Nach dem Brics-Gipfel: Wie die Schwellenländer-Stars verglühen

Nach dem Brics-Gipfel: Wie die Schwellenländer-Stars verglühen

, aktualisiert 17. Oktober 2016, 09:31 Uhr
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Demonstrieren Einigkeit: Brasiliens Präsident Michel Temer, der indische Premier Narendra Modi, Chinas Präsident Xi Jinping, der russische Staatschef Wladimir Putin und Südafrikas Präsident Jacob Zuma.

Quelle:Handelsblatt Online

Auf dem Brics-Gipfel in Goa betonen die Staatschefs von Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika ihre Wirtschaftskraft – doch die einstigen Wachstumswunder stehen vor teils massiven Problemen.

Neu Delhi/FrankfurtFür die einstigen Hoffnungsträger der Weltwirtschaft ist die Luft dünner geworden. Obwohl die fünf Brics-Staaten Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika am Wochenende auf ihrem Gipfel im indischen Goa demonstrativ ihre Wirtschaftskraft und ihren wachsenden Handel betonten – mindestens drei von ihnen geht es wirtschaftlich durchwachsen bis schlecht. Selbst Klassenprimus Indien gelingt es nicht, alle Teile seiner Bevölkerung auf seinem Wachstumspfad mitzunehmen. Die Lage in den fünf Ländern im Überblick.

Brasilien

Schlimmer geht zwar bekanntlich immer, aber in Brasilien ist das kaum noch vorstellbar. Das Land steckt in einer tiefen Rezession. 2015 brach die Wirtschaftskraft um 3,8 Prozent ein. Experten rechnen bis 2017 mit weiteren Rückgängen. Die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Preise steigen, der Konsum bricht weg, die Landeswährung Real ist eingebrochen, die Staatskassen sind leer. Brasilien leidet als Ölexporteur unter den Dumping-Ölpreisen. Auch politisch steckt das Land in einer Krise. Führende Politiker stehen wegen Korruptionsvorwürfen im Visier der Justiz. Ex-Präsidentin Dilma Rousseff wurde im August aus dem Amt gejagt. Ihr Nachfolger Michel Temer will das Land mit Reformen aus der Rezession holen.

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Russland

Seit dem vergangenen Jahr schrumpft die Wirtschaft, die Preise steigen. Vor allem die niedrigen Ölpreise machen dem Förderland zu schaffen. Hinzu kommen Sanktionen des Westens wegen der Ukraine-Krise. Um die klammen Staatskassen aufzufüllen, setzt Präsident Wladimir Putin auf Privatisierungen und hofft auf Einnahmen von umgerechnet über 13 Milliarden Euro in diesem Jahr. Es wäre die größte Privatisierungswelle seit den 1990er Jahren – doch bislang geht es schleppend voran. Unterdessen kämpft Putin zusammen mit dem Ölkartell Opec gegen die Dumping-Ölpreise. Einen Etappensieg erreichten die Förderländer im Oktober, indem sie eine Einigung auf eine Förderbegrenzung signalisierten. Das Ölpreise legten daraufhin weltweit zu.

Indien

Wachstumssorgen hat der Subkontinent zurzeit keine. Der Internationale Währungsfonds sagt ein Wirtschaftswachstum von 7,6 Prozent in diesem und im kommenden Jahr voraus. Die Inflation, früher regelmäßig über zehn Prozent, bleibt stabil zwischen fünf und sechs Prozent. Die Regierung hat zahlreiche Wirtschaftszweige für direkte Auslandsinvestitionen geöffnet. Zudem ist eine allgemeine Steuer auf Güter und Dienstleistungen in Arbeit, die das Abgabendickicht der 29 Bundesländer entwirren und dem Land ein zusätzliches Wachstum von einem bis zwei Prozentpunkten verschaffen soll. Doch mindestens zwei Drittel der Bevölkerung ist von dem neuen Wohlstand ausgeschlossen. Die 800 Millionen Inder, die auf dem Land leben, haben heute weniger Nahrung zur Verfügung als in den 1970er Jahren. Auf dem Welthungerindex steht Indien auf Platz 97 von 118, mit Abstand die schlechteste Bewertung aller Brics-Länder.


China

Die Boom-Jahre sind vorbei. Nach mehr als 14 Prozent Wirtschaftswachstum im Vorkrisenjahr 2007 hat sich die Rate inzwischen auf unter sieben Prozent mehr als halbiert. Ein Drama ist das nicht, sondern vielmehr Teil eines von Peking angestrebten Wandels. Statt den Weltmarkt mit Billigprodukten zu fluten, will Chinas Führung die Binnenwirtschaft stärken und mehr auf Dienstleistungen setzen. Wohlstand statt Billiglöhne, lautet die Devise. Die Frage ist nur, ob der Wandel sanft und ohne Turbulenzen gelingt. Enorme Überkapazitäten in der Schwerindustrie, steigende Immobilienpreise und rasant wachsende Schulden der Unternehmen wecken Zweifel. Experten warnen, Chinas Banken könnten wegen vieler fauler Kredite vor erheblichen Problemen stehen.

Südafrika

Seit Jahren verliert die Wirtschaft an Schwung, 2015 lag die Wachstumsrate bei nur noch gut einem Prozent. Dieses Jahr sieht es noch schlechter aus. Südafrika lebt chronisch auf Pump. Die Importe übersteigen die Exporte. Um das zu finanzieren, ist das Land auf ausländische Investoren angewiesen. Das droht zur Achillesferse zu werden: Führende Ratingagenturen bewerten Südafrika als Gläubiger nur noch eine Stufe über dem Ramschbereich. Neben der flauen Konjunktur sorgen politische Unsicherheiten für Skepsis. Präsident Jacob Zuma wird Korruption vorgeworfen. Nach jüngsten Meldungen zu Betrugsvorwürfen gegen den Finanzminister stürzte die Landeswährung Rand um über vier Prozent ab.

Quelle:  Handelsblatt Online
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