Nach Brexit: EZB drängt umzugswillige Banken zur Eile

Nach Brexit: EZB drängt umzugswillige Banken zur Eile

, aktualisiert 11. April 2017, 18:07 Uhr
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Derzeit buhlen Finanzmetropolen wie Paris, Frankfurt, Dublin und Luxemburg um die potenziellen Neuankömmlinge aus London.

Quelle:Handelsblatt Online

Die Europäische Zentralbank mahnt ausländische Banken, die ihren Umzug von London in die Euro-Zone vorbereiten, zur Eile. Es könne bis zu zwölf Monate dauern, bis eine europäische Banklizenz ausgestellt werden könne.

FrankfurtDer Brexit wirft seine Schatten voraus. Ausländische Banken müssten sich mit den Vorbereitungen für einen Umzug von London in die Euro-Zone beeilen, fordert die Europäische Zentralbank (EZB), die die Geldhäuser künftig beaufsichtigt. Die Bankenaufseher bräuchten normalerweise sechs Monate, um die fälligen Anträge auf eine europäische Banklizenz zu prüfen, erklärte die EZB in einer Handreichung für umzugswillige Banken, die am Dienstag veröffentlicht wurde. Es könnte aber auch bis zu zwölf Monate dauern. Geldhäuser, die derzeit mit einem „EU-Pass“ von London aus ihre Geschäfte in ganz Europa betreiben können, brauchen nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU - also spätestens im Frühjahr 2019 – aller Voraussicht nach eine eigene Lizenz in einem EU-Land. Davon betroffen sind rund 40 internationale Banken, unter anderem aus den USA.

Derzeit buhlen Finanzmetropolen wie Paris, Frankfurt, Dublin und Luxemburg um die potenziellen Neuankömmlinge aus London. Die EZB betonte, sie halte sich aus der Standortfrage völlig heraus, werde aber nicht zulassen, dass sich die einzelnen Länder einen Wettbewerb um die am wenigsten strengen Vorschriften lieferten. Für Großbanken mit einer Bilanzsumme von mehr als 30 Milliarden Euro ist die Frankfurter Notenbank ohnehin der direkte Aufseher, bei kleineren schaut sie den nationalen Behörden auf die Finger.

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Bankenaufseher betonen seit Monaten, dass nach einem Umzug wichtige Funktionen wie das zuständige regionale Management und die interne Revision auch tatsächlich in der EU angesiedelt sein müssten. "Nur eine 'leere Hülle' zu gründen, wäre nicht akzeptabel", heißt es in der Handreichung. Auch die Hoffnung von Investmentbanken, ihre Wertpapier-Handelsgeschäfte in Europa aus Kostengründen weiter über London abwickeln zu können, enttäuscht die EZB: Zumindest zum Teil müssten die Risiken vor Ort gemanagt werden.

Schwerer als nötig will sie den Banken die Verlagerung aber nicht machen. Personal und operatives Geschäft könnten nach und nach aufgebaut werden – allerdings unter der Kontrolle der Aufseher. Bei der Anwendung interner Modelle, mit denen Banken die Risiken in ihrer Bilanz selbst berechnen können, will sich die EZB an den Erkenntnissen der britischen Aufseher orientieren, auch wenn sie die Modelle formal genehmigen muss. Für eine Übergangszeit nach dem Umzug könnten die Banken auch mit ihren bisherigen Risikomodellen arbeiten.

Quelle:  Handelsblatt Online
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