Musterdepots: Wachstumszahlen unter der Lupe

Musterdepots: Wachstumszahlen unter der Lupe

, aktualisiert 22. März 2016, 18:20 Uhr
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Alexander Kovalenko

Quelle:Handelsblatt Online

Auf den ersten Blick sind die Wachstumszahlen für die deutsche Wirtschaft gar nicht so schlecht. Bei näherem Hinsehen allerdings geben sie Anlass zur Sorge, meint Anlagestratege Alexander Kovalenko.

Die deutsche Wirtschaft ist 2015 mit einem moderaten Tempo von 1,7 Prozent gewachsen. Kalenderbereinigt fiel das Wachstum mit 1,4 Prozent noch geringer aus. Die Analysten der französischen Investmentbank Natixis haben einen interessanten Bericht veröffentlicht, in dem sie versucht haben, den Einfluss der einmaligen Effekte auf das BIP-Wachstum auszuschließen. Zu diesen Effekten gehörten im vergangenen Jahr die Staatsausgaben infolge der Flüchtlingsströme, der schwache Euro sowie die massiv gesunkenen Energiekosten.

Die Mehrausgaben, die mit der Flüchtlingskrise in Zusammenhang stehen, haben laut den französischen Researchern etwa 0,15 Prozent Zusatzwachstum gebracht. Den Effekt des günstigen Euros schätzen sie mit 0,4 Prozent ein. Der Ölpreisverfall und die daraus resultierenden niedrigeren Energiekosten haben etwa 0,3 Prozent mehr Wachstum gebracht.

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Würde man diese Effekte ausschließen, bleibt ein nur schwaches kalenderbereinigtes Wachstum von 0,55 Prozent. Dieses Ergebnis ist etwas besorgniserregend, denn zwei von diesen drei Faktoren – der Eurokurs und der Ölpreis – sind nicht steuerbar und können sich in eine entgegengesetzte Richtung drehen. Der dritte Faktor – die erhöhten Staatsausgaben – ist zwar steuerbar, auf lange Sicht jedoch nicht nachhaltig.


Fed hat aus Fehlern gelernt

Die aktuellen Fed Funds Futures zeigen, dass die Kapitalmarktteilnehmer bis Ende 2016 eine Zinserhöhung in den USA erwarten und bis Ende 2017 eine weitere. Diese Sichtweise wäre aus unserer Sicht nur dann realistisch, wenn sich die US-Konjunktur schwächer als erwartet entwickelt, die Erholung am Arbeitsmarkt zum Erliegen kommt und der derzeit zu beobachtende, leicht zunehmende Preisdruck schon bald wieder nachlässt. All diese Annahmen halten wir für wenig wahrscheinlich, sodass wir bis Ende 2016 von zwei Zinser-höhungen und für das Jahr 2017 von zwei bis drei weiteren Zinserhöhungen ausgehen.

Obwohl man die vorsichtigere Haltung der Fed hinsichtlich der weiteren Entwicklung der US-Wirtschaft negativ auslegen könnte, interpretieren wir die Botschaft letztendlich doch als eher positiv. So wiederholt die Fed nicht die Fehler aus der Vergangenheit, als man den Marktteilnehmern den Eindruck vermittelte, dass unmittelbar eine abruptere Zinswende bevorstehen könnte.

Deutlich steigende Renditen am Rentenmarkt sowie eine kräftige Aufwertung des US-Dollar waren zwischenzeitlich die Folge – mit negativen Folgen für die US-Wirtschaft, aber auch für die konjunkturelle Entwicklung in vielen Schwellenländern.

Unseres Erachtens wird die Fed mit der Strategie, die Märkte in Sicherheit zu wiegen, ihrem Ziel, das Zinsniveau zu normalisieren, schneller und effektiver näher kommen. Bleiben nämlich Renditeanstieg und Dollar-Aufwertung zunächst aus, kann sich die Wirtschaft stärker erholen, die Inflationsrate steigt an und die Fed muss dann doch, weil sie von der Entwicklung „überrascht“ wird, die Zinsen erhöhen. Weniger jetzt, später dafür mehr – das könnte die Strategie der US-Notenbank sein.


Vorhersagen ändern sich, fundamental bleibt alles beim Alten

Der positive Ausblick für die Konjunktur, rekordniedrige Finanzierungskosten, leichter verfügbare Kredite, die Euro-Schwäche und die Liquiditätsschwemme der Europäischen Zentralbank sollten sich positiv auf die Entwicklung der Unternehmensgewinne im Euro-Raum auswirken. Dies alles spreche für deutliche Kursgewinne europäischer Aktien – und eine Outperformance der heimischen Börsen gegenüber Wall Street & Co.

Es ist nicht allzu lange her, da war dies die nahezu einhellige Meinung der Analysten, als sie Ende vergangenen Jahres ihre Marktprognosen für 2016 abgaben. Doch mittlerweile hat sich der Optimismus der Investmentprofis längst in das Gegenteil verkehrt. Das zeigt eine Erhebung des Wirtschaftsdienstes Bloomberg.  Während des enttäuschenden Börsenverlauf des ersten Quartals wurden die Erwartungen meist geräuschlos heruntergeschraubt.

Den Euro Stoxx 50 sehen sie nun bis Ende des Jahres unter dem Strich nur noch auf der Stelle treten. Noch bei der vorangegangenen Bloomberg-Auswertung vor wenigen Monaten erwarteten die Aktienmarktbeobachter an den Europabörsen eine Rally von zwölf Prozent.

Einkassiert wurden die einstigen Hausse-Vorhersagen, obwohl sich fundamental kaum etwas substanziell ins Negative verändert hat. Ganz im Gegenteil: Die Geldschwemme der EZB - bislang maßgeblichstes Argument der Bullen - ist zuletzt sogar auf einen nie da gewesenen Umfang ausgeweitet worden. Um einfach nur von Zeit zu Zeit dem Kursverlauf der Börsen hinterher zu „prognostizieren“, bedarf es keiner gesonderten, professionellen Expertise.

Hinweise zu den ausführlichen Berichten über die Musterdepots gibt es bei Twitter unter dem Konto: @kokologiannis

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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