Musterdepots: „Kaufen und Liegenlassen“ zieht auch 2016 nicht

Musterdepots: „Kaufen und Liegenlassen“ zieht auch 2016 nicht

, aktualisiert 03. Januar 2016, 22:09 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Anleger werden auch 2016 mit simplem ‚Kaufen und Liegenlassen‘ keine nachhaltigen Gewinne erwirtschaften, sagt Georgios Kokologiannis. Dafür sei die Nervosität an den Börsen viel zu groß. Gründe hierfür gebe es genug.

DüsseldorfNun gab es sie also doch noch: Eine zumindest kleine Jahresendrally, die den Dax auf knapp 10.750 Punkte gehievt hat – ein Zuwachs von etwa zehn Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit hat sich unsere Prognose aus dem vergangenen Dezember von 10.900 Punkten fast bewahrheitet. Dennoch kann man dem Aktienjahr 2015 kein uneingeschränkt positives Zeugnis ausstellen, zu groß waren die zwischenzeitlichen Verwerfungen und zu uneinheitlich stellt sich die globale Entwicklung dar. So ist der MSCI-World-Aktienindex in diesem Jahr nur um einen Prozent angestiegen.

Auch der Rentenmarkt bereitete Probleme. Da die Rendite für zehnjährige Bundesanleihen zum Ende des Jahres nah an unsere Vorjahresprognose (0,75 Prozent) herankam, bedeutete dies, dass viele Anleger mit festverzinslichen Wertpapieren kaum etwas verdienen konnten. Denn im Durchschnitt über die unterschiedlichen Segmente des gesamten Anleihenuniversums kam es 2015 ebenfalls nur zu einem kleinen Plus von einem Prozent. Wer also kein besonders glückliches Händchen bei der Einzeltitelauswahl hatte, musste sich 2015 mit einem bescheidenen Ergebnis seiner Kapitalanlagen zufrieden geben.

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Aus heutiger Sicht sieht es nicht danach aus, als ob es im Jahr 2016 viel einfacher würde, am Kapitalmarkt Geld zu verdienen. Auf das Phänomen deutlicher Kursschwankungen an den Aktien- und Rentenmärkten muss man sich auch im neuen Jahr einstellen. Zudem wird Geduld gefragt sein, denn angesichts der vielfältigen Risiken ist es gut möglich, dass Anleger wie schon 2015 zeitweise nicht den Wald vor lauter Bäumen sehen. Die zuletzt wieder besseren konjunkturellen Frühindikatoren sprechen unseres Erachtens nach aber dafür, dass wir ins Jahr 2016 mit dem typischen Saisonmuster starten werden, sprich mit Kursgewinnen an den Aktienmärkten.


Solides Finanzjahr 2015

Am 30. Dezember 2015 um 14 Uhr hat der Deutsche Aktienindex sein Finanzjahr abgeschlossen. Unter dem Strich steht eine Wertsteigerung von 9,6 Prozent zu Buche: Ein durchaus solides, aber nicht besonders spektakuläres Ergebnis, welches nur leicht über dem Median der letzten 45 Jahre von rund Plus acht Prozent liegt. Der Jahresverlauf des Index war allerdings alles andere als eine Einbahnstraße. Von Januar bis Mitte April schoss der Dax um mehr als 26 Prozent nach oben, um danach bis Ende September den kompletten zwischenjährlichen Gewinn wieder abgeben zu müssen.

Ab Anfang Oktober gab es doch eine kleine Jahresendrally, wodurch die Buy-and-Hold Investoren ein positives Ergebnis verbuchen konnten. Für die meisten Trendfolger – sprich die Anleger, die im Großen und Ganzen versuchen, die positiven sowie negativen Markttrends zu erkennen und sich dementsprechend durch Marktaus- und -einstiege zu positionieren – endet das Jahr 2015 jedoch weniger erfreulich. Das Muster des beschriebenen Dax-Verlaufs galt auch für die breiten europäischen Indizes.

Bei unserem Musterdepot sind wir über das ganze Jahr investiert geblieben. Mehr noch: Wir konnten entspannt auf die Marktvolatilitäten schauen, denn unsere Investitionsquote wird emotionslos von einem Wertsicherungsmodell bestimmt, und wir können uns komplett auf die Einzeltitelselektion konzentrieren. So wird es auch im neuen Jahr sein. Wie dieses verlaufen wird, kann keiner im Voraus sagen. Wir finden die Anlageklasse Aktien nach wie vor attraktiv und unverzichtbar für einen langfristigen Vermögensaufbau.         


Übergeordnete Ziele übertroffen

Elf Prozent Ertrag konnte das Handelsblatt-Musterportfolio in den vergangenen zwölf Monaten erwirtschaften. Gleichzeitig hat der Depotwert signifikant weniger geschwankt als der Gesamtmarkt. Mit dieser Jahresbilanz bin ich außerordentlich zufrieden. Meine übergeordneten Ziele wurden übertroffen: Eine langfristige jährliche Rendite von durchschnittlich sechs bis acht Prozent – und eine möglichst nervenschonende kontinuierliche Gesamtentwicklung.

Zum Vergleich: Die europäische Börsenmesslatte Stoxx 50 verzeichnete im selben Zeitraum weniger als dreieinhalb Prozent Plus und eine wesentlich höhere Volatilität. Zeitweise hatten Dax und Co. nach der Übertreibungsphase im vergangenen Frühjahr nicht nur ihren kompletten Jahresgewinn verloren – sondern zusätzlich auch den vollständigen Wertzuwachs des Vorjahres ausradiert.

Auch 2016 werden Anleger mit simplem ‚Kaufen und Liegenlassen‘ erneut keine nachhaltigen Gewinne an den Anlagemärkten erwirtschaften: Im Spannungsfeld aus dem Ende der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA und politischen Krisenherden einerseits sowie der Hoffnung auf neue Marktmanipulationen durch die Europäische Zentralbank (EZB) andererseits wird die Nervosität an den Börsen sogar weiter zunehmen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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