Musterdepots: „Zinsen für Staatsanleihen werden sehr niedrig bleiben“

Musterdepots: „Zinsen für Staatsanleihen werden sehr niedrig bleiben“

, aktualisiert 11. April 2016, 17:44 Uhr
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Daniel Hupfer

Quelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank hat mit der Ausweitung des Anleihekaufprogramms ein ganz klares Signal gesetzt, sagt Anlageexperte Daniel Hupfer von M.M. Warburg.

Die Renditen der zehnjährigen Bundesanleihen notieren aktuell fast wieder auf ihrem Allzeit-Tief, das am 17. April 2015 im Tagesverlauf mit 0,05 Prozent erreicht wurde. Diese Entwicklung ist vor dem Hintergrund der seither noch expansiveren Geldpolitik der EZB, der nur sehr moderat restriktivere. Geldpolitik der US-Notenbank und der schwächelnden Weltwirtschaft gut nachzuvollziehen. Die EZB hat mit der Ausweitung des Kaufprogramms auf 80 Milliarden Euro pro Monat ein ganz klares Signal gesetzt, dass die Zinsen für Staatsanleihen der Euro-Zone auf längere Sicht sehr niedrig bleiben werden.

Das Nettoangebot an Staatsanleihen im April nach Tilgungen und Käufen der EZB wird bei etwa -100 Milliarden Euro liegen. Das geringste Volumen kommt mit knapp -40 Milliarden Euro aus Deutschland, gefolgt von Frankreich mit rund -20 Milliarden Euro und den Niederlanden sowie Italien mit rund -15 Milliarden Euro.

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Im Mai und Juni wird das Nettoangebot in der Euro-Zone dann deutlich höher sein und nahe null liegen, ehe es dann im restlichen Jahresverlauf wieder in den negativen Bereich abrutscht und im monatlichen Durchschnitt bei circa -50 Milliarden Euro liegen wird.

Vor diesem Hintergrund ist es aus unserer Sicht sehr wahrscheinlich, dass Bundesanleihen mit zehnjähriger Restlaufzeit noch im April die Null-Prozent-Marke testen werden. Allerdings gehen wir nicht davon aus, dass dieser Test des negativen Territoriums nachhaltig ausfallen wird. Auf Basis eines wieder ansteigenden Nettoangebots – der schwächste Monat für Bundesanleihen in 2016 ist der April – und einer weiterhin positiven wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland lassen wir unsere Jahresendprognose für zehnjährige Bundesanleihen mit 0,50 Prozent unverändert.


Koordinierte Maßnahmen für mehr Wachstum

Erst vor einigen Tagen hat die Chefin des Internationalen Währungsfonds (IWF), Christine Lagarde, über die Notwendigkeit eines globalen Wachstumspaketes gesprochen. Dabei plädierte Lagarde für koordinierte Maßnahmen, die gegen eine Verlangsamung der Weltkonjunktur ausgerichtet sein sollten. Neben der wichtigen Rolle der Notenbanken sowie dem Strukturreformbedarf müsse die Finanzpolitik mehr leisten und investitionsfördernd sein, so die IWF-Chefin.

Am Montag hat sich der Bundesbank-Vorstand Andreas Dombret zu diesem Thema geäußert. Anders als der IWF sehe er keinen Grund für übermäßigen Pessimismus und keine Notwendigkeit für ein international geschnürtes Wachstumspaket. Vielmehr seien „stabilitätskonforme Anstrengungen“ sowie Strukturreformen auf dem Einzelländerniveau wichtig.

Diese Woche findet die Frühjahrstagung von IWF und Weltbank statt. Der Internationale Währungsfons hat in der letzten Zeit seine Wachstumsprognose nach unten korrigiert. Dementsprechend wirbt der Fonds für diverse konjunkturstimulierende Pakete. Diese Vorschläge stoßen jedoch vor allem in Deutschland bisher auf keine Zustimmung.


Starker Einfluss der Devisenkurse

Wie sehr derzeit die Aktienmärkte von den Währungskursen beeinflusst werden, erfuhren die Anleger in den vergangenen Handelswochen. Der steigende Yen und die stärker werdende europäische Gemeinschaftswährung schwächten den japanischen Nikkei - und den Deutschen Aktienindex (Dax) deutlich stärker im Vergleich zu den US-Indizes. Deren Verluste hielten sich in Grenzen, weil der Greenback schwächelt. Schließlich hat die US-Notenbank mittlerweile jegliche Zinserhöhungsphantasie ausgebremst.

Wahrscheinlich werden auch in den nächsten Wochen die Währungen eine wichtige Rolle spielen. Sollte sich der Euro in Richtung 1,20 Dollar orientieren, dürfte das deutsche Börsenbarometer wieder fallen. Dann dürfte sich der deutsche Leitindex eher in Richtung 9000 Zähler orientieren.

Die andere Variante, die freundlicher für Aktienanleger wäre: Ein Euro unter 1,10 US-Dollar würde vermutlich wieder für fünfstellige Kurse beim Dax sorgen. Vielleicht sogar für ein neues Jahreshoch.

Quelle:  Handelsblatt Online
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