Hamburger Hafen: Traditionsbetriebe sind Opfer der Zeitenwende

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PremiumHamburger Hafen: Das Tor zum Weltschmerz

16. September 2017
von Jacqueline Goebel

Nach 138 Jahren muss der Familienbetrieb Carl Tiedemann Insolvenz anmelden. Die Pleite ist symptomatisch für die Zeitenwende in Deutschlands wichtigstem Hafen.

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Angriffslustig: Carola Zehle stritt mit der Gewerkschaft und ihren Auftraggebern.

Carola Zehle hat ihren Spitznamen immer mit Stolz getragen. „Hafenlöwin“, jahrelang stand dieser Titel als Synonym für Durchsetzungskraft. Dabei hat sie den Spitznamen ursprünglich wegen ihrer Frisur erhalten. 1972 war das, Carola Zehle war damals Mitte 20 und gerade erst Chefin des Familienunternehmens Carl Tiedemann, die einzige Frau zwischen all den Herren im Anzug. Da konnte sich der damalige Hafensenator die Anspielung auf ihre Frisur nicht verkneifen.

Doch im Sommer 2017 klingt der Name plötzlich anders. „Die Hafenlöwin ist insolvent“, lauten jetzt die Schlagzeilen. Sie habe zu laut gebrüllt, sagen manche. Sie sei unbelehrbar. Die Grande Dame des Hamburger Hafens steht im Alter von 70 Jahren davor, ihr Lebenswerk zu verlieren. Es ist die Geschichte eines Abstiegs, die unweigerlich eine Frage aufwirft: Wie konnte es so weit kommen? Der Streit darüber tobt seit Wochen. Es geht um ausstehende Löhne, um mangelnde Vertragstreue und plötzlich gekündigte Aufträge. Zehle, Gewerkschaft und der Hafen als Auftraggeber beschuldigen sich gegenseitig. Ein Satz ist dabei immer wieder zu hören: „Das Vertrauen ist zerbrochen.“

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