Musterdepots: Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden

Musterdepots: Wenn Erwartungen nicht erfüllt werden

, aktualisiert 17. Mai 2016, 18:44 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Depotstratege Daniel Hupfer war positiv überrascht, als vor einigen Wochen die aktuellen Gewinnschätzungen für europäische Unternehmen leicht nach oben revidiert wurden. Doch ist diese Entwicklung nachhaltig?

Seit mehreren Jahren weisen Gewinnschätzungen für die europäischen und US-amerikanischen Aktienmärkte eine negative Eigenschaft auf. Immer und immer wieder müssen die Schätzungen nach unten angepasst werden, da Unternehmen die ambitionierten Erwartungen der Analysten nicht erfüllen.

In der Regel ist dies eher schlecht für die Kursentwicklung von Aktien, da die negativen Gewinnrevisionen auf die Stimmung von Investoren drücken. Aus diesem Grund waren wir positiv überrascht, als vor einigen Wochen die Schätzungen für das laufende und für das nächste Geschäftsjahr europäischer Unternehmen endlich wieder einmal leicht nach oben revidiert wurden.

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Leider scheint diese Entwicklung aber doch nur ein Strohfeuer gewesen zu sein, denn zuletzt ging es dann doch wieder bergab – eine Trendwende sieht leider anders aus. Auch beim S&P sieht die Situation ähnlich aus – mit Wohlwollen kann zwar eine rückläufige Fallgeschwindigkeit bei den Gewinnrevisionen ausgemacht werden, jedoch ist auch hier eine Trendwende noch nicht wirklich erkennbar.

Das ist in gewisser Weise überraschend, da bei vergleichbaren Konjunkturdaten in der Vergangenheit eher positive Gewinnrevisionstendenzen vorgeherrscht haben.

Zwar waren die letzten Monate und Quartale nicht von überschäumender Konjunkturdynamik geprägt, jedoch ist die Wirtschaft sowohl in den USA als auch in Europa meilenweit von rezessiven Tendenzen entfernt, so dass kontinuierliche Enttäuschungen in der Gewinnentwicklung schwer zu erklären sind. Ein Erklärungsansatz wäre, dass in den letzten Jahren ein untypisch hohes Margenniveau erreicht wurde, das sich nicht langfristig aufrechterhalten lässt.

Eine andere Möglichkeit liegt aber auch in der Preisentwicklung. Analysten sind es seit Jahren gewohnt, in einem Umfeld normaler Inflationsraten Gewinnschätzungen vorzunehmen. Wenn nun aber die Inflationsraten systematisch tiefer liegen, werden auch die Gewinnwachstumsraten rückläufig sein müssen, was die Gewinnrevisionen der Vergangenheit zum Teil erklären könnte.

Wir haben jedoch noch nicht die Hoffnung aufgegeben, dass im Laufe des Jahres trotzdem die Talsohle bei den Gewinnschätzungen erreicht werden könnte.


Höhere Cash-Quoten

Die Manager unserer Ziel-wikifolios haben in den letzten Tagen einige Transaktionen durchgeführt, die im Durchschnitt zu einer leichten Erhöhung der Cash-Quoten bei den jeweiligen wikifolios geführt haben. So hat Holger Degener bei seinem „Dividende und Eigenkapital Deutschland“-wikifolio die Gewinne bei Leifheit AG, Logwin AG, Merck und AT&S zum Teil oder komplett realisiert und somit eine Liquiditätsquote von etwa zehn Prozent aufgebaut.

Das „Dividende und Eigenkapital Deutschland“-wikifolio befindet sich seit Auflage des Musterdepots in unserem Portfolio und weist seitdem eine Performance von rund 22 Prozent auf. Das „Dogs of the Dow Low Five“-wikifolio wurde von uns dagegen erst vor einigen Wochen ins Musterdepot aufgenommen.

Der Portfoliomanager Thomas Riepl konzentriert sich auf die Auswahl von dividendenstarken Titeln aus dem Dow Jones Industrial Index und hält derzeit einen Cash-Bestand von rund 25 Prozent. Dieses wikifolio bildet zusammen mit dem ETF-Werte des ICAX“ von Uwe Freier unser Exposure am US-amerikanischen Aktienmarkt. Wir haben keinen Einfluss auf die Anlagepolitik der jeweiligen wikifolio-Manager.

Unser Musterdepot besteht zu 70 Prozent aus Einzeltiteln, die von uns auf Basis eines fundamentalen Bewertungsmodells ausgesucht werden, sowie aus fünf Ziel-wikifolios, deren Manager unseres Erachtens gut begründete und vielversprechende Investmentprozesse ausgearbeitet haben.  


Vorsichtige Dax-Prognosen der Banken

Banken sehen für die kommenden Monate kaum noch Potenzial an den hiesigen Aktienmärkte. Das zeigt eine aktuelle Auswertung des Wirtschaftsdienstes Bloomberg. Demnach prognostizieren die Anlagestrategen der Finanzinstitute beim deutschen Leitindex Dax im Schnitt einen Jahresendstand von 10.569 Punkten. Das wäre ein Plus von nur etwa sechseinhalb Prozent bezogen auf das aktuelle Kursniveau – und meilenweit entfernt von seinem im vergangenen Frühjahr erreichten Allzeithoch bei mehr als 12.300 Stellen.

Minimal mehr trauen die Experten dem Euro Stoxx 50 zu: Das europäische Börsenbarometer wird laut der Bloomberg-Umfrage im Mittel bei 3.179 Punkten gesehen – und damit acht Prozent höher als derzeit. Ich teile die Skepsis der Fachleute – mit dem Unterschied, dass ich bereits seit Auflegung der Musterdepots Anfang 2014 Vorsicht walten lasse: Seitdem wurde an dieser Stelle immer wieder davor gewarnt, dass die Zeit des mühelosen Geldverdienens an der Börse vorbei ist.

Durch „Kaufen-und-Liegenlassen" seien keine dauerhaften Gewinne mehr zu erwirtschaften, habe ich mehrfach wiederholt – stattdessen sei fortan aktives Depotmanagement nötig: sehr gezielte Titelauswahl, der Einsatz von Derivaten zur Absicherung des Portfolios und konsequentes Umschichten. Dieser Grundüberzeugung folgend werde ich das Musterdepot auch in den kommenden Monaten steuern, um meine übergeordneten Ziele zu erreichen: Eine möglichst konstante, langfristige Jahresrendite von durchschnittlich sechs bis acht Prozent.

Die Beiträge stellen keine Anlageberatung dar, insbesondere geben sie keine Empfehlung zum Kauf der genannten Wertpapiere. Sie sollen einen Anreiz zum Nachdenken und zur Diskussion über Marktentwicklungen und Anlagestrategien geben.

Quelle:  Handelsblatt Online
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