Nach Geständnis: Erster S&K Angeklagter auf freiem Fuß

Nach Geständnis: Erster S&K Angeklagter auf freiem Fuß

, aktualisiert 20. Mai 2016, 18:45 Uhr
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Die Gruppe soll etwa 11000 Anleger um ihr Geld gebracht haben.

von Katharina SchneiderQuelle:Handelsblatt Online

Das Geständnis hat sich gelohnt: Eine Woche nachdem Thomas G. zugegeben hatte, vom Betrug bei S&K gewusst und nichts unternommen zu haben, wurde er aus der U-Haft entlassen. Nun darf er auf eine mildere Strafe hoffen.

FrankfurtPlötzlich ging alles ganz schnell. Eine Woche nachdem Thomas G. im Betrugsprozess um die Frankfurter Immobiliengruppe S&K ein Geständnis abgelegt hatte, wurde er am Donnerstag aus der Haft entlassen. „Das Gericht hat damit die Konsequenz aus der Einlassung unseres Mandanten gezogen“, sagte sein Anwalt Thomas Heil. Das Gericht habe ausgeführt, dass „der Fluchtanreiz für den Angeklagten derart gemindert“ sei, dass der Haftbefehl aufzuheben war.

Gemeinsam mit den Unternehmensgründern Stephan Schäfer und Jonas Köller sowie drei weiteren Unternehmern ist er wegen schweren bandenmäßigen Betrugs und ebensolcher Untreue angeklagt. Die Gruppe soll etwa 11000 Anleger um mindestens 240 Millionen Euro gebracht haben.

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Thomas G. war einer von zwei Geschäftsführern des Hamburger Fondsemmissionshauses United Investors, das S&K-Fonds aufgelegt hatte. Wie die anderen Angeklagten hatte er bereits seit Februar 2013 in Untersuchungshaft gesessen. In der vergangenen Woche hatte er überraschend ein Geständnis vorgetragen.

Thomas G. könne darauf hoffen, dass für den Fall einer Verurteilung die von ihm in der Hauptverhandlung abgegebene geständige Einlassung strafmildernde Wirkung haben werde, schildert Anwalt Heil die Ausführungen der Kammer. Diese halte es nach gegenwärtiger Beurteilung für überwiegend wahrscheinlich, dass die Einlassung glaubhaft sei und der Angeklagte G. „im Rahmen des möglichen Tatgeschehens eine in Teilen untergeordnete Rolle“ spielte, so Heil.

In der vergangenen Woche hatte G. vorgebracht, dass er anfangs noch vom Geschäftsmodell der Immobiliengruppe S&K begeistert gewesen sei, später habe er den Betrug bemerkt, doch eingeschritten sei er nicht.

G. war unter anderem Geschäftsführer bei United Investors und saß im Aufsichtsrat einer S&K-Gesellschaft. „Ich war begeistert von dem Geschäftsmodell“, sagte er vor einer Woche bei Gericht. Das Konzept Immobilien bei Zwangsversteigerungen zu erwerben und später mit Gewinn zu verkaufen habe er im Jahr 2008 als „sehr tragfähig“ eingeschätzt. Außerdem habe die Mannschaft bei S&K einen „sehr akribischen und fleißigen Eindruck“ gemacht.

Bereits Ende 2010 oder Anfang 2011 – das Erinnern an den genauen Zeitpunkt falle ihm schwer – habe er jedoch Investitionen beobachtet, die nichts mit Immobilienhandel zu tun gehabt hätten. Anlegergelder seien zweckwidrig verwendet worden. Zwischenzeitlich habe er auch gemerkt, dass an Anleger ausgezahlte Gelder nicht aus erwirtschafteten Gewinnen stammten, sondern aus neu eingeworbenem Fondskapital. Doch er habe es billigend in Kauf genommen, dass Anleger getäuscht und geschädigt worden seien. „Ich bin ein Verdrängungskünstler“, sagte er.

Ab Mitte 2011 sei es zwischen seinem Geschäftspartner Hauke B. und S&K immer wieder zu Streit gekommen, etwa weil S&K Fragen nicht beantwortet habe. „Ich habe B. stets beruhigt, hatte Angst um United Investors und meine eigene Zukunft und wollte nicht wahrhaben, dass das Kind bereits in den Brunnen gefallen war“, so die Erklärung des Angeklagten.

Thomas G. hat in diesem Verfahren als erster Angeklagter ein Geständnis abgelegt. Besonders überraschend ist der Zeitpunkt, denn gerade hatte S&K-Gründer Jonas Köller das Wort und trug seine mehrere hundert Seiten umfassende Einlassung vor, mit der er sich verteidigt. Auf deren Ende wollte der Hamburger Unternehmer aber wohl nicht warten und bat darum, sein 55-seitiges Geständnis sofort verlesen zu dürfen.

Die Zustimmung des Gerichts war bei den Verteidigern der anderen Angeklagten allerdings nicht gut angekommen. Sie hatten Befangenheitsanträge gegen die Kammer gestellt und warfen den Richtern vor, dass sie eine geständige Einlassung gegenüber einer bestreitenden bevorzugten. Eine andere Kammer hat die Richter und Schöffen inzwischen jedoch für nicht befangen erklärt.

Quelle:  Handelsblatt Online
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