Musterdepots: Inflationsanleihen werden überschätzt

Musterdepots: Inflationsanleihen werden überschätzt

, aktualisiert 29. März 2016, 16:57 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Inflationsindexierte US-Anleihen sind für unseren Autor nur auf den ersten Blick attraktiv. Denn auch sie bieten ein unterschätztes Risiko: Spiegelt die Inflationsrate wirklich den tatsächlichen Kaufkraftverlust wider?

Experten der Fonds-Riesen Blackrock und Pimco raten derzeit in inflationsindexierte US-Anleihen zu investieren. Ich teile diese Auffassung nicht. Nur oberflächlich betrachtet erscheint der Kauf inflationsindexierter US-Anleihen attraktiv.

Diese speziellen Produkte sollen eigentlich bequem vor Vermögensverlusten durch Inflation schützen. Denn vereinfacht gesagt gilt hier: je höher die künftigen Teuerungsraten, desto höher auch die Zinszahlungen. Und: Sind die aktuellen Inflationserwartungen niedrig, können Anleger diese speziellen Bonds besonders günstig erwerben – so wie derzeit.

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Hintergrund: In den USA preist der Markt derzeit eine Inflation von rund einem Prozent ein. Da die Geldprofis von Blackrock und Pimco damit rechnen, dass die Verbraucherpreisentwicklung stark unterschätzt wird, sehen sie Aufholpotenzial bei den Kursen der Bonds.

Doch unabhängig davon wie sich die Teuerung in den USA tatsächlich entwickeln wird, bergen die auch als „Inflations-Linker“ bezeichneten Anleihen meiner Überzeugung nach ein unterschätztes Risiko: Die Zinskupons sind an offizielle Messziffern gekoppelt - und es sind Zweifel angebracht, ob die publizierten Inflationsraten den tatsächlichen Kaufkraftverlust hinreichend widerspiegeln.

Umstritten ist vor allem die sogenannte „hedonistische“ Preismessung der Güter im offiziellen Warenkorb, den die Statistiker unter der Lupe haben. Glauben die Experten beispielsweise bei Smartphones eine Leistungsverdoppelung beobachtet zu haben, dann führt dies dazu, dass bei gleichbleibendem Verkaufspreis eine fünfzigprozentiger Preisabschlag für dieser Warenkategorie attestiert wird.

Zudem sind jederzeit politisch motivierte Änderungen bei der Berechnung der Preisentwicklung möglich. Einer der berüchtigsten Fälle: Die britische Regierung ersetzte vor rund sechs Jahren kurzerhand den Index zur Messung der Verbraucherpreisteuerung durch eine neue Variante, die Wohnkosten fortan ausklammerte - die waren in der Vergangenheit nämlich besonders stark geklettert. Dadurch sparte Großbritannien seitdem etliche Millionen Pfund an Zinszahlungen - auf Kosten der Inhaber von Inflationsanleihen.


Kreditvergabe im Euroraum steigt an

Wie die EZB heute meldete, stieg die Kreditvergabe im Euroraum so stark wie seit Jahren nicht mehr. So nahmen die viel beachteten Buchkredite an Firmen außerhalb der Finanzbranche im Februar um 0,9 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat zu.

Auch bei den Privathaushalten zeichnet sich ein ähnlicher Trend ab. Dort stieg die Vergabe im Februar um 1,6 Prozent zum Vorjahresmonat und erreicht damit den  höchsten Zuwachs seit Ende 2011. Ebenso die Verbraucherkredite, diese legten mit 5,2 Prozent deutlich zu und zeigen laut Volkswirten die starke Stützung der Konjunktur durch den privaten Konsum.

Jedoch fielen die heute berichteten Zahlen nicht durchweg positiv aus. So sank das Wachstum der Geldmenge M1, die als Konjunkturindikator gilt, um 0,2 Prozent auf 10,3 Prozent im Februar. Die breiter gefasste Geldmenge M3 entwickelte sich wie bereits im Vormonat und wuchs damit um 5 Prozent. Somit hofft die EZB nun, durch die im März beschlossenen Maßnahmen, die Kreditvergabe weiter anzukurbeln und die Konjunktur in Gang zu bringen. Jedoch bleibt die Lage, auch an den Börsen, weiter angespannt.


Schwellenländeranleihen lohnen sich

Auch wenn die fundamentalen Daten der großen Schwellenländer wie Brasilen, Russland, Indien und China (BRIC-Staaten) bisher noch keinen Boden gefunden haben und auch die politischen Risiken zum Beispiel in Brasilien sich aktuell eher noch verstärken, sind wir trotzdem der Meinung, dass es sich lohnt einen Blick auf Schwellenländeranleihen zu werfen.

Dies liegt vor allem daran, dass die Rohstoffpreise einen Boden gefunden zu haben scheinen, was sich positiv auf die wirtschaftliche Entwicklung vieler Schwellenländer auswirken sollte. Zudem bleibt das Zinsniveau aufgrund der weiterhin sehr expansiven Geldpolitik der EZB und der nur sehr vorsichtig restriktiver werdenden Geldpolitik der US-Notenbank noch für einen längeren Zeitraum sehr niedrig. Dadurch werden Anleger weiter in Anlageklassen „getrieben“, die ein interessantes Risiko- und Renditeprofil aufweisen. Und dies ist bei den Staatsanleihen aus den Schwellenländern auf jeden Fall gegeben.

Aktuell beträgt der Renditeaufschlag gegenüber US-Treasuries über 400 Basispunkte und liegt damit historisch gesehen auf einem sehr attraktiven Niveau. Vor diesem Hintergrund ist es nicht verwunderlich, dass die Staatsanleihen aus den Schwellenländern seit Mitte Februar eine Performance von über 6 Prozent aufweisen.

Bei einem Engagement in den Schwellenländern müssen aber drei Aspekte eng beobachtet werden: Da ist zum einen die Inflationsentwicklung in den USA zu nennen. Sollte die Kerninflation in den USA weiter ansteigen, könnte die US-Notenbank gezwungen sein, die Zinsen doch stärker zu erhöhen als derzeit von uns und vom Markt erwartet wird. Dies hätte höchstwahrscheinlich einen stärkeren US-Dollar zur Folge, was wiederum Druck auf die Währungen in den Schwellenländern ausüben würde. Auch die weitere Entwicklung der Rohstoffpreise wird eine große Rolle für die Entwicklung der Schwellenländer spielen. Und nicht zuletzt bleiben auch die oben angeführten politischen und wirtschaftlichen Risiken auf der Agenda.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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