Musterdepots: Mitschwimmen im Notenbankgeld

Musterdepots: Mitschwimmen im Notenbankgeld

, aktualisiert 14. März 2016, 18:45 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Handelsblatt-Musterdepotstratege Daniel Hupfer hat auf die geldpolitischen Beschlüsse der Europäischen Zentralbank vom Donnerstag bereits reagiert und zugekauft. Er setzt auf Unternehmensanleihen.

Frankfurt am MainDie europäische Notenbank hat in der vergangenen Woche unter anderem beschlossen, im Rahmen der monatlichen Anleihekäufe Unternehmensanleihen mit zu berücksichtigen. Vor diesem Hintergrund gehen wir davon aus, dass die Nachfrage in diesem Segment in den kommenden Monaten deutlich anziehen wird und sich die Anleihen im Kurs verteuern sollten. Wir haben daher gestern in unserem Depot zwei Transaktionen durchgeführt.

Einerseits haben wir einen weiteren Investmentfonds erworben, der in europäische Unternehmensanleihen investiert. Der Fokus des GamStar Credit Opportunities liegt dabei auf Nachranganleihen mit guter Bonität, das heißt einem Rating im Investmentgrade. Darüber hinaus haben wir uns an der gestrigen Neuemission der Deutschen Telekom beteiligt. In der langen Laufzeit bis 2028 haben wir 5.000 Euro gezeichnet.

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Mit den jüngsten Transaktionen haben wir unsere Liquidität wieder nahezu vollständig abgebaut. Die Aktienquote liegt bei etwas über 60 Prozent. Das restliche Vermögen haben wir überwiegend in Unternehmensanleihen investiert. Vor allem die Anleiheinvestitionen sollten von den jüngsten Maßnahmen der EZB profitieren.

In den kommenden Wochen und Monaten werden wir weitere Neuemissionen im Anleihebereich prüfen und gegebenenfalls zeichnen. Allerdings müssen wir uns dann jeweils von bestehenden Investments trennen.


Weitere Zinssenkung in den USA wird nicht erwartet

Die Wahrscheinlichkeit für eine Leitzinsanhebung in den USA in dieser Woche taxieren Marktteilnehmer auf nur vier Prozent. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Informationsdienstleisters Bloomberg. Ich gehe sogar davon aus, dass US-Notenbankchefin Janet Yellen nach der Ratssitzung am Mittwochabend zusätzliche Zinsschritte nicht einmal für den weiteren Jahresverlauf andeuten wird. Im Dezember vergangenen Jahres hatte die Federal Reserve (Fed) erstmals seit knapp einem Jahrzehnt ihre Leitzinsen angehoben.

Doch die jüngsten umfangreichen Stimuli der Europäischen Zentralbank konterkarieren die Geldpolitik in den Vereinigten Staaten und tragen dazu bei, dass es dort auf absehbar Zeit keine richtige Leitzinswende geben wird - obwohl die Inflations- und Arbeitsmarktdaten dies eigentlich unausweichlich erscheinen lassen. Andernfalls droht eine zu massive Dollaraufwertung, die den Konjunkturaufschwung abwürgt.

Mittlerweile herrscht auf dem US-Arbeitsmarkt nach der Definition der Fed praktisch Vollbeschäftigung: Die Arbeitslosenquote ist auf 4,9 Prozent gesunken. Gleichzeitig ist die Kerninflationsrate, welche die Preisentwicklung von Nahrungsmitteln und Energie ausklammert, weiter geklettert - bis einschließlich Januar bereits auf 1,7 Prozent. Diesen Wert hatte die Notenbank erst für Ende des Jahres prognostiziert.


Die Brexit-Gefahr nicht vergessen

Mit der Flüchtlingskrise und den Landtagswahlen in Deutschland im Vordergrund geriet ein Thema in den Schatten, welches neben den genannten Ereignissen einen großen Einfluss auf die Zukunft der Europäischen Union und deren Märkte haben wird: das Brexit-Referendum. Am 23. Juni 2016 werden die Briten entscheiden, ob sie in der Europäischen Union bleiben möchten. Aus der jetzigen Perspektive ist das Ergebnis völlig offen.

Im Vorfeld des Referendums und in Anbetracht seines offenen Ausgangs werden sich die Unternehmen und Verbraucher bei den Ausgaben wahrscheinlich etwas zurückhalten. Die Unternehmensinvestitionen waren in der letzten Zeit bereits etwas enttäuschend, dieser Trend dürfte sich in den nächsten Monaten fortsetzen. Ähnlich wie in Deutschland wurde das Wirtschaftswachstum zuletzt vom Binnenkonsum getragen. Außerdem sollten die Exporteure vom Pfund-Kurs profitieren, der in den vergangenen Monaten gegenüber dem Euro nachgegeben hat.

Die Wirtschaft Großbritanniens wird wohl 2016 mit einem moderaten Tempo von rund zwei Prozent wachsen. Bei der Aktienmarktentwicklung wird neben den wirtschaftlichen Faktoren das Referendum eine große Rolle spielen.

In unserem Musterdepot befinden sich aktuell zwei britische Titel: Kingfisher und Anglo American. Während die Geschäftsentwicklung des Baumarktbetreibers Kingfisher stark von der Konsumfreude der Verbraucher in Großbritannien und Frankreich abhängt, ist für den Minenbetreiber Anglo American die globale Nachfrage nach Industriemetallen und Gold sehr wichtig.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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