Euro: Die Krise ist noch nicht vorbei

ThemaKonjunktur

PremiumEuro: Die Krise ist noch nicht vorbei

04. Januar 2016
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Jens Weidmann, Präsident der Deutschen Bundesbank, über die Fehler der Europäischen Zentralbank.

Es wird der Zeitpunkt kommen, an dem der Ausstieg aus der ultra-expansiven Geldpolitik erforderlich ist, um die Geldwertstabilität zu wahren. Dann wird das Euro-System seine Unabhängigkeit von politischen Erwägungen unterstreichen müssen. Ein Gastbeitrag.

Für Sportbegeisterte dürfte 2016 ein spannendes Jahr werden: Erst wird in Frankreich um den europäischen Fußballthron gespielt, und dann kämpft die „Jugend der Welt“ in Rio de Janeiro um olympische Medaillen. Bietet das Jahr 2016 aber auch in wirtschaftspolitischer Hinsicht Spannung? Vieles deutet darauf hin, dass die moderate wirtschaftliche Erholung im Euro-Raum auch im kommenden Jahr anhält. Ob aber die Wachstumskräfte durch eine kluge Politik nachhaltig gestärkt und die Weichen in Richtung einer stabilen Währungsunion gestellt werden, muss sich zeigen.
Zunächst die gute Nachricht: Der Aufschwung im Euro-Raum dürfte sich sogar leicht beschleunigen. Zwei Faktoren stärken die Wirtschaft: Zum einen stützen die stark gefallenen Rohölpreise die Konjunktur. Denn die Verbraucher haben mehr Geld in der Tasche, und angesichts der verbesserten Arbeitsmarktlage nutzen sie dies auch für steigende Konsumausgaben. Auch die Unternehmen profitieren, denn ihre Energierechnung ist gesunken.
Zum anderen stimuliert die sehr expansive Geldpolitik die Konjunktur. Unternehmen können Investitionen günstiger finanzieren, und die Abwertung des Euro führt dazu, dass eigene Exporte im Ausland billiger werden. Das nutzt auch der deutschen Wirtschaft, denn sie ist mit vielen wettbewerbsfähigen Produkten auf den Weltmärkten vertreten. Auch deshalb ist der Leistungsbilanzüberschuss Deutschlands zuletzt auf acht Prozent gestiegen.
Die schlechte Nachricht lautet: Der Aufschwung ist zu schwach, um die Arbeitslosigkeit im Euro-Raum durchgreifend zu senken.


1 Kommentar zu Euro: Die Krise ist noch nicht vorbei

  • Das Kernproblem bzw. die zahlreichen und vielfältigen Problemzone innerhalb des Währungsgebiete bleiben nach wie vor erhalten. Ökonomische Ungleichgewichte, verschiedene Wettbewerbsfähigkeiten, viele Euroländer sind völlig überschuldet, leiden unter einer jahrelangen hohen Massenarbeitslosigkeit, nur die derzeitige Geldpolitik der EZB kann diese Länder noch im Währungsraum halten. Die potentiellen Haftungsrisiken Deutschlands sind enorm und dürften sich noch erheblich ausweiten (ESM, EFSF, Target II, OMT- und ABS-Ankäufe, Bankenunion, Anfa, Negativzinsen, Kapitalverkehrskontrollen, zukünftige Bail-In's für Bankenkunden im Euroraum etc.).

    Die Bundesbank ist innerhalb der EZB nur ein kleiner Faktor, viele Euroländer wollen und brauchen eine völlig andere Geldpolitik als dies die Bundesbank für Deutschland alleine machen könnte (sofern die DM noch bestehen würde, Anpassungen über Wechselkursmechanismus EWS und Zinsniveau).

    Deutschlands Kapitalexporte sind rekordverdächtig, seine Leistungsbilanz- und Handelsüberschüsse ebenso. Diese ökonomischen Ungleichgewichte stehen zurzeit unter Beobachtung der EU-Kommission.

    Will man diese Währungsunion in dieser heutigen Form erhalten oder sogar noch ausbauen, wird man zukünftig auf noch mehr Dauertransfers, Haftungsübernahmen, Steuer- und Abgabenerhöhungen setzen müssen. Von einer nachhaltigen und funktionieren Markt- und Wettbewerbsordnung entfernt man sich immer weiter weg.

    Die Einkommens- und Vermögensentwicklungen in Deutschland seit 2002 sind zudem eine Betrachtung wert. Viele private und betriebliche Altersvorsorgen in Deutschland geraten unter Druck (§ 89 VAG, Bilanzierungsrisiken Betriebsrenten, Pensionssicherungsfonds, Solvency II und Basel II). Hier droht eine nachgelagerte Besteuerung mit hohen SV-Abgaben (mögliche zukünftige europäische Sozialversicherung).



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