DWS: Die Gewinne der anderen

PremiumKommentarDWS: Die Gewinne der anderen

06. Dezember 2017
von Heike Schwerdtfeger

Die Aktie der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wird bevorzugt internationalen Investoren angepriesen. Ein schwerer Fehler.

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Die Zentrale der Deutschen Bank in Frankfurt am Main.

Zugegeben: Das Londoner Edelkaufhaus Harrods an der luxuriösen Brompton Road ist zur Weihnachtszeit reizvoller als die Galeria Kaufhof an der Frankfurter Einkaufsmeile Zeil. Noch ein Grund mehr für die Vorstände der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS also, als Erstes die City anzusteuern, um bei Investoren für den anstehenden Börsengang Werbung zu machen. „Roadshow“ klingt ohnehin cooler und weltgewandter als „Werbeveranstaltung“, wenn das übliche Buhlen um Aktienkäufer beginnt.

Dennoch ist die London-Fixierung ein Beweis für die Schwäche des deutschen Kapitalmarktes. Ja, in der britischen Metropole haben milliardenschwere Konkurrenten der DWS wie BlackRock, Schroders oder Fidelity eben ihre europäischen Hauptquartiere, dort sitzen auch die mächtigen Hedgefonds. Trotzdem sollte der deutsche Branchenprimus den Mut und das Selbstbewusstsein haben, auf London zu pfeifen.

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Auch hierzulande gäbe es genug potenzielle Geldgeber – solide Fondshäuser, zuverlässige Pensionskassen und Versicherer, die gar nicht wissen, wo sie mit all dem Geld hin sollen, das ihnen Anleger anvertrauen. Allein in den ersten neun Monaten dieses Jahres haben heimische Großanleger unterm Strich 64 Milliarden Euro neue Gelder in Fonds angelegt. Neue und gute Anlagen aber sind rar.

Die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank

  • Name

    Die künftige Gesellschaft soll noch vor dem Gang aufs Parkett in DWS umbenannt werden. Die Abkürzung geht auf die 1956 gegründete Deutsche Gesellschaft für Wertpapiersparen zurück, an der die Deutsche Bank anfangs zusammen mit anderen Instituten beteiligt war. Bislang verwendete das Institut die Marke DSW nur für das Privatkundengeschäft.

  • Rechtsform

    Mit dem Börsengang wird aus der bisherigen Deutsche-Bank-Sparte eine rechtlich selbstständige GmbH & Co. KGaA (Kommanditgesellschaft auf Aktien). Durch diese Rechtsform sichert die Deutsche Bank ihren Einfluss, unabhängig von den Mehrheitsverhältnissen der Aktionäre.

  • Geschäftsmodell

    Die rund 3800 Mitarbeiter der Deutsche Asset Management - davon rund 900 Analysten und Fondsmanager - verwalten in ihren insgesamt rund 600 verschiedenen Fonds Kundengelder im Volumen von knapp 700 Milliarden Euro.

    Der weit überwiegende Teil der Anlagesumme kommt von Kunden aus Deutschland und dem übrigen Europa, immerhin ein Drittel fließt aus Amerika und der Region Asien-Pazifik zu.

  • Marktstellung

    Die Deutsche Asset Management gehört in die Oberliga der global tätigen Vermögensverwalter: Im Privatkundengeschäft ist sie in Deutschland die Nummer eins, in Europa auf dem vierten Platz.

    Im Passivgeschäft mit börsengehandelten Fonds (ETFs) liegt sie in Europa auf Platz zwei, weltweit auf Rang sechs.

    Im Geschäft mit Versicherungen belegt der Börsenaspirant global Rang zwei, im Geschäft mit Immobilienfonds Rang elf.

  • Konkurrenzsituation weltweit

    Die Deutsche Asset Management kommt nicht an Branchenriesen wie die UBS heran. Die Schweizer sind mit einem verwalteten Vermögen von mehr als zwei Billionen Dollar die größte im Asset Management aktive Bank.

    Im Vergleich zum US-Fondsgiganten Blackrock - mit einem verwalteten Vermögen von mehr als fünf Billionen Euro - wirken aber auch die Eidgenossen fast schon wie die zweite Liga.

  • Konkurrenzsituation in Deutschland

    In Deutschland liegt die Vermögensverwaltung der Deutschen Bank ganz vorne und verweist Konkurrenten wie Union Investment - den Fondsdienstleister der Volks- und Raiffeisenbanken (320 Milliarden Euro Kundenvermögen), die Deka - den Fondsanbieter der Sparkassen (260 Milliarden Euro) und selbst Allianz Global Investors, den Assetmanager des Versicherungsriesen Allianz (494 Milliarden Euro) auf die Plätze.


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