Handelsbeziehungen: Denkt an Japan, nicht an Trump!

PremiumKommentarHandelsbeziehungen: Denkt an Japan, nicht an Trump!

24. März 2017

Japaner und Deutsche tun sich oft schwer miteinander. Aber die Handelsriesen brauchen sich mehr denn je.

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Shinzo Abe (l), Angela Merkel (r)

Natürlich sind Deutschland und Japan keine geborenen Verbündeten. Während die deutsche Regierung seit Jahren eine „Schwarze Null“ schreibt, nimmt die japanische seit Jahren immer gigantischere Schulden auf. Deutschland steigt aus der Atomenergie aus, Japan beharrt weiterhin darauf. Für den Zugang zum japanischen Arbeits- oder Agrarmarkt existieren für Ausländer nach wie vor hohe Hürden. Das Land schaut bei der wirtschaftlichen Zusammenarbeit eher auf angelsächsische Nationen als nach Europa. Gleichzeitig müssen auch die Deutschen eingestehen, dass sie sich mit den Wertvorstellungen Asiens oft schwertun – und wenig Mühe aufwenden, sie zu verstehen.

Japan und Deutschland sitzen im selben Boot

Und doch: Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Japans Premier Shinzo Abe in diesen Tagen für Freihandel werben, könnte keiner einen besseren Verbündeten finden als den jeweils anderen. Im turbulenten Trump-Zeitalter befinden sich Japan und Deutschland gegenüber Amerika in einer ähnlichen Lage: Der Trump-Slogan „America first“ macht das transatlantische Freihandelsabkommen TTIP ebenso unwahrscheinlich wie das transpazifische Abkommen TPP. Die neue amerikanische Regierung wirft beiden Ländern Währungsmanipulation vor. Sowohl Toyota als auch BMW müssen sich anhören, amerikanische Jobs zu klauen.

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So benehmen Sie sich in Japan richtig

  • Baden

    Japaner entspannen nach Verhandlungen gerne in Bädern. Selbst wer vorher geduscht hat, muss sich – für alle sichtbar – gründlich abseifen.

  • Berührungen

    Umarmen, Schulterklopfen, Händeschütteln sind außer bei Trinkgelagen unüblich. Man hält Distanz. Wer in diese Distanzzonen eindringt, löst tiefes Unbehagen aus.

  • Ehepartner

    Werden nicht in geschäftliche Dinge einbezogen. Dennoch erwarten Japaner, dass der Gast abends ausgeht – je nach Spesenkonto gar zum Geisha-Abend. Im japanischen Geschäftsleben werden privaten und dienstlichen Interessen niemals der gleiche Wert eingeräumt – Job geht vor.

  • Geschenke

    Nie ein Messer, eine Schere oder einen Brieföffner verschenken – Signal für eine Trennung! Abbildungen von Füchsen oder Dachsen gelten als anzüglich. Sie symbolisieren Fruchtbarkeit beziehungsweise Hinterhältigkeit. Präsente werden mit der Formel „Es ist zwar wertlos, nehmen Sie es aber bitte trotzdem an!“ überreicht. Der Beschenkte legt das Mitbringsel ungeöffnet beiseite – alles andere zeugt von Habgier.

  • Grüner Tee

    Wird oft nach Mahlzeiten gereicht und pur getrunken. Bitte keine Milch oder Zucker hineingeben! Kleinere Teeblätter am Schalengrund sind normal. Ein aufrecht stehendes Teeblatt gilt als Glücksbote. Zeigen Sie, dass Sie es bemerkt haben!

  • Harmonie

    Streiten Sie nie! Japaner lehnen offene Konflikte ab. Unterdrücken Sie persönliche Gefühle; unfein ist, sie auszusprechen oder sie sich anmerken zu lassen.

  • Hierarchie

    Angemessene Respektbezeugungen sind so bedeutungsvoll, dass zwei Japaner schwer miteinander umgehen können, solange die Rangfolge ungeklärt ist. Auch dazu dienen Geschäftskarten: Je weniger Titel auf der Karte stehen, desto höher der Mann. Wenn nur der Name aufgedruckt ist, sollte man ihn kennen.

