Nach Rekordverlust 2015: Deutsche Bank kürzt Bonuszahlungen

Nach Rekordverlust 2015: Deutsche Bank kürzt Bonuszahlungen

, aktualisiert 11. März 2016, 12:20 Uhr
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Die Zahlen des größten deutschen Geldinstituts für 2015 sind schlecht.

von Michael Maisch und Laura de la MotteQuelle:Handelsblatt Online

Die Deutsche Bank hat harte Monate hinter sich, doch Entwarnung kann der neue Chef John Cryan nicht geben, im Gegenteil. Der Aktienkurs steigt trotzdem.

FrankfurtKeine neuen schlechten Nachrichten, das ist für die Deutsche Bank offenbar schon eine gute Nachricht. Nur so lässt es sich erklären, dass der Aktienkurs des mächtigsten heimischen Geldhauses am Freitag Vormittag nach der Veröffentlichung des Geschäftsberichts für 2015 um rund sechs Prozent in die Höhe sprang. Denn gute Nachrichten suchten die Investoren in dem 490 Seiten dicken Konvolut weitgehend vergebens. Aber vielleicht freuten sich die Anleger einfach auch darüber, dass das Leiden bei der Deutschen Bank zumindest demokratisch verteilt wird auf Aktionäre, Mitarbeiter und den Vorstand.

Erst vor wenigen Tagen hat der neue Chef der Deutschen Bank, John Cryan, noch versucht, den Investoren Mut zuzusprechen: „Wir sind besser, als wir von außen wahrgenommen werden“, sagte er auf einer Konferenz. Doch im Geschäftsbericht muss er die Anleger erneut auf schlechte Zahlen vorbereiten. „Das für gewöhnlich starke erste Quartal droht in diesem Jahr für die gesamte Branche schlecht auszufallen. Die Deutsche Bank ist hier keine Ausnahme.“ Grund seien die großen Schwankungen an den Märkten zu Jahresbeginn. Das dürfte vor allem das wichtige Kapitalmarktgeschäft belastet haben. Daniele Brupbacher, Analyst bei der UBS fürchtet, dass das Ergebnis der Bank unter dem Strich in den ersten drei Monaten auf 2,6 Milliarden Euro fallen wird, das wären gut 20 Prozent weniger als im Vorjahr.

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Eine konkrete Prognose für das gesamte Geschäftsjahr 2016 wagt das Geldhaus nicht. Aber angesichts der anstehenden Herausforderungen durch den radikalen Konzernumbau und die schwierigeren Märkte bereitet Cryan die Investoren schon einmal auf zwei weitere verlorene Jahre vor: „Wir erwarten, dass sich die Früchte unserer Arbeit ab 2018 in unseren Ergebnissen und in der Erreichung unserer Ziele positiv niederschlagen. werden“, heißt es im Geschäftsbericht. Nach einem Rekordverlust von 6,8 Milliarden Euro im vergangenen Jahr hat Cryan bereits die Dividende für 2015 und für 2016 zusammengestrichen.

Aber nicht nur die Aktionäre, auch die Mitarbeiter müssen Einschnitte hinnehmen. Deutschlands größtes Geldhaus kürzte die Boni für 2015 um 17 Prozent. Eine drastischere Reduzierung des Bonuspools hätte die Umsetzung der Strategie 2020 gefährdet, „da dies die Fähigkeit der Bank zur Gewinnung und Bindung von Talenten beeinträchtigt hätte“, heißt es im Geschäftsbericht. Die Mitarbeiter der Bank seien der wesentliche Faktor, um die Ziele der Strategie 2020 zu erreichen. „Um das entstandene Momentum, das über die letzten Monate aufgebaut wurde, zu erhalten, ist es essenziell, dass die Mitarbeiter adäquat vergütet werden“.

Um die Banker bei Laune zu halten, gab es parallel eine deutliche Verschiebung bei der Gehaltsstruktur. Denn im Gegenzug zu den Bonuskürzungen kletterten die Fixgehälter, so dass die Deutsche-Bank-Mitarbeiter im Schnitt immer noch ein leichtes Gehaltsplus im Geldbeutel spürten. So stieg die Mitarbeiterzahl um drei Prozent, der Vergütungsaufwand aber um fünf Prozent.

