Musterdepots: Hochriskanter Markt oder Einstiegschance?

Musterdepots: Hochriskanter Markt oder Einstiegschance?

, aktualisiert 25. Januar 2016, 20:40 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Seit Jahresanfang müssen die chinesischen Aktienmärkte teils heftige Verluste verbuchen. Mancher Vermögensverwalter sieht darin aber keine Anzeichen für eine Rezession, sondern eine Chance für Anleger. Zu Recht?

FrankfurtNach den massiven Kursverlusten der vergangenen Monate am chinesischen Aktienmarkt raten mittlerweile immer mehr Investmenthäuser zum Einstieg. Hintergrund: Über ein Drittel seines Wertes hat der Leitindex Shanghai Stock Exchange Composite seit dem vergangenen Sommer eingebüßt – knapp die Hälfte davon allein seit dem Jahreswechsel.

Die Marktschwäche werde eher von der vorherrschenden Stimmung als von Fundamentaldaten getrieben, heißt es derzeit etwa beim Vermögensverwalter Baring Asset Management. Doch obwohl China derzeit zweifellos eine wirtschaftliche Verlangsamung erfahre, bedeute dies nicht den Übergang in eine Rezession. Vielmehr sei man bei Barings der Auffassung, dass China trotz der pessimistischen Marktstimmung günstig bewertet sei.

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Das sehe ich anders: Hauptproblem ist die zweifelhafte Glaubwürdigkeit der offiziell gemeldeten Konjunktur- aber auch Unternehmenszahlen. Und an diesem systemimmanenten Problem einer Planwirtschaft wird sich so schnell nichts ändern.

Wegen der damit verbundenen dauerhaften Unsicherheit bleibt die Entwicklung an den Börsen der Volksrepublik unberechenbar. Ich lasse daher weiterhin die Finger von solchen hochriskanten Märkten, die sich höchstens als rein spekulative Depotbeimischung eignen. Das Handelsblatt-Musterdepot konzentriert sich weiterhin auf die Aktienbörsen in Europa und den USA.


Mieses Geschäftsklima in Deutschland

Der breit beachtete Ifo-Geschäftsklimaindex ist im Januar überraschend schwach ausgefallen. Während die Volkswirte im Durchschnitt mit einem leichten Rückgang von 108,6 auf 108,4 Zähler gerechnet haben, sank das Barometer deutlich auf 107,3 Punkte. Dies war der zweite Rückgang in Folge.

Sowohl die aktuelle Lage als auch die Zukunftsperspektiven wurden von den Managern schlechter eingeschätzt. Der Ifo-Präsident Hans-Werner Sinn sagte dazu: „Die deutsche Wirtschaft blickt erschrocken ins neue Jahr“. Die Verwerfungen an den Rohstoffmärkten, welche die wichtigen Handelspartner aus den Schwelländern schwächen, die Sorgen um die Konjunktur Chinas sowie die merklichen Börsenturbulenzen verunsichern zunehmend die deutschen Unternehmer.

Die meisten Ökonomen tendieren jedoch dazu die aktuelle Lage nicht allzu stark zu dramatisieren. Viele andere Frühindikatoren deuten bisher auf ein moderates Wachstum in der Bundesrepublik im Jahr 2016 hin. Vom verarbeitenden Gewerbe werden zwar keine signifikanten Wachstumsimpulse erwartet, der Binnenkonsum und die Bauwirtschaft sollten jedoch das BIP-Wachstum stützen.


Was im Dax vom Leitzins bleibt

Die Europäische Zentralbank hat am Donnerstag vergangener Woche den Leitzins wie erwartet unverändert belassen. Auch der Einlagenzinssatz blieb unangetastet. Trotzdem warb Notenbankpräsident Mario Draghi sowohl auf der Pressekonferenz als auch in seiner Rede am Freitag auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos für die Maßnahmen, die erst im Dezember 2015 beschlossen wurden: Diese zeigten Wirkung und wären angemessen.

Allerdings äußerte Draghi auch, dass die Abwärtsrisiken für die Wirtschaft und die Inflation zuletzt nochmals zugenommen hätten. Schwächeres Wachstum in den Schwellenländern und der Verfall der Ölpreise bereiten den Währungshütern der EZB zunehmend Sorgen. Insofern werde die EZB bei ihrem nächsten Zinsentscheid im März zum einen ihre Annahmen für die Inflation und das Wachstum in der Eurozone überprüfen, zum anderen, ob die Art und der Umfang der verwendeten Maßnahmen ausreichend sei, um das Inflationsziel der Notenbank zu erfüllen. Abermals versuchte Draghi damit, die Marktteilnehmer auf eine zukünftig nochmals expansivere Geldpolitik einzustimmen.

Ob die Freude über die nun erfolgte Ankündigung lange anhalten wird, bleibt abzuwarten. Denn im Dezember 2015 blieb die Notenbank mit ihren Beschlüssen erstmals klar hinter den Konsenserwartungen zurück. Es scheint immer schwerer zu sein, für eine noch expansivere Geldpolitik Mehrheiten im EZB-Rat zu organisieren. Von daher ist die Fantasie, dass die Notenbank zukünftig noch mehr Geld drucken könnte, nicht mehr ganz so viel Wert wie zuvor.

Kurzfristig blieb der Draghi-Effekt jedoch nicht aus. Die neuerlich in Aussicht gestellte Lockerung der Geldpolitik wurde an den Märkten erneut positiv aufgenommen, der DAX schloss sowohl am Donnerstag als auch am Freitag jeweils rund 2 Prozent fester.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quellle:  Handelsblatt Online
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