Musterdepots: Bärenmarkt am Rosenmontag

Musterdepots: Bärenmarkt am Rosenmontag

, aktualisiert 08. Februar 2016, 17:20 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Die europäischen Börsen sind am Rosenmontag mit massiven Verlusten in die Woche gestartet. Hohe Kassenbestände helfen die Verluste der Musterdepots zu begrenzen.

Die europäischen Börsen sind am Rosenmontag sehr unfreundlich in die neue Woche gestartet. Ähnlich schlecht geht es auch anderen europäischen Indizes. Ein vor etwa zwei Wochen aufgebauter Liquiditätsbestand hilft unserem Musterdepot derzeit die Verluste zu begrenzen. Außerdem erfüllt das „SR wisdom capital spekulativ“-wikifolio von Sebastian Reese im aktuellen Umfeld hervorragend seine Diversifikationsrolle.

Es basiert auf einer eigenentwickelten flexiblen Tradingstrategie von Herrn Reese und wurde von uns zwecks Strategiediversifikation in unser ansonsten sehr fundamental ausgerichtetes Musterdepot aufgenommen. Zwischen 2014 und 2015 konnte das wikifolio performancetechnisch nicht mit den Spitzenreitern wie „Dividende und Eigenkapital Deutschland“ von Holger Degener oder „ETF-Werte des ICAX“ von Uwe Freier konkurrieren, dafür zahlt sich die Flexibilität des Ansatzes von Herrn Reese momentan aus.

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Seit einigen Wochen war der Portfoliomanager sehr defensiv und hielt eine hohe Liquiditätsquote. Ende letzter Woche hat er die kräftigen Kurssteigerungen bei Minenaktien zum Ausstieg genutzt und somit fast 100 Prozent Cash aufgebaut. Da das „SR wisdom capital spekulativ“-wikifolio eine relativ niedrige Korrelation zum Restdepot und dem breiten Markt aufweist, war die Position von der Reduktion der Investitionsquote nicht betroffen und hat derzeit die höchste Gewichtung im Gesamtportfolio.    


Wachstumsdelle oder Rezession?

Die Situation an den Kapitalmärkten bleibt weiterhin angespannt. Die internationalen Aktienmärkte stehen nach wie vor unter starkem Abgabedruck, während deutsche Bundesanleihen nahezu die einzige Anlageklasse darstellen, die sich diesem Negativtrend noch entziehen können. Aus unserer Sicht spiegelt sich in den Bundesanleihen mittlerweile die Panik einiger Marktteilnehmer wider. Anders ist der Renditerückgang von Bundesanleihen nur schwer erklärbar.

Zwar sind wir nach wie vor der Meinung, dass die fundamentalen Daten aktuell noch besser sind, als es die Börsenkurse derzeit suggerieren. Allerdings schwächen sich derzeit die volkswirtschaftlichen Frühindikatoren dies- und jenseits des Atlantiks weiter ab. Bisher gehen wir von einer Wachstumsdelle aus und nicht von einer Rezession aus, der Puffer zwischen diesen beiden Szenarien ist allerdings sehr klein, was die hohe Volatilität an den Aktienmärkten beweist.

Die am Freitag vergangener Woche veröffentlichten US-Arbeitsmarktdaten weisen derzeit nicht auf eine Rezession in den USA hin. Mit einem Stellenzuwachs von 151.000 Jobs befindet sich die Beschäftigung weiterhin auf einem Rekordniveau. Mit den jüngsten schwachen Konjunkturdaten aus den USA hätte die Beschäftigung aber auch weit weniger zulegen können, insofern ist dies eine gute Nachricht gewesen. Einschränkend muss man allerdings sagen, dass es sich beim Arbeitsmarkt um einen nachlaufenden Indikator handelt und er daher für volkswirtschaftliche Prognosen nur bedingt geeignet ist.


Aktienfanatiker verstummen

Während Berufsoptimisten selbst beim Dax-Allzeithoch von fast 12.400 Punkten im vergangenen Jahr die Anleger noch zum Börseneinstieg gedrängt haben, wurde an dieser Stelle immer wieder vor der Kauf um jeden Preis gewarnt: Anders als es das Dauermantra der Finanzindustrie behauptete, seien Aktien keinesfalls "alternativlos" - und Dividenden alles andere als "der neue Zins", habe ich mehrfach geschrieben.

Mittlerweile ist der Dax unter die Marke von 9000 Punkten eingebrochen - und die Aktienfanatiker sind erstaunlicherweise völliger verstummt. Dabei haben die Notierungen inzwischen tatsächlich Bewertungsniveaus erreicht, die eine Depotbeimischung auch für defensivere Anleger erwägenswert erscheinen lassen - anders als noch im vergangenen Jahr. Der Dax-Anstieg sei seit 2011 mehr als drei Mal höher ausgefallen, als es auf Basis der Gewinnentwicklung fundamental gerechtfertigt wäre, hatte ich an dieser Stelle mehrfach gewarnt.

Und Ende August beispielsweise lautete daher meine Schlussfolgerung: "Selbst wenn man den Anteil am Dax-Kurszuwachs rausrechnet, der wegen der Eigenart des Börsenbarometers als sogenannter „Total-Return-Index“ auf die Dividendenzahlungen der vergangenen viereinhalb Jahre zurückzuführen ist: Auch dann ist der Dax-Anstieg immer noch deutlich mehr als doppelt so hoch, als auf Basis der Gewinnentwicklung gerechtfertigt wäre. Statt bei 11.400 Punkten müsste der Index dieser Rechnung zufolge aktuelle eher bei knapp 9.300 Punkten stehen." Inzwischen ist der Dax sogar deutlich günstiger zu haben.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quellle:  Handelsblatt Online
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