Musterdepots: Anlegen mit Blick auf die Notenbank

Musterdepots: Anlegen mit Blick auf die Notenbank

, aktualisiert 16. Mai 2016, 17:17 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Bei der Frage nach dem Wann der nächsten US-Zinsschritte lassen viele fälschlicherweise eine entscheidende Größe außer Acht: Die Inflation. Denn die Fed schaue nicht nur auf die Konjunktur, erinnert Daniel Hupfer.

Die mittelfristigen Inflationserwartungen in der Euro-Zone - gemessen an der Inflation in fünf Jahren für fünf Jahre - verharren trotz der sehr expansiven Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) auf Tiefstständen. Obwohl die EZB im März vielfältige Maßnahmen beschlossen hat, wie die Senkung des Leit- und Einlagezinses, die Erweiterung des Anleihekaufprogrammes und die Auflegung weiterer Langfristtender, haben sich die Inflationserwartungen der Marktteilnehmer nur um gut 10 Basispunkte erholt seit dem Tiefststand am 29.2.2016 und liegen mit knapp 1,5 Prozent noch deutlich unter dem Inflationsziel der EZB.

In den USA zeigt sich ein anderes Bild. Die Inflationserwartungen sind hier seit dem Tief aus Mitte Februar um mehr als 20 Basispunkte auf über 2,0 Prozent angestiegen und haben damit das Ziel der US-Notenbank erreicht. Sollte diese Entwicklung anhalten, könnte sich die US-Notenbank doch schneller als gewollt und erwartet dazu gezwungen fühlen, die Leitzinsen zu erhöhen. Wir gehen allerdings davon aus, dass die Inflation in näherer Zukunft nicht noch weiter ansteigt und rechnen daher nur mit einer oder maximal zwei Zinserhöhungen im laufenden Jahr in den USA.

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Wir werden die Entwicklung in Europa eng begleiten, um im Falle sich abzeichnender wieder ansteigender Inflationsraten und Inflationserwartungen für unser Depot reagieren zu können. Ein schneller Einstieg ist dann über ein Fondsvehikel möglich. Hier bietet sich unter anderem der iShares Euro Inflation Linked Government Bond ETF von Blackrock an. Dieser Fonds investiert in alle im Euroraum verfügbaren inflationsgebundenen Staatsanleihen und bildet den Barclays Euro Government Inflation Linked Bond Index nach. Die regionalen Schwerpunkte liegen mit 47 Prozent beziehungsweise 32 Prozent des Volumens in Frankreich und Italien. Inflationsgebundene Bundesanleihen sind mit 15 Prozent gewichtet.


Was hinter dem deutschen Wachstum steckt

Das Wirtschaftswachstum in Deutschland betrug in den ersten drei Monaten 2016 0,7 Prozent im Vergleich zum Vorquartal und ist somit so stark ausgefallen wie seit zwei Jahren nicht mehr. Die Daten wurden am Freitag letzter Woche vom europäischen Statistikamt Eurostat bekannt gegeben. Vor allem der robuste Binnenkonsum sowie die stark gestiegenen Staatsausgaben für Flüchtlinge haben das Wachstum getragen.

Darüber hinaus gab es positive Tendenzen bei den Investitionsausgaben der Firmen.  Trotz eines guten Ergebnisses warnen die Volkswirte vor einer Euphorie. Da der Winter relativ mild war, konnten viele Bauprojekte vorgezogen werden. Somit kann die traditionelle Frühlingsbelebung der Konjunktur in diesem Jahr bescheiden ausfallen.

Darüber hinaus birgt ein möglicher EU-Austritt Großbritanniens, welches zum Kreis der wichtigsten Handelspartner Deutschlands gehört, eine Gefahr für das deutsche Wirtschaftswachstum. Das Wirtschaftsministerium rechnet für das Gesamtjahr 2016 mit einem moderaten Wachstum von 1,7 Prozent. Solche Prognosen sind allerdings immer  mit Vorsicht zu genießen, da sie schnell angepasst werden können.      


Gewappnet für das Ende der Wall Street-Hausse

Vor einem Monat habe ich eine neue Position an Reverse-Bonuszertifikaten auf den S&P 500 aufgebaut (WKN: VS8B1F). Sie sollen dazu beitragen, das Handelsblatt-Depot zu stabilisieren, wenn die mehr als siebenjährige Hausse an der Wall Street ausläuft.

Denn diese speziellen Papiere entwickeln sich tendenziell entgegengesetzt zum US-Aktienmarkt – legen mit der Zeit aber auch dann allmählich an Wert zu, wenn die Notierungen unter dem Strich nur noch seitwärts laufen.

Der Kaufzeitpunkt bei einem Indexstand Nahe seines Allzeithochs scheint nicht schlecht gewählt gewesen zu sein: Nach dem Kursrutsch der vergangenen Wochen um knapp vier Prozent liegen die Reverse-Papiere bereits mehr als sechs Prozent im Plus. Rund sieben Prozent weiterer Gewinn lassen sich jetzt damit noch erzielen. Einzige Bedingung: Der S&P 500 bleibt bis Mitte Dezember unter der Marke von 2300 Zählern. Wichtig: Diese Absicherungsprodukte dienen lediglich als Ergänzung des bisherigen Musterportfolios.

Nur in Kombination mit den anderen Bausteinen passen die Reverse-Papiere zu meiner auf Verlustvermeidung ausgerichteten Strategie. Denn falls der US-Leitindex doch unerwartet stark weitersteigen sollte – und die Barriere bei 2300 Punkten knackt – kann die Position separat betrachtet zum Minusgeschäft werden.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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