Nach Konto-Kündigungen: Number26 bricht sein Schweigen

Nach Konto-Kündigungen: Number26 bricht sein Schweigen

, aktualisiert 05. Juni 2016, 13:38 Uhr
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Das Fintech nutzt für seine Dienste die Banklizenz der Wirecard Bank.

von Yasmin OsmanQuelle:Handelsblatt Online

Nach massiver Kritik hat sich der Anbieter von Girokonten für seine schlechte Kommunikation entschuldigt – und eine Begründung für die Kündigung vieler Kunden nachgeliefert. Ihnen macht das Fintech nun ein Angebot.

FrankfurtTagelang hatte Number26 über die Gründe für die Kündigung mehrerer hundert Girokonten geschwiegen. Am Sonntag lieferte das Fintech-Unternehmen, das für das Smartphone optimierte Girokonten anbietet, dann eine Erklärung für sein Verhalten nach – und entschuldigte sich für seine bisher karge Kommunikation. „Wir entschuldigen uns bei allen betroffenen Kunden, hier nicht offener und aktiver kommuniziert zu haben“, teilte Number26 mit.

Zwei Gründe spielten bei den Kündigungen der Erklärung zufolge eine Rolle: In einigen Fällen gab es wohl den Verdacht auf Geldwäsche oder sonstige Betrügereien. So etwas kommt häufig bei neuen Zahlungsverkehrsanbietern vor. Weit bemerkenswerter ist jedoch ein weiterer Grund, den viele Kunden bereits vermutet hatten: Einige Konto-Nutzern waren für Number26 schlicht zu teuer.

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Ein weiterer Kündigungsgrund der letzten Tage sei „sehr ungewöhnliches Nutzerverhalten, das sich deutlich vom Durchschnitt unserer Kunden abhebt“, teilte das Unternehmen mit. „Hier geht es insbesondere um Kunden, die ihr Number26-Konto außer für sehr häufige Bargeldabhebungen nur wenig verwendet haben“, heißt es in der Stellungnahme. Im Durchschnitt gehe es um rund 15 Abhebungen pro Monat, teilweise auch über 30, über mehrere Monate hinweg.

Die Begründung ist bemerkenswert. Schließlich stellt Number26 die Möglichkeit, weltweit kostenlos Geld abheben zu können, bei seinem Angebot in den Mittelpunkt. Doch diese Großzügigkeit kann sich das Unternehmen offenbar nicht wirklich leisten. „In Deutschland liegt der Preis pro Abhebung – deutlich über dem europäischen Durchschnitt – zwischen 1,50 bis 2,00 Euro“, erklärt Number26. Diese Gebühren übernehme das Unternehmen in der Annahme, dass die Kunden das Konto in gewöhnlichem Ausmaß nutzen – oder dass Kunden eine billigere Variante wählen, nämlich das Geld bei einem Einzelhändler abzuheben.

Den Gekündigten macht das Unternehmen nun ein Angebot: Betroffene Kunden, die ihr Konto gerne behalten wollen, können sich unter der Email-Adresse questions@number26.de nach den Gründen erkundigen, weswegen ihnen gekündigt wurde. „Wir werden auf Wunsch auch jeden individuellen Fall nochmals prüfen und gegebenenfalls weiterhin ein Konto zur Verfügung stellen“ so das Unternehmen.

Ob des dem Girokonto-Anbieter gelingt, sein angekratztes Image damit wieder aufzupolieren, ist unklar. Viele Kunden hatten sehr aufgebracht reagiert, nachdem Number26 zunächst eine sehr nichtssagende Erklärung veröffentlicht hatte. Darin hatte das Unternehmen zudem betont, die Zahl der Kündigungen sei im Verhältnis zum Wachstum des Unternehmens „unwesentlich“.

Schon jetzt gibt es Kritik an dem neuen Statement. „Wenn ich ein Produkt kostenlos anbiete, muss ich damit rechnen, dass es genutzt wird“, schreibt ein Nutzer auf Facebook. „Sich jetzt darauf zu berufen, dass es von dem einen oder anderen viel genutzt wurde..... Unverständlich.“ Andere Nutzer fordern, dass Number26 feste Regeln einführt, wann eine Abhebung kostenlos ist und wann nicht. „Dann wäre der ganze Shitstorm gar nicht entstanden“, schreibt eine Nutzerin, die nicht betroffen ist. Number26 hat bislang nur angekündigt, in den nächsten Wochen eine „Fair Use Policy“ mit seinen Kunden erarbeiten zu wollen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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