  • Karaoke

    Die Einladung in eine Karaoke-Bar darf man nicht absagen. Punkte sammelt, wer deutsche Volkslieder trällern kann. Wem das zu peinlich ist, sollte eine Ersatzshow bieten: Trommeln oder Zungenbrecher vom Typ „Fischers Fritze“.

  • Kleidung

    Faustregel: teures Tuch, dezentes Design, Damen wie Herren. Japaner achten enorm auf Qualität. Schludrige Kleidung wird schnell als Nichtachtung ausgelegt. Auch auf Socken achten! Vor allem beim Sitzen auf Tatami-Matten, bei dem die Schuhe ausgezogen werden.

  • Kompliment

    Mit „Ihre Präsentation war super!“ stürzen sie Japaner in Sinnkrisen. Das wird als Ausrede missverstanden. Wer loben will, verweist auf eigene Schwächen statt auf Großtaten des anderen. Ideales Kompliment ist es, den anderen um Rat zu fragen.

  • Prestige

    Gute Hotels sind in Japan teuer, signalisieren aber, dass Sie solvent sind, ähnlich prestigeträchtig sind Flug- oder Zugklassen. Gespart wird in Japan intern und für Außenstehende unmerklich. Wer sich gar einen Mietwagen mit Fahrer leistet, beweist professionelle Noblesse.

  • Rechnung

    Wenn Sie nicht wollen, dass Japaner bezahlen, müssen Sie das dem Kellner sagen, sonst geht die Rechnung an den Einheimischen. Der würde sie nie weiterreichen, auch nicht öffentlich prüfen. Es ist unfein, sich mit Gelddingen zu befassen.

  • Reis

    Japan war lange Zeit ein armes Land, Reis das „tägliche Brot“. Zollen Sie ihm deshalb Respekt, indem Sie Ihre Portion bis auf einen Anstandsrest aufessen.

  • Sitzordnung

    Sie ist streng und zu beachten: Der Gast, dem die größte Ehre gebührt, wird so weit wie möglich von der Tür weg platziert. Wird auf Tatami-Matten gesessen, ist der Schneidersitz angebracht. Hinfläzen wäre vulgär.

  • Stäbchen

    Wer damit umgehen kann, genießt Hochachtung. Falsch ist, die Stäbchen durch Stoßen auf den Tisch wieder gerade zu rücken. Ganz tabu: mit dem Essgerät herumfuchteln oder im Essen herumrühren.

  • Taxifahren

    Regel 1: Fassen Sie keine Tür an! Die hinteren Türen werden vom Fahrer mechanisch geöffnet.
    Regel 2: Taxifahrer sprechen selten Englisch. Deshalb vom Hotel oder Betreuer auf Japanisch aufschreiben lassen, wohin man will.

  • Telefonieren

    Japaner lächeln beim Telefonieren oder verbeugen sich dabei. Sie glauben, der andere hört diese Ehrerbietung. Deshalb: Lassen Sie den anderen zuerst auflegen. Alles andere wäre ungezogen.

  • Trinken

    Einsames Trinken ist verpönt. Selbst zu fortgeschrittener Stunde nie selbst das Glas füllen! Stattdessen schenkt man sich gegenseitig nach. Sakeschalen werden vorher leergetrunken. Trunkenheit wird in Japan eine einzigartige Toleranz entgegengebracht: Nur in diesem Zustand darf man ungestraft seine Meinung sagen.

  • Verbeugen

    Sagt viel über den Status einer Person. Wer sich tiefer und länger verbeugt, zeigt Respekt. Nehmen Sie das Ritual hin, aber machen Sie nicht mit, da Sie die Regeln nicht kennen. Ein freundliches Kopfnicken reicht völlig.

  • Visitenkarten

    Nie aus der Gesäß- oder Hosentasche nesteln, sondern aus einem respektablen Etui nehmen, das im Jackett steckt. Schon die Marke der Lederhülle sagt etwas über den Besitzer. Teilen Sie die Visitenkarte nie aus wie Pokerkarten, sondern überreichen Sie die Karte sorgsam mit der rechten Hand, besser mit beiden Händen! Das Ritual, sich über die Aussprache der Schriftzeichen und deren Bedeutung zu verständigen, erwartet zwar niemand – aber es beweist Kulturverständnis.


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