Musterdepots: Schwacher Start ins neue Aktienjahr

Musterdepots: Schwacher Start ins neue Aktienjahr

, aktualisiert 04. April 2016, 20:03 Uhr
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Georgios Kokologiannis

Quelle:Handelsblatt Online

Die Musterdepotstrategen ziehen nach dem ersten Quartal dieses Jahres Bilanz. Georgios Kokologiannis investiert mit Rabatt in den amerikanischen Aktienmarkt und setzt dabei auf einen schwächer werdenden Euro.

FrankfurtMit dem Kauf eines defensiven Anlagepapiers reduziere ich die Cashquote. Ich investiere in Discountzertifikate auf den S&P 500, die einen um rund acht Prozent rabattierten Einstieg in den US-Aktienmarkt ermöglichen (WKN: VS9D59). Gleichzeitig erzielen die Produkte auch dann eine Rendite von umgerechnet mehr als siebeneinhalb Prozent per annum, wenn der Wall-Street-Index bis März 2017 nur noch auf der Stelle tritt. Dieser Ertrag liegt genau im für das Musterdepot festgelegten Renditekorridor von sechs bis acht Prozent Ertrag pro Jahr.

Ganz bewusst wurde eine Variante ohne Währungsabsicherung gewählt. Eine Abwertung des Euro gegenüber dem US-Dollar wird so eins zu eins in zusätzliche Depot-Rendite umgemünzt. Die Chancen dafür stehen meiner Einschätzung nicht schlecht. Ich gehe davon aus, dass die Euro-Aufwertung der vergangenen Wochen auf mehr als 1,14 US-Dollar inzwischen an ihre Grenzen stößt. Vor allem Spekulationen darüber, dass die US-Notenbank länger als ursprünglich vom Markt erwartet bis zur nächsten Leitzinserhöhung warten wird, hatten dem Wechselkurs Auftrieb verliehen.

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Doch die Europäische Zentralbank steht offenbar bereit, schon bald die nächste Stufe ihrer geldpolitischen Lockerung zu zünden – und damit die Gemeinschaftswährung zu schwächen: Zum Wochenstart sagte EZB-Chefvolkswirt Peter Praet, dass die Währungshüter auch weiterhin alles tun werden, um die Inflation anzuheizen. Selbst ein negativer Leitzins in der Euro-Zone scheint mittlerweile denkbar zu sein.


Zwölf von 14 Titel mit positiver Entwicklung

Im März haben die wichtigsten Aktienindizes aus den Industrieländern versucht, die Verluste aus den ersten zwei Monaten des Jahres auszugleichen.  Am besten ist dies bisher dem amerikanischen S&P 500 Index gelungen: Mit einer März-Performance von 6,6 Prozent (in US Dollar gerechnet) liegt der weltweit bedeutendste Index seit Jahresanfang nun leicht im Plus.

Der Dax und der Euro Stoxx 50 können bis dato keine vergleichbaren Erfolge aufweisen und notieren zwischen minus sieben und minus acht Prozent seit Beginn des Jahres. Nichtsdestotrotz konnten die beiden europäischen Indizes mit rund fünf Prozent (Dax) bzw. zwei Prozent (Euro Stoxx 50) den März deutlich positiv abschließen.

Bei unserem Aktienkernportfolio schnitten zwölf von 14 Titeln positiv ab. Neun Positionen konnten in Euro gerechnet mehr als fünf Prozent zulegen. Zu den absoluten Spitzenreitern gehörten Anglo American (+13%), Kingfisher (+10,8%) und Voestalpine (+10%). Die Titel aus Großbritannien konnten gute Ergebnisse trotz eines Gegenwindes auf der Wechselkursseite erzielen.

Zwei von drei Ziel-wikifolios haben im Berichtsmonat ebenfalls Wertsteigerungen verzeichnet. Am besten ist mit rund fünf Prozent Performance das „Dividende und Eigenkapital Deutschland“-wikifolio von Holger Degener gelaufen.


Schwacher Markt in Japan

Der Einstieg in das Jahr 2016 ist an den Kapitalmärkten denkbar schlecht verlaufen. Entgegen typischer saisonaler Muster konnten schon im Januar heftige Rückgänge an den Aktienmärkten beobachtet werden, die sich bis etwa Mitte Februar fortsetzten. In der Spitze verlor der Dax fast 19 Prozent, und auch der breite europäische Aktienmarkt, gemessen am Stoxx 600 ging in der Spitze um etwa 17 Prozent zurück. Auch wenn der Rückschlag in den USA etwas weniger stark ausfiel, war der Start in das neue Jahr für Aktien der insgesamt Schlechteste seit vielen Jahrzehnten.

In der zweiten Hälfte des ersten Quartals kam es jedoch zu einer Beruhigung an den Börsen, so dass die zwischenzeitlich entstandenen Verluste zum Teil wieder aufgeholt werden konnten. Unser Depot hat sich im ersten Quartal trotz der hohen Volatilität gut gehalten, liegt seit Jahresanfang aber aufgrund der schwachen Aktienmärkte leicht im Minus.

Aber trotz der zuletzt wieder etwas freundlicheren Entwicklung an den Aktienmärkten gibt es weltweit nur wenige Märkte, die die ersten drei Monate des Jahres mit einer positiven Wertentwicklung abschließen konnten. Insgesamt verlor beispielsweise der Dax von Ende 2015 bis Ende März 2016 etwa acht Prozent an Wert, und auch viele andere europäische Indizes mussten einen Rückschlag in dieser Größenordnung verkraften.

Besonders schwach war der japanische Aktienmarkt mit einem Rückgang von zwölf Prozent im Nikkei, und auch der chinesische Shanghai B Shares verzeichnete einen vergleichbaren Rückschlag (beide Indizes jeweils in lokaler Währung). Immerhin konnte der US-Markt als wichtigster Aktienmarkt der Welt diesem negativen Trend trotzen; der S&P 500 gewann immerhin ein Prozent. Diese marginal positive Wertentwicklung konnte aber nur in US-Dollar realisiert werden; für einen Euro-Investor ergab sich durch die Wechselkursentwicklung seit Anfang des Jahres ebenfalls ein Rückschlag von über drei Prozent.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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