Musterdepots: Marktreaktionen sind übertrieben

Musterdepots: Marktreaktionen sind übertrieben

, aktualisiert 18. Januar 2016, 18:29 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Unser Autor glaubt, dass der starke Absturz an den Börsen seit Jahresbeginn übertrieben war. Er rät, jetzt ruhig zu bleiben und bei Gelegenheit nachzukaufen.

Bereits Mitte Januar hat der Dax nicht nur den vollständigen Wertzuwachs aus 2015 eingebüßt, sondern zusätzlich auch das komplette Kursplus des Vorjahres ausgelöscht. Auf zwischenzeitlich 9.457 Punkte ist der deutsche Leitindex mittlerweile eingebrochen – und ist damit deutlich aus der Handelsspanne herausgefallen, die Experten für das Gesamtjahr 2016 prognostiziert haben.

In einer Handelsblatt-Umfrage hatten Ende Dezember 35 Banken im Schnitt angegeben, dass der Dax in den kommenden zwölf Monaten höchstens bis auf 9.710 Zähler abrutschen würde. Insgesamt hat nur etwa jedes vierte befragte Finanzinstitut damit gerechnet, dass ein Rückfall bis auf das jetzt erreichte Jahrestief möglich sei. Mit diesem zwölfprozentigen Kurssturz seit Anfang des Jahres hat sich der Dax meinen Berechnungen nach fundamental betrachtet wieder in den Übertreibungsbereich hineinbewegt – diesmal Richtung Süden.

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Daher schließe ich mich der jüngsten Einschätzung der DZ Bank an: „Die aktuelle Marktreaktion an den Aktienmärkten ist aus unserer Sicht übertrieben und war sicherlich auch zurückzuführen auf wenig Liquidität, schnell ausgeschöpfter Risikobudgets und Unwissenheit vieler Marktakteure zu den Ereignissen in China zu Jahresbeginn“, schreibt der Chefvolkswirt des Geldhauses, Stefan Bielmeier,  in einer aktuellen Einschätzung. Das Niveau „um 9.400/9.500 Dax-Punkte“ sei für Käufe aussichtsreich.

 Zum Jahresende rechnen die jüngst vom Handelsblatt befragten Bank-Strategen im Mittel übrigens mit einem Indexstand von 11.793 Punkten. Sollten sie sich nicht auch hier gänzlich irren und viel zu optimistisch getippt haben, dann bedeutete dies vom aktuellen Stand aus gesehen ein sattes Plus von knapp 24 Prozent für mutige Neueinsteiger.

Der wikifolio-Manager Holger Degener hat Ende letzter Woche einen umfassenden Kommentar zur aktuellen Marktlage geschrieben. Die wichtigste Meldung: Sein wikifolio bleibe tendenziell voll investiert. Grundsätzlich glaubt Herr Degener daran, dass sich die europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte in der nächsten Zeit fangen können. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass das Risiko nicht auszuschließen sei, dass uns eine längere Verlustperiode bevorstehe.

In so einer Situation bleibe der erfahrene Portfoliomanager trotzdem ruhig und sei bereits auf der Suche nach günstigen Kaufgelegenheiten. Im Schnäppchenrausch befinde er sich jedoch nicht und versuche ständig auf das jeweilige Chance-Risiko-Verhältnis zu achten. Darüber hinaus mache sich Herr Degener bereits Gedanken in Bezug auf die bevorstehende Dividendensaison.

Das „Dividende und Eigenkapital Deutschland“-wikifolio von Herrn Degener befindet sich seit Auflage des Musterdepots in unserem Portfolio und gehört zu den bisher erfolgreichsten Investments. Uns gefallen der fundamental ausgerichtete Ansatz sowie der sehr breite Diversifikationsgrad des wikifolios. Außerdem ist es wichtig, dass Herr Degener im aktuellen unsicheren Umfeld ruhig bleibt und sein Konzept weiterhin stringent umsetzt.


{Seitenumbruch-Titel}

Auch die zweite Börsenwoche im neuen Jahr konnte nicht überzeugen und der Dax verlor weitere 3% an Wert. Die Stimmung trübt sich weiter ein und die schlechten Konjunkturdaten wie die des Empire-State-Index werden durch schlechte Unternehmensdaten wie z.B. von Intel unterstützt. Deshalb fällt es uns schwer einen tragfähigen Boden für Aktienkurse zu definieren. In dieser Woche werden in Deutschland neben Daten zur Inflation auch die aktuellen Daten der ZEW-Index veröffentlicht. Bei der Inflation wird ein Rückgang um 0,1% auf Monatsbasis erwartet. Sollten diese erwarteten Entwicklung sogar unterboten werden, wird vermutlich die Sorge um eine Deflation vorangetrieben.

Zusammenfassend befinden wir uns in einer klassischen Abwärtsspirale an den Kapitalmärkten. Wann diese durchbrochen wird ist offen. Unterstützung könnten solide Unternehmensergebnisse und ein positiver Ausblick auf das laufende Jahr bieten. Durch die getätigten Verkäufe verfügen wir über die notwendige Liquidität um wieder in den Aktienmarkt zurückzukehren, da wir auch weiter an Chancen auf steigende Aktienkurse glauben.

 

Viele schauen gebannt auf den Aktienmarkt, aber auch im Bereich der Anleihen gibt es Krisen. Hier beschäftigen in diesen Tagen wir uns mit der Herausforderung der mangelnden Handelbarkeit. Aktuell ist es enorm schwierig größere Handelsvolumina einzelner Anleihen zu bewegen. Das bedeutet, dass eine etwaige Strategieänderung zu Lasten Anleihen oder ein Liquiditätsbedarf nur mit „noch“-niedrigeren Anleihekursen durchgeführt werden könnte.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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