch dann wir es ernst. „Was haben wir aus der Finanzkrise gelernt? Nix“, kommentiert er einige Charts, die beispielsweise zeigen, dass das Volumen fremdfinanzierter Börsenspekulation auf einem Rekord ist. Er spricht von Finanzrepressionen, von schleichender Enteignung der Sparer. „Fünf Billionen auf Sparkonten sind kein Beweis für den Reichtum der Deutschen, sondern für ihre Dummheit“, so Otte. Ein bisschen wirbt er auch für seinen Fonds, aber das ist erlaubt.

Müller, Schmidt, Otte, später dann noch der ehemalige Bundestagsabgeordnete Willy Wimmer – eine „ziemlich gute Show“ sei das, sagt eine Börsianerin. Sie hat den Fonds nicht im Depot, will auch erstmal abwarten, wie er sich entwickelt. Investiert hat sie trotzdem: 79 Euro hat sie für den Anlegerkongress bezahlt. So viel zahlten die Kongressbesucher – „zum Selbstkostenpreis“, heißt es im Müller-Team. „Das war es wert“, urteilt sie. Und da hat sie das große Finale noch gar nicht erlebt: Zum Ausklang des Tages sorgte nämlich Finanzkabarettist Chin Meyer mit seinem Programm „Reichmacher“ für viel Gelächter. Doch der Star des Tages war Dirk Müller, der sogar eifrig Autogramme schreiben musste. Fehlen nur noch die Kursgewinne.

Quelle:  Handelsblatt Online
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