Nach dem Dax-Crash: Sind Aktien noch alternativlos?

Nach dem Dax-Crash: Sind Aktien noch alternativlos?

, aktualisiert 08. Februar 2016, 19:08 Uhr
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Nach unten zeigt im Handelssaal der Börse die Dax-Kurve. Der Dax ist zum ersten Mal seit rund anderthalb Jahren wieder unter die Marke von 9000 Punkten gefallen.

von Jürgen RöderQuelle:Handelsblatt Online

Der erneute drastische Dax-Einbruch am heutigen Handelstag weckt Erinnerungen an die früheren, jahrelang andauernden Bärenmärkte. Wird es dazu kommen? Oder ist das düstere Szenario bald zu Ende? Eine Einordnung.

Rund 40 Prozent hat der deutsche Leitindex Dax seit seinen Höchstständen im April 2015 verloren. Mehr als 16 Prozent seit Jahresanfang. Und heute schließt der Index sogar unter die Marke von 9000 Punkten. Ein Grund für Anleger, sich ans das Szenario von 2001 zu erinnern.

Damals verlor der Deutsche Leitindex mehr als 50 Prozent. Und es dauerte sieben Jahre, bis das Börsenbarometer wieder den Stand aus dem Jahr 2000 erreichte. Doch das wird sich nicht wiederholen.

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Auch während der Finanzkrise in den Jahren 2007 bis 2009 verlor der Dax rasant rund 40 Prozent, als nach der Pleite der US-Bank Lehman Brother viele andere Kreditinstitute ins Wanken gerieten. Doch vergleichen kann man diese beiden Börsensituationen nicht mit der aktuellen Lage.

Natürlich gibt es einige Gründe, die für weiter fallende Aktienkurse sprechen: So wie in den vorherigen Bärenmärkten sind die Gewinnaussichten der Unternehmen unsicher. Auch das Fusionsfieber der Unternehmen sieht aufgebläht aus. Und die Sorgen über die weitere Entwicklung der US-Wirtschaft sind berechtigt.

Das Hauptargument: Durch den Verfall des Ölpreises kommen US-Frackingunternehmen unter Druck, die sich zu hohen Zinsen verschuldet haben. Viele Banken haben größere Engagements in diesem Bereich – unter anderem die Deutsche Bank. Dies ist ein wichtiger Grund, warum die Kurse der europäischen Banken in den vergangenen Wochen so tief gefallen sind. Spätestens dann, wenn die Ölpreise wieder steigen, werden auch die Kurse der Bankaktien wieder anziehen.


Die positiven Faktoren überwiegen

Insgesamt überwiegen aber derzeit die positiven Faktoren: Anders als in früheren Bärenmärkten sind die Aktienbewertungen auf einem vernünftigen Niveau. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis der 30 Dax-Aktien ist mit derzeit unter 12,5 niedrig. 2001 lag dieser Wert bei über 30, 2007 bei über 16. Solide Werte wie Daimler und Allianz weisen derzeit eine Dividendenrendite von 5,5 Prozent auf. Solch eine Chance bieten diese Aktien vermutlich nicht mehr so oft.

Aktien sind vor allem im Vergleich zu Anleihen niedrig bewertet. Bisher wurden Bärenmärkte stets durch höhere Zinsen eingeläutet. Noch nie bei niedrigen Zinsen, wie sie derzeit sind.

Interessanterweise gelten die gleichen Argumente, die die Hausse der vergangenen sechs Jahre befeuert haben, immer noch. Die EZB verfolgt weiter eine lockere Geldpolitik, viele Dividenden von Unternehmen sind immer deutlich höher als die Renditen von Anleihen.

Sind deswegen Aktien alternativlos? Ja, aber nur für langfristig orientierte Anleger, muss man hinzufügen. Kurzfristig sind die meisten Investoren derzeit im Risk-off-Modus. Anlagen, die für die Investoren mit erhöhten Verlustrisiken verbunden sind, werden derzeit gemieden und ohne Rücksicht auf Verluste verkauft.

Auch wenn die positiven Aussichten für Aktien überwiegen: Es gibt derzeit keine Signale, wann die Kursverluste aufhören. Vermutlich wird der Dax noch weiter fallen, viele Experten erwarten Dax-Stände von 8000 bis maximal 7500 Punkten. Das wären elf beziehungsweise 15 Prozent unterhalb des aktuellen Kurses. Das ist für Trader viel, langfristige Anleger sollten bereits jetzt einen Blick wieder auf deutsche Qualitätsaktien werfen.

Quellle:  Handelsblatt Online
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