Musterdepots: Der Euro klettert, aber nicht mehr lang

Musterdepots: Der Euro klettert, aber nicht mehr lang

, aktualisiert 28. Januar 2016, 19:31 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Die Fed wird den Leitzins im März wohl noch nicht anheben. Das schwächt den Dollar – und lässt den Euro klettern. Dennoch sehen Devisenhändler darin keinen langfristigen Trend. Sie sehen eine baldige Kehrtwende.

Frankfurt am MainAm Devisenmarkt ist eine Entwicklung zu beobachten, die Währungsstrategen überraschen dürfte – Anleger aber eher nicht: Der Euro kletterte am Donnerstag den vierten Tag in Folge, dieses Mal auf über 1,09 US-Dollar. Damit steuert die europäische Gemeinschaftswährung auf den zweiten Monatsgewinn hintereinander zu. Dabei hatten Experten wegen der ungebremsten Liquiditätsflut der Europäischen Zentralbank (EZB) eigentlich eine erneute Abwertung prognostiziert.

Doch Investoren ficht die Ankündigung weiterer geldpolitischer Lockerungen durch die EZB offenbar nicht an. Darauf deutet eine Auswertung des Analysehauses Sentix: Ein spezieller Index, der die Grundüberzeugung der Investoren für den Euro/US-Dollar-Wechselkurs misst, sei nun überraschend auf den höchsten Stand seit über zwei Jahren gestiegen. Und dieser sogenannte „strategische Bias“, entwickelt sich bereits seit Mitte November entgegengesetzt zum Wechselkurs.

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Was dies nach Ansicht der Fachleute von Sentix bedeutet, die anhand der Stimmung der Anleger Schlüsse für die weitere Entwicklung an den Finanzmärkten ziehen: Am Ende dürften die Währungsstrategen mit ihren negativen Euro-Prognosen doch noch recht bekommen. Denn aufgrund seiner Vorlaufeigenschaften deute dieser „divergierende Indikator“ auf eine baldige Richtungsänderung des Wechselkurses.


Warum der Iran Peugeot helfen könnte

Die Beilegung des Atomstreits zwischen den westlichen Industrieländern und dem Iran haben zur Aufhebung der jahrelangen Sanktionen geführt. Dies eröffnet vielversprechende Perspektiven für die Zusammenarbeit von westlichen und iranischen Unternehmen. Als erstes wird dabei in der Regel die Kooperation bei der Ölförderung und -verarbeitung erwähnt, denn Iran ist eines der ölreichsten Länder der Welt.

Aber auch in anderen Wirtschaftsbereichen öffnen sich sehr interessante Opportunitäten. Der iranische Präsident Hassan Ruhani macht derzeit eine Europatour und führt zahlreiche Gespräche mit Industrievertretern. Am Donnerstag kam eine Nachricht aus Frankreich, dass Airbus und Peugeot (PSA) einige große Projekte mit dem Iran planen. Der zweitgrößte europäische Autobauer, dessen Aktie sich in unserem Musterdepot befindet, kann eine lange Historie der Wirtschaftsbeziehungen mit dem Iran vorweisen.

Die Einführung der Sanktionen hat den französischen Konzern vor einigen Jahren fast ein Zehntel seines Auslandsgeschäfts gekostet. Am Donnerstag wurde nun der Aufbau eines gemeinsamen Unternehmens mit einer anfänglichen Kapazität von rund 200.000 Fahrzeugen jährlich angekündigt. PSA bemüht sich um eine stärkere Internationalisierung des Geschäftes. Ein Erfolg im Iran könnte bei diesem Prozess eine wichtige Rolle spielen.


Weniger japanische Aktien

Mit dem Verkauf des ETF auf den MSCI Japan haben wir uns am Mittwoch von einem weiteren Investment im Aktienbereich getrennt und entsprechend die Aktienquote reduziert. Unsere Argumente für ein Investment in Japan waren im vergangenen Jahr die sehr expansive Geldpolitik der japanischen Notenbank, die Umsetzung von Reformen der aktuellen Regierung sowie die positive Gewinnentwicklung bei den japanischen Unternehmen.

Zwar haben unsere Argumente weiterhin Bestand und wir halten es auch für möglich, dass die Geldpolitik in Japan noch expansiver gestaltet wird, sollte sich der Erfolg der bisherigen Maßnahmen nicht einstellen. Allerdings scheint sich die wirtschaftliche Schwäche der chinesischen Wirtschaft zunehmend negativ auf die japanische Konjunktur auszuwirken. Vor diesem Hintergrund beenden wir unser Engagement in Japan, auch wenn wir hiermit einen Verlust realisieren.

Unsere Aktienquote liegt mit dem Verkauf bei nur noch etwa 58 Prozent. Die Liquidität beträgt über 20 Prozent. Damit haben wir genügend Cash, um bei einer weiteren Schwäche an den Aktienmärkten qualitativ gute Unternehmen zu einem günstigen Preis zuzukaufen. Bis dahin gilt es in den volatilen Märkten einen kühlen Kopf zu bewahren und auch an schwachen Tagen nicht alle Aktien zur Disposition zu stellen.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quellle:  Handelsblatt Online
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