Standortfrage: Die Republik der Selbstzufriedenen

Bundestagswahl 2017

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PremiumStandortfrage: Die Republik der Selbstzufriedenen

01. September 2017
von Simon Book, Konrad Fischer, Max Haerder, Thomas Schmelzer und Dieter Schnaas

Deutschland geht es gut, daher wird wirtschaftspolitisch wenig getan. Was aber, wenn in die sedierte Republik doch noch einmal die Wirklichkeit einzieht? Report aus einer wohlstandsbetäubten Nation.

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Vor vier Jahren war es Angela Merkels Raute, 2400 Quadratmeter groß – ein Riesenplakat in der Nachbarschaft des Berliner Hauptbahnhofs, ein Megasymbol der Mutti-Republik: „Deutschlands Zukunft in guten Händen“. Es war der bildhafte Ausdruck dessen, was sie im Konrad-Adenauer-Haus „asymmetrische Demobilisierung“ nennen: die Ausschaltung des politischen Wettstreits durch die präsidiale Bewirtschaftung dessen, was zu tun ist. Merkels Botschaft damals: Gemeinsam schaffen wir es. Zusammen bringen wir das Land nach vorne. Mit mir an der Spitze.

In diesem Jahr benötigt Merkel nicht mal mehr ein Symbol. Stattdessen lässt sie eine zustimmungspflichtige Leerformel zirkulieren, 100-fach verewigt auf Plakaten: „Für ein Deutschland, in dem wir gut und gerne leben“. Merkel weiß: Viele Wähler legen ihr die Negation jedes Gestaltungsanspruchs längst als sympathische Bescheidenheit, als eine Art höhere Einsicht in die beschränkte Wirkkraft politischen Handelns aus. Vor vier Jahren, in krisenhaften Zeiten, haben die Deutschen ihr nicht die Lösung der Banken-, Finanz- und Euro-Desaster abverlangt, wohl aber deren ständige Bearbeitung: daher die Raute.

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