PremiumThese 11: Den Mindestlohn krisenfest machen.

04. September 2017

Die Lohnuntergrenze soll bleiben – weil sie besser ist, als viele wahrhaben wollten. Was aber noch fehlt: eine Schutzklausel für den nächsten Abschwung.

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Der Mindestlohn hat keine Jobs gekostet, sagt Arbeitgeberpräsident Ingo Kramer.

In diesem Sommer gab es Bemerkenswertes zu bestaunen: Der Arbeitgeberpräsident gab zu, sich geirrt zu haben. Ingo Kramer stand Ende Juni auf einem Podium der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung in Berlin und sagte: Der Mindestlohn hat keine Jobs gekostet. Kramer, sozusagen Rechthaber qua Amt, gestand freimütig ein, in dieser Frage „falsch“ gelegen zu haben. Die Kunden hätten höhere Preise durch den Mindestlohn einfach akzeptiert. Punkt. Die vielen Arbeitnehmervertreter im Saal trauten ihren Ohren nicht.

Kramers Eingeständnis verdient Respekt. Vor allem entspricht es der Wahrheit: Der Mindestlohn hat gerade im Osten manche Branchen vor Probleme gestellt, das sollte man nicht verschweigen – aber er hat unterm Strich das deutsche Jobwunder kein bisschen gefährdet. Die Einstiegshöhe von 8,50 Euro war klug gewählt. Und überhaupt: Der Arbeitsmarkt ist eben kein Markt wie alle anderen, es geht hier nicht um den Preis von Obst, Öl oder Schaltgetrieben. Es geht um Menschen, um Menschenwürde. Deren Wert ist nach unten nicht frei verhandelbar.

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