Blinde sehen, Lahme gehen: Die Gen-Schere verspricht Milliardengeschäfte

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PremiumBlinde sehen, Lahme gehen: Die Gen-Schere verspricht Milliardengeschäfte

30. November 2017
von Andreas Menn

Start-ups und Pharmakonzerne wollen mit neuen Gentherapien medizinische Wunder vollbringen – und Milliarden verdienen, etwa mit Krebsbekämpfung. Doch viele ethische Fragen sind noch ungeklärt.

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Die Genschere verspricht neue Therapien und Milliardengeschäfte, birgt aber große Ethikprobleme.

Unsere Gene seien unser Schicksal, heißt es, aber Toni Cathomen sieht das anders. In seinem Labor am Universitätsklinikum Freiburg, zwischen Monitoren, Labormaschinen und Pipetten, arbeitet der Molekularbiologe daran, die Gesetze der Vererbung umzuschreiben: Er will defekte Gene, die Menschen krank machen, die ihnen lebenslanges Leid und einen frühen Tod mit in die Wiege legen, korrigieren wie ein Lektor einen Text.

Sein Erbgut-Korrektorat startet Cathomen bei einem Defekt im Gen IL2RG. Kinder, die damit zur Welt kommen, bilden ihr Immunsystem nicht aus. Sie sind dauernd krank, ständig bedroht: „Eine kleine Infektion“, sagt Cathomen, „kann das Leben kosten.“

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Doch inzwischen ist dem Freiburger Forscher gelungen, den Fehler im Erbgut zu korrigieren – zumindest in der Petrischale und bei Mäusen. In spätestens fünf Jahren will er Patienten Millionen von Stammzellen entnehmen, ihr Erbgut reparieren und sie wieder ins Knochenmark einpflanzen. „Wenn alles funktioniert, wachsen die Kinder gesund auf“, sagt Cathomen.

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