Musterdepots: Mama mia, Mario!

Musterdepots: Mama mia, Mario!

, aktualisiert 10. März 2016, 17:10 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Der EZB-Rat öffnet die Geldschleusen am Donnerstag weiter als jemals zuvor. Damit schickt Mario Draghi die Kurse auf einen wilden Ritt. Wie die Musterdepot-Autoren ihre Anlagestrategie nun ausrichten.

EZB-Präsident Mario Draghi hat die Kapitalmärkte mit seinen Maßnahmen vom Donnerstag nicht enttäuscht. So wird die Geldpolitik der Europäischen Notenbank noch expansiver. Insbesondere den Banken greift Draghi unter die Arme und animiert sie mit weiterem billigen Geld zu einer höheren Kreditvergabe. Die internationalen Kapitalmärkte haben sehr volatil auf die Maßnahmen und die Pressekonferenz reagiert.

Während die Aktienmärkte, der US-Dollar sowie zehnjährige Bundesanleihen zunächst sehr fest tendierten, führte der weitere Verlauf der Pressekonferenz wieder zur Normalisierung. In den kommenden Tagen werden Volkswirte und Analysten damit beschäftigt sein, die Auswirkungen zu analysieren. Wir nehmen in unserem Depot zunächst keine Änderungen vor und lassen den Fokus auf Aktien bestehen.

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Wir haben derzeit annähernd eine Aktienquote von etwas über 60 Prozent. Anleihen und Anleihefonds sind mit gut 25 Prozent gewichtet. Für Opportunitäten halten wir eine Cashquote von etwas über zehn Prozent vor.


Alles richtig gemacht

Wie erwartet ist der Dax bis Donnerstagnachmittag angetrieben von der Aussicht auf eine künftig noch expansivere Geldpolitik bis an das Niveau von 10.000 Punkten geklettert. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat auf Ihrer Ratssitzung ein Maßnahmenpaket beschlossen, mit dem Konjunktur und Inflation angekurbelt werden sollen, das die Prognosen der Marktteilnehmer teilweise deutlich übertroffen hat.

Der EZB-Rat, der am Donnerstag in Frankfurt zusammengetreten war, senkte den Leitzins auf null Prozent und reduzierte den Satz für Übernachteinlagen der Banken um zehn Basispunkte auf minus 0,4 Prozent. Zudem erhöhen die Währungshüter um EZB-Chef Mario Draghi das Volumen ihrer Anleihekäufe ab April von 60 auf 80 Milliarden Euro pro Monat. Künftig werden hier außerdem  auch Unternehmensanleihen vom Markt genommen.

Überrascht hat viele Beobachter vor allem die Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe um ein sattes Drittel. Da noch tiefere negative Zinsniveaus kaum Wirkung entfalten werden, solange der Bargeldumlauf nicht massiv eingeschränkt wird, ist absehbar, auf welches Instrument die EZB künftig noch stärker angewiesen sein wird: Springt die Teuerung  nicht an, dann wird das Wertpapierkaufprogramm schon bald auf weitere Anlageklassen aus der Euro-Zone  ausgeweitet.

Noch etwas stärker als der deutsche Aktienindex hat am Donnerstag sein Euroland-Pendant auf den Vorstoß der EZB reagiert: Anleger katapultierte den EuroStoxx mehr als drei Prozent nach oben - auf über 3100 Zähler. Da ich das Musterportfolio in den vergangenen Wochen immer stärker durch Hebelprodukte auf dieses Szenario ausgerichtet hatte, profitiert das Depot nun überproportional von dem Kursschub an den Börsen.

Hintergrund: Oberhalb von 3.100 Punkten schalten zwei Sprintzertifikate-Positionen den Turbo ein: Indexgewinne darüber werden im Depot bis Mitte Juni um den Faktor drei gehebelt (WKN: DZT7FY), beziehungsweise bis September um den Faktor zwei (WKN: CW7CXY). So, als besäße ich schlagartig dreimal so viele, beziehungsweise doppelt so viele Anteile am europäischen Leitindex.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis


Von gar nicht so weit weg winkt der Keynes

Die EZB hat mit ihrer Entscheidung einer noch expansiveren Geldpolitik den Märkten ins Plus verholfen. Dabei entschieden die Währungshüter nicht nur das Anleihekaufprogramm und den Strafzins auf Bankeinlagen bei der EZB auszuweiten sondern ebenso den Hauptrefinanzierungssatz auf null Prozent zu senken. Somit können sich nun Banken auch faktisch zum Nullzins refinanzieren. Jedoch kann stark bezweifelt werden, dass diese Schritte alleine die Inflation auf das anvisierte Niveau von zwei Prozent heben. Viel mehr ist die Europäische Zentralbank auf dem Weg ihre Glaubwürdigkeit beziehungsweise den Grenznutzen ihrer Maßnahmen zu verspielen. Denn inzwischen werden die Inflationserwartungen mehr durch den Ausblick des Ölpreises bewegt als durch die Zentralbankpolitik. Ebenso zeigt sich seit der Ankündigung des „Quantitative Easing“ keine nennenswerte Verbesserung der Kreditvergabe. Vielmehr ist das Bild einer stagnierenden Wirtschaft, einer Inflationsrate nahe Null und einer Zentralbank, die Ihre Möglichkeiten fast ausgeschöpft hat, Realität. Das lässt Erinnerungen an die von Keynes beschriebene Liquiditätsfalle, also einer Wirtschaft in der die Zentralbank ihre Möglichkeiten ausgeschöpft hat und es trotzdem an Wachstum fehlt,  wieder hoch kommen.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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