Im Investmentbanking dagegen zeigt sich ein anderes Bild. Hier stieg die Zahl der Mitarbeiter um neun, die Gesamtvergütung jedoch nur um sechs Prozent. Wechselkursbereinigt schrumpfte hier der Bonuspool um 20 Prozent. Einige Händler mussten sogar auf rund 30 Prozent ihrer Boni verzichten.

Trotzdem dürfen sich einige Banker über dicke Bonusschecks freuen: 700 Mitarbeiter bekommen eine Vergütung von mehr als 1,0 Millionen Euro im Jahr, einer sogar mehr als zehn Millionen Euro. Der gesamte Prämienpool sinkt auf 2,4 Milliarden Euro.

Wie bereits angekündigt, muss der gesamte Vorstand auf einen Bonus verzichten. Cryan, der seinen Posten im vergangenen Juli antrat, kassiert ein Grundgehalt von 1,9 Millionen Euro, Co-Chef Jürgen Fitschen, der im Mai die Bank verlassen wird, bekommt 3,8 Millionen Euro. Insgesamt zahlt das Geldhaus seinen Vorständen 22,7 Millionen Euro, gut ein Drittel weniger als 2014.


Bank versucht Anleger abermals zu beruhigen

Nach den dramatischen Kursverlusten zu Jahresbeginn versucht die Bank die Anleger im Geschäftsbericht noch einmal zu beruhigen. „Auch in Zeiten turbulenter Märkte bleibt die Deutsche Bank überaus solide“. Die Kapitalbasis sei stark. Weiterhin verfüge die Bank über eine starke Liquiditätsposition und verlässliche Refinanzierungsquellen.

Anfang des Jahres war der Kurs der Deutschen Bank ähnlich wie der andere europäischer Geldhäuser massiv unter Druck geraten und auf ein neues Allzeittief gefallen. Cryan musste versichern, dass die Bank genug Geld habe, um einige ihrer riskantesten Schulden, so genannte Coco-Bonds, zu bedienen. Das Geldhaus hatte mit einem Rückkaufprogramm für bestimmte Anleihen auf die Vertrauenskrise reagiert und seither haben sich Bond- und Aktienkurse wieder deutlich erholt.

Nach Berechnungen der Nachrichtenagentur Bloomberg ist die Deutsche Bank derzeit trotzdem das am schlechtesten bewertete weltweit aktive Geldinstitut. Cryan will die Bank mit einem massiven Umbau wieder auf Kurs bringen, dazu gehört die Trennung von der Postbank, bei der es allerdings keinen Zeitdruck gebe, der Abbau von rund 200 Filialen der Deutschen Bank und deutliche Einschnitte im Investmentbanking. Insgesamt sollen 9000 Jobs wegfallen.

Für das laufende Jahr warnt die Bank vor einer ganzen Reihe von Risiken. Die wachsende Angst vor einer Konjunkturabkühlung drohe das wichtige Handelsgeschäft zu beeinträchtigen, die chronischen Niedrigzinsen machen der Bank im Kredit- und Privatkundengeschäft und in der Vermögensverwaltung zu schaffen. Dazu kommt geschätzt eine Milliarde Euro an Aufwand für Restrukturierungen und Abfindungen.

Auch die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten belasten die Bank weiter. Rückstellungen für zurückliegende Verfehlungen haben die Finanzkraft massiv beeinträchtigt und übersteigen die 2013 und 2014 bei Kapitalerhöhungen eingesammelten 11,5 Milliarden Euro. Auch 2016 muss sich die Bank wegen diverser Affären auf hohe Strafzahlungen und Rechtskosten einstellen.

Die Liste von Klagen und Verfahren, die der Konzern als wesentlich erachtet, nimmt im Geschäftsbericht 14 Seiten ein. Sorgen bereitet Cryan und seinen Kollegen besonders ein Fall in Russland, bei dem Kunden Ermittlern zufolge Rubel-Schwarzgeld in Höhe von rund zehn Milliarden Dollar gewaschen haben sollen. Aber zumindest zeigt sich das Geldhaus zuversichtlich, dass es einige der wichtigsten Rechtsrisiken in den kommenden Monaten abarbeiten kann.

Quelle:  Handelsblatt Online
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