Nach Frankreichwahl: Höchster Tagesgewinn seit fünf Jahren für Banken

Nach Frankreichwahl: Höchster Tagesgewinn seit fünf Jahren für Banken

, aktualisiert 24. April 2017, 17:50 Uhr
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Zumindest für einen Tag schien für die europäischen Banken die Sonne.

von Michael MaischQuelle:Handelsblatt Online

Endlich einmal erfreuliche Nachrichten von Europas Banken. Das gute Abschneiden von Emmanuel Macron sorgte zumindest einen Tag lang für ein regelrechtes Kursfeuerwerk. Die Frage ist: Was bleibt von der Euphorie?

FrankfurtAuf solche Zahlen mussten die leidgeprüften Aktionäre der europäischen Banken lange warten. Der Sieg des europafreundlichen Kandidaten Emmanuel Macron in der ersten Runde der französischen Präsidentschaftswahlen bescherte den Geldhäusern am Montag zumindest zwischenzeitlich den höchsten Tagesgewinn seit fünf Jahren.

Der Index für die Banken der Euro-Zone schnellte um bis zu 7,2 Prozent auf ein Eineinhalb-Jahres-Hoch von 134,53 Punkten. Neben französischen Geldhäusern wie Société Générale oder BNP Paribas waren vor allem die krisengeplagten italienischen Institute gefragt. Banken aus diesen beiden Ländern verbuchten teilweise zweistellige prozentuale Kursgewinne.

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Der Grund für die Rally liegt auf der Hand: pure Erleichterung. Denn im Moment gehen die meisten Experten davon aus, dass sich Macron nach seinem guten Abschneiden am vergangenen Sonntag auch in der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen gegen die Rechte Marine le Pen durchsetzt. Die europakritische Politikerin hat für den Fall ihres Sieges bereits eine schnelle Abstimmung über den Austritt Frankreichs aus der EU und dem Euro angekündigt. Die Gefahr des „Frexits“ lastete wie Blei auf den Kursen der Banken, die wie kaum eine andere Branche von der politischen Stabilität in Europa und vor allem von der Integrität der Eurozone abhängen.

Mit dem Linksaußen Jean-Luc Mélenchon war noch ein zweiter Europafeind in die erste Runde der Präsidentschaftswahlen gegangen. Dagegen hatte sich der Kandidat der Konservativen François Fillon durch einen Skandal selbst disqualifiziert, und der Kandidat der Sozialisten Benoît Hamon war durch die miserablen Popularitätswerte des bisherigen Präsidenten François Hollande ebenfalls von Anfang an chancenlos. In dieser Konstellation war der linksliberale ehemalige Banker Macron und seine neue Partei En Marche! der klare Favorit der  Märkte.

Die entscheidende Frage lautet jetzt, was bleibt von der Euphorie, wenn die erste Erleichterung über das zumindest vorläufige politische Happy-End in Frankreich verflogen ist.


Nicht nur politische Risiken

Die Analysten des Investmenthauses Kepler Cheuvreux sehen abgesehen von der Politik noch ein paar andere Gründe, die für die Geldbranche sprechen und die reichen um die Banken von „neutral“ auf „übergewichten“ hochzustufen. Die Experten machen Anzeichen einer wirtschaftlichen Belebung in Europa und steigende Inflationserwartungen aus, die wiederum zu einem Anstieg der ultraniedrigen Zinsen führen könnten.

Die erste Runde der Frankreich-Wahl stimmt auch Goldman Sachs positiver für europäische Finanzwerte. Die Analysten sehen vor allem die Aktien deutscher, französischer und italienischer Banken als Profiteure. Zu den „Key Calls“ der US-Bank zählen unter anderem BNP Paribas, die am Montag um über acht Prozent zulegten und die italienische Unicredit, die sogar elf Prozent gewannen. Spitzenreiter im deutschen Leitindex Dax waren die Aktien der Commerzbank, die mit einem Plus von über acht Prozent auf den höchsten Stand seit Anfang 2016 nach oben schnellten.

Die Deutsche Bank verbuchte ebenfalls Kursgewinne von knapp acht Prozent. Dabei profitierte das größte heimische Geldhaus auch von einer Empfehlung der australischen Bank Macquarie, die die Papiere von „Underperform“ auf „Outperform“ hochstufte und  als neues Kursziel 17,50 Euro ausgab. Am Montag Nachmittag lag der Kurs bei 16,78 Euro.

Bei aller Euphorie sollten die Anleger allerdings nicht vergessen, dass es nicht nur die politischen Risiken sind, die Europas Banken an den Börsen bislang ausgebremst haben. Die Branche schiebt noch immer einen gigantischen Berg von knapp einer Billion Euro an faulen Krediten vor sich her. Zwar trifft dieses Problem vor allem Länder wie Portugal und Italien, aber auch die beiden deutschen Großbanken stecken noch immer mitten in der Sanierung. Die Branche hat gleich mit drei Herausforderungen zu kämpfen: Die Altlasten der Finanzkrise sind noch lange nicht beseitigt, die strengere Regulierung untergräbt die alten Geschäftsmodelle, und die Digitalisierung wird für einen Strukturwandel sorgen.

Erst vor kurzem beklagte Europas oberste Bankenaufseherin Danièle Nouy im Interview mit dem Handelsblatt die Zwickmühle, in der die Geldhäuser stecken: Die Kosten sind viel zu hoch, die Einnahmen viel zu niedrig und in der Folge lässt die Profitabilität viele Wünsche offen. Nouy glaubt, dass sich die Probleme nicht ohne eine Bereinigung des deutlich überbesetzten Bankenmarkts in Europa lösen lassen. Aber bis die in Gang kommt, dürfte es noch eine ganze Weile dauern.

Das heißt aber, dass selbst bei einem endgültigen Wahlsieg von Macron in Frankreich längst nicht alle Probleme der Banken gelöst sind. Die Auflösung der politischen Risiken ist zwar eine notwendige Bedingung für eine nachhaltige Erholung der Geldhäuser, aber noch lange keine hinreichende.

Quelle:  Handelsblatt Online
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