Munich-Re-Tochter streicht Stellen: Ergo zückt den Rotstift

Munich-Re-Tochter streicht Stellen: Ergo zückt den Rotstift

, aktualisiert 01. Juni 2016, 13:51 Uhr
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Keine klassischen Lebensversicherungen mehr und ein massiver Stellenabbau – Ergo reformiert sich.

Quelle:Handelsblatt Online

Der zweitgrößte deutsche Versicherungskonzern plant einen massiven Umbau. Arbeitnehmervertreter kritisieren den Kahlschlag. Klassische Lebensversicherungen sollen nicht mehr Teil des Ergo-Geschäftsmodells sein.

DüsseldorfMarkus Rieß krempelt Ergo um: Deutschlands zweitgrößter Versicherungskonzern steht vor einem großen Umbau. Bis 2020 sollen vor allem im Vertrieb 2400 von 14.300 Vollzeit-Stellen in Deutschland abgebaut werden, wie der neue Vorstandschef Markus Rieß am Mittwoch in Düsseldorf sagte. 565 Arbeitsplätze sollen an anderer Stelle neu entstehen. Die neue Strategie der Munich-Re-Tochter soll die Kosten bis spätestens 2020 um 280 Millionen Euro netto drücken.

Das Investitions- und Sparprogramm kostet insgesamt rund eine Milliarde Euro, davon schlagen 300 Millionen allein in diesem Jahr zu Buche. Von 2021 an will Ergo damit einen Überschuss von mehr als 500 Millionen Euro pro Jahr bei der Munich Re abliefern.

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Aus dem Geschäft mit klassischen Lebensversicherungen steigt Ergo vollständig aus. Neugeschäft will der Versicherer künftig nur noch mit fondsgebundenen und anderen kapitalmarktnahen sowie mit Risiko-Lebensversicherungen machen. An einen Verkauf des Bestandes an einen Abwickler sei aber nicht gedacht, betonte der Ergo-Chef. Der Konzern müsse zudem die veraltete IT auf Vordermann bringen. Neben der erfolgreichen Tochter Ergo Direkt will Rieß einen reinen Online-Versicherer mit Billigtarifen ins Leben rufen, der 2017 zunächst mit einer Kfz-Versicherung starten soll.

Für das laufende Jahr erwartet der Düsseldorfer Konzern ein „leicht negatives” Ergebnis. Bei der Munich Re dürfte der Gewinn damit auf 2,3 (2015: 3,1) Milliarden Euro sinken, wie die Muttergesellschaft bereits bekanntgegeben hatte. 2017 sollen bei Ergo wieder schwarze Zahlen zu Buche stehen.

Die Ergo-Arbeitnehmer machen sich unterdessen Sorgen um ihre Arbeitsplätze. Vorstand der Neuen Assekuranz Gewerkschaft (NAG) und Ergo-Tarifkommissionsvorsitzender Tobias Münster kritisiert die fehlende soziale Ausgewogenheit der vorgestellten Strategie: „Viele Betroffene haben bereits in vergangenen Strukturprojekten Flexibilität und Loyalität dem 15 Unternehmen gegenüber bewiesen”, so der Gewerkschafter. Dieser „neuerliche Kahlschlag” sei Ausdruck fehlender Wertschätzung und in seiner Dimension sogar noch schlimmer als vergangene Maßnahmen.

Die NAG werde in den nächsten Tagen die Ergo zu 20 Verhandlungen über ein speziell auf den Versicherungskonzern zugeschnittenes Rationalisierungs-Schutzabkommen auffordern. Bei der Ergo-Vertriebstochter EBV sollen die meisten Arbeitsplätze wegfallen. Dort ist die NAG mit beiden Gewerkschafts-sitzen im Aufsichtsrat vertreten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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