Musterdepots: Geldpolitik in Theorie und Wirklichkeit

Musterdepots: Geldpolitik in Theorie und Wirklichkeit

, aktualisiert 19. Mai 2016, 19:46 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Die Verantwortlichen in der Europäischen Zentralbank sind überzeugt, dass ihre Geldpolitik Früchte zeigt. Wikifolio-Anlagestratege Alexander Kovalenko kann den Optimismus der Notenbanker nicht teilen.

FrankfurtAm Donnerstag wurde das Protokoll der EZB-Sitzung im April veröffentlicht. Demzufolge sind die Notenbanker verhalten optimistisch hinsichtlich des Wirtschaftswachstums in der Euro-Zone. Durch die beschlossene Ausweitung des Anleihekaufprogramms sowie den geplanten Erwerb von Unternehmensanleihen erhofft sich die Europäische Zentralbank, dass die Firmen sich noch günstiger refinanzieren und mehr investieren können. Dies würde der Wirtschaft der Eurozone einen zusätzlichen Impuls geben.

Darüber hinaus wird man weiterhin konsequent versuchen, die Inflation auf die gewünschte Marke von zwei Prozent zu bringen.

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Derzeit schaut die wirtschaftliche Realität allerdings so aus, dass dahinter ein großes Fragezeichen stehen muss. Das Problem der Notenbank ist, dass die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes,  welche das Verhältnis zwischen der Geldmenge und dem Bruttosozialprodukt bestimmt, seit Jahren rückläufig ist. Bleibt sie niedrig oder geht sie gar zurück, kann die EZB so viel Geld drucken, wie sie will: Dies würde kaum ein gesundes, nachhaltiges Wachstum generieren.

Das Problem der Eurozone als Ganzes ist die Heterogenität der Volkswirtschaften, die eine gemeinsame Währung haben. Durch das bloße Gelddrucken werden diese Probleme nicht gelöst, man braucht tiefgreifende strukturelle Reformen, die vor allem die Wettbewerbsfähigkeit der Mittelmeerländer erhöhen beziehungsweise wiederherstellen sollen.


Investment in Statoil-Titel bietet doppelte Chance

Mit dem norwegischen Öl- und Gasunternehmen Statoil haben wir in dieser Woche unser Aktienexposure im Öl-Bereich etwas erhöht. Statoil, das größte norwegische Unternehmen mit dem norwegischen Staat als Mehrheitsgesellschafter, bedient mit seinen Geschäftsbereichen die komplette Wertschöpfungskette, von der Ölförderung über den Transport hin zum Tankstellennetz. Ende April konnte das Unternehmen trotz des niedrigen Ölpreises mit guten Quartalszahlen überraschen. Unter dem Strich verblieb für das erste Quartal ein kleiner Gewinn, während Analysten von einem Verlust ausgegangen waren.

Aufgrund der Erholung der Ölpreise, geringeren Investitionen und Steuerzahlungen sowie Kosteneinsparungen sollte sich der positive Trend bei der Gewinnentwicklung in 2016, wenn auch auf einem tiefen Niveau, weiter fortsetzen. Das Unternehmen hatte zuletzt verkündet, die Dividende stabil halten zu wollen, so dass Anleger mit einer Ausschüttung von knapp über fünf Prozent rechnen können.

Wegen der Börsennotiz in norwegischen Kronen bietet eine Investition in Statoil eine doppelte Chance. So erholen sich bei steigenden Ölpreisen einerseits die Aktienkurse der Ölunternehmen als auch der Wechselkurs der norwegischen Krone gegen den Euro. Sollte der von uns erwartete weitere Aufwärtstrend der Ölpreise jedoch nicht eintreten, würde die Aktien von Statoil aus Sicht eines Euro-Anlegers allerdings auch überproportional verlieren.


Sinneswandel bei Goldman Sachs

Goldman Sachs reiht sich ein in die Riege der Banken, die ihre zuvor optimistische Einstellung zu weltweiten Aktieninvestments überdacht haben – und Börsianer plötzlich zur Zurückhaltung mahnen. Als Hauptgrund nennen Analysten des Wall-Street-Hauses reduzierte Ergebnisschätzungen für die Unternehmen.

Bemerkenswert: Erst Anfang des Jahres hatten Goldman-Strategen auf einer Investmentkonferenz der Bank in Frankfurt zum Übergewichten von Aktien geraten. Dabei schien es damals beispielsweise um die US-Wirtschaft deutlich schlechter gestellt zu sein als derzeit. So haben zuletzt gute Produktionszahlen der US-Firmen signalisiert, dass die weltgrößte Volkswirtschaft inzwischen wieder an Schwung gewinnt.

Und auch die für die amerikanische Konjunktur extrem wichtige Verbraucherstimmung zeigte sich zuletzt robuster als noch vor einigen Monaten. Sie ist laut einer Erhebung der Uni Michigan so gut wie seit fast einem Jahr nicht mehr. Mit ein Grund dafür, dass jetzt überhaupt wieder die Diskussion um eine möglicherweise anstehende Leitzinsanhebung aufkommt.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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