Musterdepots: Die Letzten werden die Ersten sein

Musterdepots: Die Letzten werden die Ersten sein

, aktualisiert 12. Mai 2016, 18:08 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Für das schwierige Börsenjahr 2016 macht Depotstratege Daniel Hupfer eine äußerst interessante Beobachtung: Gerade die schlechten Performer laufen am besten. Welche Umstände dafür sorgen und was man davon halten sollte.

Der Einstieg in das Aktienjahr 2016 kann als klassischer Fehlstart bezeichnet werden. Sorgen um China und die Angst vor einem Abgleiten der Weltwirtschaft in eine neue Rezession führten dazu, dass entgegen typischer saisonaler Muster schon im Januar heftige Rückgänge an den Aktienmärkten zu beobachtet waren. In der Spitze verlor beispielsweise der breite europäische Aktienindex Euro-Stoxx-600 etwa 17 Prozent. In der zweiten Hälfte des ersten Quartals kam es zwar zu einer Beruhigung an den Börsen, jedoch liegen die breiten Indizes aktuell weiterhin deutlich hinter ihren Jahreseinstandswerten.

Abseits der breiten, marktkapitalisierungsgewichteten Indizes gibt es aber durchaus Aktien, die nicht nur ihren Index schlagen konnten, sondern auch seit Jahresbeginn eine positive Performance aufweisen. Betrachtet man diese Aktien etwas genauer fällt ein gemeinsamer Nenner auf: die niedrige Bewertung.

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Anscheinend konnten in einem Umfeld, das seit Mitte Februar von sich stabilisierenden Rohstoffpreisen, einer zurückhaltenden amerikanischen und einer noch expansiver werdenden europäischen Zentralbank gekennzeichnet ist, vor allem Unternehmen profitieren, die eher weniger solide Geschäftsmodelle aufweisen.

Hätte man am 31.12.2015 ein gleichgewichtetes Portfolio mit den zu dem Zeitpunkt 100 am schlechtesten bewerteten Aktien aus dem STOXX 600 erworben, so läge man aktuell 5,5 Prozent, am 29. April sogar 8,2 Prozent, vor dem breiten Index. Das diesem Portfolio viele Unternehmen aus dem Banken- und Energiesektor angehören ist nicht weiter verwunderlich. Jedoch haben Anfang März die Spekulationen um eine offensivere Gangart der EZB-Geldpolitik und dann schließlich deren Bekanntgabe den Kurs dieser Unternehmen geradezu beflügelt.

Die Frage ist allerdings wie lange dieser Trend noch anhalten wird. Wir sind der Meinung, dass es sich bei diesem Phänomen um eine durch die EZB induzierte Übertreibung handelt und dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis eine Mean-Reversion einsetzten wird.

Die konjunkturelle Lage hat sich in den letzten Wochen weiter entspannt und auch die aktuellen Sonderthemen, wie beispielsweise das Brexit-Votum oder der Visa-Deal mit der Türkei, sprechen nicht unbedingt dafür, Aktien mit einer niedrigen Bewertung zu erwerben.


Warum weiterhin auf OMV setzen?

Die Berichtsaison geht weiter. Am Mittwoch hat der österreichische Öl- und Gaskonzern OMV seine Quartalsergebnisse bekannt gegeben. Der Nettogewinn ist im Vergleich zur Vorjahresperiode um mehr als 40 Prozent zurückgegangen. Dies stellte allerdings keine Überraschung dar: Die Analysten haben im Durchschnitt sogar mit einem stärkeren Einbruch gerechnet.

Der Grund für die Probleme der Österreicher waren natürlich die massiv gesunkenen Öl- und Gaspreise. Auch für 2016 rechnet der Konzernchef Rainer Seele mit einem durchschnittlichen Preisniveau von etwa 40 US-Dollar pro Barrel der Marke Brent. Vor zwei Jahren lag der Preis noch bei über 110 US-Dollar. OMV schaut jedoch nicht tatenlos auf den gesunkenen Rohstoffpreis. Der Konzern arbeitet an den betrieblichen Sparmaßnahmen sowie an der Reduktion der Investitionsausgaben. Viel Hoffnung setzt OMV auf die Zusammenarbeit mit der russischen Gazprom.

Die Österreicher möchten sich an den sibirischen Öl- und Gasfeldern beteiligen, wo die Förderkosten deutlich niedriger als zum Beispiel in der Nordsee sind. Der Kursverlauf der OMV-Aktie, welche sich in unserem Musterdepot befindet, bleibt in den letzten Monaten relativ stabil. 2015 hat sie mit einer Performance von 25 Prozent den breiten Markt deutlich geschlagen.


Gold, eine günstige Versicherung

Um mehr als 20 Prozent ist seit Jahresanfang der Goldpreis gestiegen.  Und Gold bekommt immer mehr Fans. So rät beispielsweise Hedegefonds-Manager Paul Singer zum Kauf des gelben Edelmetalls. Auch hierzulande hat das gelbe Metall prominente Fürsprecher.

Als eine „Versicherung, die nichts kostet“ hat Bert Flossbach, Gründer der Vermögensverwaltung Flossbach von Storch, das gelbe Metall beschrieben. Sein zehn Milliarden schwerer Fonds hat mittlerweile einen Goldanteil von zwölf Prozent gegenüber acht Prozent im Vorjahr. 

Auch Robert Halver von der Baader Bank  meint, dass keine andere Anlageklasse über mehr Argumente für steigende Preise verfüge als Gold. Doch seine Schlussfolgerung ist eine andere: Eine weitere fundamental vollkommen gerechtfertigte, dramatische Aufwärtsbewegung von Gold, die auch die Höchstständen von 2011 mühelos hinter sich lassen könnte,  sei aber nicht zu erwarten.

Denn einer der größten Käufer seien Notenbanken, die seit 2008 ihren Goldbestand um mehr als 100 Millionen Unzen erhöht haben. Doch diese Notenbanken hätten kein Interesse an einem massiv ansteigenden Goldpreis. Das dürfte seiner Ansicht nach Geld das Vertrauen entziehen und Gold als Geldscheinersatz sowie Silber als Hartgeldersatz hoffähig machen.

 

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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