Musterdepots: Datenpuzzeln für die Fed

Musterdepots: Datenpuzzeln für die Fed

, aktualisiert 15. März 2016, 18:14 Uhr
Quelle:Handelsblatt Online

Vor den Zinssitzung der US-Notenbank geben frische Konjunkturdaten des Ausschlag. Alexander Kovalenko wagt eine Deutung. Und Daniel Hupfer zeigt, dass das rechte Maß auch an der Börse gilt – frei nach Aristoteles.

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Alexander Kovalenko

Frankfurt am MainAm Dienstag wurden einige aktuelle Konjunkturdaten in den USA veröffentlicht. Die Einzelhandelsumsätze sind im Februar um 0,1 Prozent zum Vormonat gesunken, was im Rahmen der Erwartungen lag. Die Januardaten sind allerdings nachträglich nach unten adjustiert worden: Aus einem Plus von 0,2 Prozent ist nun ein Minus von 0,4 Prozent geworden, was eindeutig negativ einzuschätzen ist. 

Vor allem die Autohändler und Tankstellenbetreiber mussten im Februar Umsatzrückgänge hinnehmen. Die gesunkenen Benzinpreise haben die Monatsergebnisse stark belastet. Positiv waren dagegen die Absatzzahlen im Bereich der Baumaterialien, was ein gutes implizites Signal für den Immobiliensektor darstellt.

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Ein positives Signal gab es vom New Yorker Konjunkturindex für das Verarbeitende Gewerbe. Die Neuaufträge erreichten das höchste Niveau seit anderthalb Jahren und verhalfen zu einem besseren Konjunkturindexstand als von Volkswirten erwartetet. Die neuen Informationen fließen in das Datenpuzzle ein, auf dessen Basis die Federal Reserve, die Fed, am Mittwoch ihre Zinsentscheidung treffen wird.     


Nicht zu viel und nicht zu wenig

Seit dem Sommer 2014 befindet sich der Ölpreis im Sinkflug. Lag der Preis von einem Barrel Öl damals bei rund 110 US-Dollar, so ist für dieselbe Menge des schwarzen Goldes heute nur knapp 40 US-Dollar zu bezahlen. Mitte Februar war der Ölpreis sogar nochmals 10 US-Dollar niedriger. In Euro und auf den Liter umgerechnet ist der Preis in diesem Zeitraum von rund 0,50 auf gut 0,20 Euro gesunken. Dieser Einbruch hat weitreichende Konsequenzen und zwar sowohl für die globale Wirtschaft als auch für die Kapitalmärkte.

Vor einem Jahr gingen fast alle Ökonomen davon aus, dass der Rückgang des Ölpreises mit einem kleinen Konjunkturprogramm gleichzusetzen sei. Da niedrigere Energiepreise für Verbraucher wie eine Steuersenkung wirken, würden sich daraus positive wirtschaftliche Effekte in den Ölimportländern ergeben, so die nahezu einhellige Meinung. Der Absturz des Ölpreises hat allerdings dazu geführt, dass diesen positiven Effekten auch weitreichende negative Konsequenzen auf Seiten der Ölförderländer gegenüberstehen.

Wegbrechende Einnahmen der Ölproduzenten bringen Unternehmen und Staatshaushalte in arge Bedrängnis, Firmenpleiten und Rezessionen, wie in Brasilien und Russland, sind die Folge. Dies beweist wieder einmal, dass ein Zuviel von einer Sache genauso negative Konsequenzen haben kann wie ein Zuwenig. Der Blick in die Vergangenheit zeigt, dass ein Ölpreisrückgang von mehr als 30 Prozent im Vorjahresvergleich der Weltwirtschaft häufig mehr geschadet als genutzt hat.


Im Vorfeld des „Hexensabbats“

Sollten Anschlusskäufe den Dax nach einem Überwinden der Zehntausendermarke rund vier Prozent weitertreiben, dürfte der Aktienindex im Anschluss schubartig noch eine Etage höher steigen. Denn etwas über 10.400 Punkten verläuft derzeit die sogenannte 200-Tage-Linie, die vielen Investoren als Signalgeber für ihre Börsenengagements dient.

Die Kurve beschreibt den gleitenden Durchschnitt der Notierung in den vergangenen 200 Tagen, und es gilt die Regel: Verkaufe, wenn der Kurs einer Aktie oder eines Marktindexes unter die Linie sinkt – und kaufe im umgekehrten Fall. Weil die Anweisung so eingängig ist, orientieren sich massenhaft auch Anleger daran, die Charttechnik sonst kaum beachten. Die Folge: eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Noch aber ist es nicht soweit: Einem nachhaltigen Sprung in den fünfstelligen Bereich steht neben der Sitzung der US-Notenbank Fed am Mittwochabend zunächst auch der Verfallstermin von Optionen und Futures am frühen Freitagnachmittag entgegen.

Vor allem Großinvestoren versuchen im Vorfeld des sogenannten „Hexensabbats“ durch gezielte Käufe und Verkäufe, die Kurse der Basiswerte ihrer Finanzinstrumente auf für sie günstige Abrechnungskurse zu bewegen.

Beim Dax dürften viele Institutionelle ein Interesse daran haben, dass der Aktienindex bis zum Abrechnungszeitpunkt um 13 Uhr nicht auch noch die nächsthöheren runden Marken knackt – und bis dahin entsprechend handeln.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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