Musterdepots: Positionen aufstocken

Musterdepots: Positionen aufstocken

, aktualisiert 22. Januar 2016, 15:47 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Der Dax übertreibt, findet unser Autor. In solchen Zeiten kann es deshalb nur Positionen aufstocken heißen. Mit einer Kaufen-und-Liegenlassen-Strategie werde man 2016 keine nachhaltigen Gewinne erwirtschaften.

Bereits Mitte Januar hat der Dax nicht nur den Wertzuwachs aus 2015 eingebüßt, sondern auch das komplette Plus des Vorjahres. Bis auf 9.314 Punkte ist der Leitindex eingebrochen – und damit deutlich aus der Handelsspanne herausgefallen, die Experten für 2016 im Schnitt prognostiziert haben.

In einer Handelsblatt-Umfrage hatten Ende Dezember 35 Banken im Mittel angegeben, dass der Dax in den kommenden zwölf Monaten höchstens bis auf 9.710 Zähler abrutscht. Nur etwa jedes sechste Institut hat damit gerechnet, dass ein Rückfall bis auf das nun erreichte Jahrestief möglich ist. Mit diesem Kurssturz hat sich der Dax fundamental betrachtet wieder in einen Übertreibungsbereich hineinbewegt – diesmal Richtung Süden. Unter dem Strich schwankt befindet sich der Dax mittlerweile seit mehr als zwei Jahren in einer extrem volatilen Seitwärtsbewegung.

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Nachhaltig Geld verdienen lässt sich in so einer Marktphase nur mit speziellen Anlageinstrumenten - oder aktivem Portfoliomanagement. Konkret: in Euphoriephasen an der Börse die Investitionsquote zurückfahren. Fundamental betrachtet sehe ich auf den Dax bezogen diesen Bereich - wie schon seit Anfang 2014 immer wieder erläutert - oberhalb von etwa 10.700 Punkten.

Übertreibt es der Leitindex nach unten wie derzeit, dann heißt es dagegen: Positionen aufstocken. Hier beginnt der entsprechende Bereich meinen Berechnungen zufolge etwa tausend Punkte tiefer bei rund 9.700 Zählern. Auch 2016 werden Anleger mit simplem „Kaufen und Liegenlassen“ erneut keine nachhaltigen Gewinne an den Anlagemärkten erwirtschaften: Im Spannungsfeld aus dem Ende der ultraexpansiven Geldpolitik in den USA und politischen Krisenherden einerseits sowie der Hoffnung auf neue Marktmanipulationen durch die Europäische Zentralbank (EZB) andererseits wird die Nervosität an den Börsen bis auf weiteres eher weiter zu– als abnehmen.


Alexander Kovalenko

Gestern war ein ganz wichtiger Tag für die Weiterentwicklung unseres Musterdepots. Das hausinterne Wertsicherungssystem, über welches wir in den letzten Monaten viel berichtet haben, hat ein Absicherungssignal generiert. Als unmittelbare Reaktion wurde die explizite Liquiditätsquote auf rund 45 Prozent erhöht. Wenn man die Cashbestände bei den Ziel-wikifolios berücksichtigt, beträgt sie ab jetzt etwa 50 Prozent.

Die wichtige Frage lautet: Was bedeutet ein Absicherungssignal für die nächsten Monate? Bevor diese Frage beantwortet wird, möchten wir kurz an ein der wichtigsten Merkmale unseres Systems erinnern: Seine Trägheit. Das heißt, dass ein Verkaufssignal erst dann kommt, wenn der Zustand der Aktienmärkte aus historischer Erfahrung richtig bedrohlich wird und längere Verlustperioden möglich sind, die mit denen von 2008-2009 oder 2000-2002 vergleichbar wären.

Kleinere Marktkorrekturen werden dagegen vom System ignoriert. Dabei gibt es selbstverständlich keine Garantie, dass die Märkte in den nächsten Tagen und Wochen weiter fallen werden. Es ist sogar so, dass historisch gesehen einem Verkaufssignal oft eine nennenswerte Erholung folgte. Danach ging es allerdings erneut massiv bergab, wie zum Beispiel 2001 oder 2008. Erst dann könnte sich die Wirkung der Absicherung entfalten und eine signifikante Outperformance zur Benchmark erreicht werden.

Die Trägheit des Systems gilt auch in die andere Richtung. Das heißt, dass ein Signal zum Wiederaufbau der 100-prozentigen Investitionsquote erst bei einer sehr ausgeprägten Kurserholung kommen kann, was sehr wahrscheinlich den Anfang eines neuen Bullenmarktes bedeuten könnte. Unser Wertsicherungssystem hat jedoch natürlich auch seine Schwächen. Sollte nach der Reduktion der Investitionsquote eine sofortige nachhaltige Gegenbewegung kommen, wird es uns merklich Performance kosten. Dies nehmen wir allerdings bewusst in Kauf, damit das Depotvermögen bei schweren Markteinbrüchen herbe Kursverluste von 50 Prozent und mehr nicht mitmachen müsste.

Unter dem Strich halten wir nun rund 50 Prozent Liquidität und es wird hochwahrscheinlich eine längere Zeit dauern, bis das Depot wieder eine volle Investitionsquote aufweisen wird. Zwischenzeitlich sind jedoch kleinere antizyklische Zukäufe durchaus möglich. Darüber hinaus gibt es beim Depot nach den Komplettverkäufen des „Kurschancen bei Turnaround-Kandidaten“-wikifolios und der Vivendi-Aktie zwei „vakante Stellen“, die in der nächsten Zeit besetzt werden.  


Daniel Hupfer

Die Lage an den Kapitalmärkten bleibt derzeit unübersichtlich. Der täglich fallende Ölpreis ist mittlerweile in den Mittelpunkt des Geschehens gerückt und bestimmt derzeit die Richtung der Aktienmärkte. Hintergrund sind Ängste über den Zustand der Weltkonjunktur und insbesondere über eine weitere Abschwächung der chinesischen Wirtschaft.

Aus unserer Sicht ist der fallende Ölpreis durch eine deutliche Ausweitung des Angebots zu erklären. Viele Länder produzieren trotz der niedrigen Preise an der Kapazitätsgrenze, da sie die Einnahmen aus dem Ölverkauf dringend benötigen. Die Nachfrage nach Rohöl ist dagegen relativ stabil, insbesondere die Einfuhren nach China zeigen derzeit keinen Rückgang. Wir gehen davon aus, dass die große Unsicherheit im Rohstoffbereich weiter anhalten sollte und dass die Volatilität hoch bleiben wird. Erst wenn die Konfidenz der Marktteilnehmer steigt, dass die wirtschaftliche Eintrübung nicht so stark ausfällt wie derzeit befürchtet, wird sich die Lage bei den Rohstoffen und auch an den Aktienmärkten beruhigen.

 

Wir haben die Aktienquote in unserem Depot in den vergangenen Wochen auf 60 Prozent gesenkt und entsprechend Liquidität aufgebaut. Zwar halten wir die aktuellen Aktienkurse bei vielen Unternehmen für einen Einstieg mittlerweile für interessant, allerdings schreckt uns die hohe Unsicherheit noch ab, die Aktienquote wieder zu erhöhen.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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