Musterdepots: Alle Augen auf die Geldpolitik

Musterdepots: Alle Augen auf die Geldpolitik

, aktualisiert 28. Februar 2016, 10:18 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Die Anleger schauen auf die Inflationszahlen in Deutschland und Europa – und auf die Geldpolitik Mario Draghis. Dieser wird die Märkte nicht enttäuschen wollen, glaubt Handelsblatt-Autor Georgios Kokologiannis.

Frankfurt am MainEnde letzter Woche wurde die aktuelle Inflationsrate in Deutschland vom Statistischen Bundesamt veröffentlicht. Die Verbraucherpreise haben sich im Vergleich zum Vorjahresmonat kaum verändert. Die Volkswirte haben mit einem minimalen Anstieg von 0,1 Prozent gerechnet. Die massiv gesunkenen Energiekosten sind für die fehlende Inflation verantwortlich.

Die Nahrungsmittel, die Wohnkosten und die Dienstleistungen sind im Vergleich zum Vorjahr dagegen um rund ein Prozent teurer geworden. In Frankreich und Spanien sind die Teuerungsraten sogar negativ ausgefallen. Die EZB Zielmarke von etwa zwei Prozent bleibt aus der heutigen Perspektive extrem schwer zu erreichen.

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Aus den USA gab es dagegen am Freitag eher positive konjunkturelle Nachrichten. Im vierten Quartal ist die größte Volkswirtschaft der Welt um annualisiert 1,0 Prozent gewachsen, was die Erwartungen der Ökonomen übertroffen hat. Absolut gesehen ist diese Wachstumsrate allerdings sehr bescheiden.


Draghi wird enttäuschte Markterwartungen nicht riskieren

Sollte der heimische Aktienmarkt vor der nächsten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) am 10. März noch einmal deutliche Kursverluste erleiden, werde ich offensive Anlagezertifikate zukaufen. Damit soll die Investitionsquote des Musterportfolios aus taktischen Gründen weiter erhöht werden. Die Aussicht auf neue geldpolitische Stimuli dürfte etwa den Dax zumindest kurzfristig wieder in den fünfstelligen Kursbereich hochtreiben.

Hintergrund: Die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi dürften bei ihrem nächsten Treffen weitere geldpolitische Maßnahmen präsentieren, um Konjunktur und Inflation anzuheizen. Denn trotz der bisherigen Geldschwemme bleibt die Teuerung in der Euro-Zone deutlich unter der Zielmarke der EZB von knapp zwei Prozent, die sie als ideal erachtet für die realwirtschaftliche Entwicklung: Die Verbraucherpreise kletterten im Januar lediglich um 0,3 Prozent.

Und anders als bei der Dezember-Sitzung, wird es Draghi diesmal nicht riskieren, die Markterwartungen zu enttäuschen. Damals waren die Wertpapierkurse eingebrochen, obwohl die EZB den Geldhahn weiter aufdrehte. Der Dax war am 3. Dezember vergangenen Jahres noch während der Pressekonferenz des EZB-Chefs um fünf Prozent eingebrochen bezogen auf sein Tageshoch im frühen Handel.

Draghi hatte zuvor zu viel versprochen und weniger geliefert. Das umstrittene Wertpapier-Kaufprogramm ('QE') wurde zwar bis März 2017 verlängert, statt es wie ursprünglich geplant im September dieses Jahres auslaufen zu lassen. Zudem werden seitdem neben Staatsanleihen auch Schuldtitel von Kommunen und Regionen vom Markt genommen. Aber das reichte den Investoren nicht, um auf den erreichten Kursniveaus im Markt zu bleiben. Die meisten hatten auf eine Ausweitung des monatlichen QE-Kaufvolumens in Höhe von derzeit rund 60 Milliarden Euro spekuliert. Genau das könnte im März nun tatsächlich anstehen.


Guter Schuldner BNP trotzt schlechter Stimmung im Bankensektor

In unserem Depot haben wir gestern eine Anleihe der französischen Bank BNP Paribas erworben. Die Hybridanleihe hat einen Kupon von 4,875 Prozent und ein Durchschnittsrating von BBB- und liegt damit am unteren Rand des Investmentgrade-Bereichs. Die Anleihe wurde im Jahr 2005 emittiert und hat keine Laufzeitbegrenzung.

Allerdings ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass BNP die Anleihe kündigen und zum Nominalwert zurückzahlen wird, da die Eigenkapitalanrechnung in den kommenden Jahren sinkt und die Anleihe damit für die Bank zu teuer wird. Den Schuldner BNP Paribas halten wir trotz der aktuellen schlechten Stimmung gegenüber des europäischen Bankensektors für gut. Auch wenn einige Bankaktien mittlerweile wieder das Aktienkursniveau des Krisenjahres 2008 erreicht haben, sehen wir derzeit keine Anzeichen für ein erneutes Aufflammen der Bankenkrise. Zwar kämpft die Branche aktuell mit sinkenden Erträgen, die Bilanzqualität vieler Banken hat sich allerdings im Vergleich zu 2008 deutlich verbessert.

Wir haben mit dieser Transaktion und den jüngsten Käufen im Aktienbereich die zuletzt hohe Liquidität in unserem Depot wieder deutlich reduziert. Aktuell halten wir noch etwa 10 Prozent Kasse vor, um Opportunitäten weiter wahrzunehmen. Die weiterhin hohe Aktiengewichtung halten wir temporär für gerechtfertigt, können uns allerdings in den kommenden Tagen und Wochen eine Reduktion aufgrund zunehmend schwacher Konjunkturdaten vorstellen.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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