Musterdepots: Alles hängt an Mario Draghi

Musterdepots: Alles hängt an Mario Draghi

, aktualisiert 09. März 2016, 19:22 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Wie jeder Börsianer warten auch die drei Handelsblatt-Anlagestrategen am Donnerstag nur auf die Entscheidung der Europäischen Zentralbank zur künftigen Geldpolitik. Danach justieren sie ihre jeweilige Anlagestrategie.

Frankfurt am MainDer Aktienmarkt behält in der Summe seinen positiven Grundton bei. Die Kurserholung der letzten Wochen konnte der Dax verteidigen, und seit Monatsbeginn tendieren die Aktien seitwärts. Dass der morgige Tag mit der EZB-Entscheidung von wesentlicher Bedeutung sein kann, ist in den letzten Tagen bereits ausreichend diskutiert und analysiert worden.

Nun gilt es also, diese Entscheidung abzuwarten und sich bei signifikanter Änderung der EZB-Politik neu zu positionieren. Charttechnisch übersetzt würde ein etwaiger Kurssprung über 9.900 Punkte für eine mögliche prozyklische Aufstockung der Aktienquote sprechen. Sollte die EZB mit ihrer Entscheidung am Donnerstag die Markterwartungen enttäuschen, hätte dies umgekehrt eine Reduzierung zur Folge.

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Die Nachrichtenlage auf der volkswirtschaftlichen Seite bleibt dünn. Zwar konnte am Dienstag der starke Zuwachs der deutschen Industrieproduktion deutlich überraschen, aber die Aktienmärkte setzten diese Entwicklung nicht in steigende Kurse um.

Unsere Nachranganleihen profitieren von der sich fortsetzenden Erholung. Alle drei Positionen liegen kurstechnisch im Plus.

Weiter stiegen auch die Kurse für europäische High-Yield-Anleihen. Unser gehaltener High-Xield-ETF kann sich aus den Tiefkursen im Februar um mehr als 3,0 Prozent erholen. In der Summe werden wir für das Halten der risikoreicheren Anleihepositionen belohnt, wissentlich, dass diese Investments seit Jahresbeginn aber eher noch im Minus notieren.


Was die Märkte von der EZB erwarten

Die Europäische Zentralbank (EZB) wird am Donnerstag die Weichen stellen für die weitere kurzfristige Entwicklung an den Kapitalmärkten. Experten erwarten inzwischen unisono, dass die Währungshüter auf ihrer Ratssitzung eine noch expansivere Geldpolitik beschließen werden. Sie rechnen damit, dass die Summe ihres Wertpapier-Kaufprogramms von aktuell 60 auf mindestens 70 Milliarden Euro pro Monat erhöht wird. Auch gehen Beobachter davon aus, dass der Strafzins für Banken von aktuell minus 0,3 auf dann minus 0,4 Prozent verschärft wird. Dadurch soll die Kreditvergabe angekurbelt werden.

Weitere Stimulierungsmaßnahmen sind zwar grundsätzlich positiv für die Börsen – doch dürfte viel davon in den bereits deutlich gestiegenen Kursen von Dax & Co bereits eingepreist sein. Das weiß EZB-Chef Mario Draghi, der auch Überraschendes liefern muss, um Investoren nicht wie Ende vergangenen Jahres erneut zu vergrätzen – und die Glaubwürdigkeit der Notenbank dauerhaft zu beschädigen.

Anders als bei der Dezember-Sitzung, wird es Draghi diesmal nicht riskieren, die Markterwartungen zu enttäuschen. Damals waren die Wertpapierkurse eingebrochen, obwohl die EZB den Geldhahn weiter aufdrehte. Der Dax war am 3. Dezember  noch während der Pressekonferenz des EZB-Chefs um fünf Prozent eingebrochen bezogen auf sein Tageshoch im frühen Handel.

Draghi hatte zuvor zu viel versprochen und weniger geliefert. Das umstrittene Wertpapier-Kaufprogramm (QE) wurde zwar bis März 2017 verlängert, statt es wie ursprünglich geplant im September dieses Jahres auslaufen zu lassen. Zudem werden seitdem neben Staatsanleihen auch Schuldtitel von Kommunen und Regionen vom Markt genommen. Aber das reichte den Investoren nicht, um auf den erreichten Kursniveaus im Markt zu bleiben.


Depot im abgesicherten Modus

Seit dem 21. Januar 2016 befindet sich unser Musterdepot in einem abgesicherten Modus. Nach dem Verkaufssignal durch das Wertsicherungssystem wurden die Gewichtungen aller Einzelaktienpositionen sowie der Ziel-Wikifolios, die eine hohe Korrelation mit den Aktienmärkten aufweisen, signifikant reduziert. Die aktuelle explizite Liquiditätsquote beträgt rund 45 Prozent. Implizit liegt sie noch höher, da das „SR Wisdom Capital spekulativ“-Wikifolio von Sebastian Reese in den letzten Wochen sehr defensiv aufgestellt ist und einen permanent hohen Cash-Bestand aufweist.

Eine gesunkene Investitionsquote bedeutet naturgemäß Performancenachteile bei gut laufenden Aktienmärkten. Dies wird von uns in Kauf genommen. Dabei haben wir dank unseres emotionslosen Wertsicherungssystems den Vorteil, dass wir uns nicht den Kopf darüber zerbrechen müssen, ob aktuell nur eine Zwischenerholung im Rahmen eines Bärenmarktes stattfindet oder doch bereits ein neuer andauernder Aufwärtstrend gestartet ist. Solange wir kein Kaufsignal seitens des Systems haben, bleibt die Investitionsquote deutlich unter 100 Prozent.

Sollten die Märkte in den nächsten Wochen und Monaten weitere Kursverluste verzeichnen, wird unser Depot einen im Vergleich zur Benchmark deutlich reduzierten maximalen Verlust haben. Falls die Aktienbörsen ab sofort nur steigen, kassieren wir einen bestimmten Performanceausfall, welcher als eine Versicherungsprämie betrachtet werden kann.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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