Musterdepots: Auch am Anleihemarkt ist Nervenstärke gefragt

Musterdepots: Auch am Anleihemarkt ist Nervenstärke gefragt

, aktualisiert 25. April 2016, 19:08 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Es ist jetzt fast genau ein Jahr her, dass die Renditen am Rentenmarkt ohne eine nennenswerte Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds rasant anstiegen – eine Entwicklung, die Anlegern noch immer in den Knochen steckt.

DüsseldorfDie seit geraumer Zeit zu beobachtenden sehr niedrigen Inflationsraten, verbunden mit gleichzeitig sehr geringen Wachstumsraten, sind der Hauptgrund dafür, dass nicht nur die EZB sondern auch viele andere Notenbanken die Zinsen immer weiter gesenkt haben. In den OECD-Ländern lag die Inflationsrate im Februar 2016 gerade einmal bei 1,0 Prozent, der Median der Preissteigerungsrate von 67 Ländern, von denen wir Inflationsdaten zur Verfügung haben, lag sogar nur bei 0,6 Prozent.

Von daher ist es auch nicht verwunderlich, dass der Median des Leitzinses von 42 verschiedenen Ländern zuletzt auf gut zwei Prozent gesunken ist. Nichtsdestotrotz können sich die Renditen am Rentenmarkt aber zumindest temporär von den fundamentalen Rahmenbedingungen, die die Geldpolitik vorgibt, abkoppeln.

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So ist es jetzt fast genau ein Jahr her, dass die Renditen am Rentenmarkt ohne eine nennenswerte Veränderung des wirtschaftlichen Umfelds rasant anstiegen – eine Entwicklung, die gerade institutionellen Anlegern immer noch in den Knochen steckt. Mitte April 2015 war die Rendite für 10- jährige Bundesanleihen bis auf 0,05 Prozent gesunken, und fast niemand rechnete damals mit einer deutlichen Veränderung. Diese kam aber dann doch und zwar mit Vehemenz: Anfang Mai war die Rendite schon auf 0,6 Prozent und Anfang Juni 2015 dann auf rund 1,0 Prozent angestiegen.

Was sich vergleichsweise harmlos anhört, hatte dennoch gravierende Konsequenzen für die Wertentwicklung: 10-jährige deutsche Staatsanleihen verloren innerhalb dieses Zeitraums acht Prozent an Wert.

Wer vor dem Renditeanstieg in noch längere Laufzeiten investiert hatte, erlebte einen wahren Crash. So verlor eine Bundesanleihe mit 30-jähriger Restlaufzeit in acht Wochen sogar 25 Prozent an Wert. Man vermutet heute, dass große Verkaufsorders aus Asien, vor allem aus China, diese Entwicklung ausgelöst haben und dass dann immer mehr Anleger zur Begrenzung ihrer Verluste auf den fahrenden Zug aufgesprungen sind.

Da sich aber am fundamentalen Umfeld nichts änderte, erwies sich das Ganze als relativ kurzer Spuk, denn ab dem Spätsommer begannen die Renditen wieder zu sinken – und das bis zum heutigen Tag.


Profianleger haben ihre Investitionsquote gesenkt

Handelt es sich nur um eine kleine Zwischenkorrektur oder sind die Zeiten der Kursgewinne für längere Zeit vorbei? Es gibt Anzeichen dafür, dass die Rally nicht einfach so weitergeht. Viele Profianleger haben schon reagiert. Sie haben ihre Investitionsquote nach der Rally der vergangenen beiden Wochen deutlich gesenkt, und im Gegenzug  setzen sie verstärkt auf fallende Kurse.

Generell geht man ab Mai von den schwächeren Börsenmonaten  aus. Aber das ist für mich kein ausreichend belegte Börsenweisheit.  Viel eher dürfte die anstehende Abstimmung  über den Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union eine Rolle spielen und die Zeit vor der Entscheidung am 23. Juni ein Belastungsfaktor sein.

Auf der anderen Seite: Konjunkturell läuft es derzeit weltweit besser. Oder besser ausgedrückt: Nicht ganz so schlecht wie befürchtet. Entsprechend führen zyklische Aktien und Rohstoffe derzeit die Börsenrally an. Vermutlich dürfte aber weder die Rally so weitergehen noch dürfte es wieder einen großen Einbruch an den Märkten geben.


Binnenkonsum als wichtige Konjunkturstütze

Der Ifo-Geschäftsklimaindex ist im April überraschend um 0,1 Punkte auf 106,6 Zähler zurückgegangen. Die Volkswirte haben im Durchschnitt mit einer Steigerung auf 107,0 Punkte gerechnet. Nichtsdestotrotz schätzt das Münchner Ifo-Institut die aktuelle konjunkturelle Lage in Deutschland moderat positiv ein.     

„Die Stimmung in der Wirtschaft ist gut, aber nicht euphorisch“, so der Ifo-Experte Klaus Wohlrabe. Die befragten Manager beurteilen die Geschäftsaussichten positiver als vor einem Monat, gleichzeitig schätzen sie die aktuelle Lage etwas schlechter ein. Die Stimmung im verarbeitenden Gewerbe und in der Bauindustrie ist deutlich besser ausgefallen als im Groß- und Einzelhandel.

Als Basisszenario bleibt für das Ifo-Institut ein moderates Wachstum in Deutschland. Die Experten des Instituts gehen davon aus, dass die deutsche Wirtschaft im ersten Quartal um etwa 0,6 gewachsen ist. Für das angelaufene zweite Quartal trauen die Ifo-Ökonomen der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone ein Wachstum von 0,3 Prozent zu. Der Binnenkonsum dürfte dabei die wichtigste Konjunkturstütze bleiben. 

Quelle:  Handelsblatt Online
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