Musik: „Im Leben muss nichts aufgehen“

PremiumInterviewMusik: „Im Leben muss nichts aufgehen“

25. Mai 2017

Das Interpretationsgenie Christian Gerhaher über die feinen Unterschiede zwischen Handwerk und Kunst, Lied und Oper, Hingabe und Ergriffenheit.

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Gerhaher, 47, ist der führende Liedsänger unserer Zeit. Er ist in allen großen Konzerthäusern der Welt zu Hause.

WirtschaftsWoche: „Dr. med. Bariton“ hat man Sie genannt, weil Sie promovierter Mediziner sind. Wie viele Muskeln braucht man, um zu singen?
Christian Gerhaher: Viel zu viele, um alles zu koordinieren. Es ist ja nicht nur die Atemmuskulatur. Dazu kommt noch die Muskulatur des Bauches, der Beine. Und man braucht den Musculus stapedius, der die Spannung des Mittelohrs reguliert ...

… und den Menschen sich selbst anders hören lässt als die Außenwelt?
Ja, in gewisser Weise. Auf der anderen Seite: Wer hört wie was? Das ist fast schon eine erkenntnistheoretische Frage. Früher habe ich gedacht, es sei die Tragik des Sängers, sich nicht so zu hören, wie andere es tun, die Außenwirkung nicht kontrollieren zu können. Ich bin davon abgekommen. Die Bedeutung, rein sinnlich oder geistig, wird nicht nur durch einen Höreindruck bestimmt, sondern auch durch die Interpretation und Emphase, durch die Erwartung seitens des Publikums und vieles andere mehr.

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