Nachhaltigkeit: Aldi und die sieben Siegel

Nachhaltigkeit: Aldi und die sieben Siegel

, aktualisiert 02. Mai 2016, 10:20 Uhr
Bild vergrößern

Aldi will Durchblick im Wirrwarr an Siegeln und Gütezeichen schaffen.

von Florian KolfQuelle:Handelsblatt Online

Der Discounter wird zum Volksaufklärer: In einfachen Worten führt Aldi in einer Broschüre durch den Dschungel der Nachhaltigkeitssiegel. Zugleich ist die Kampagne jedoch auch ein Versuch, dem Preiskampf zu entkommen.

DüsseldorfEs klingt wie eine Folge aus den Krimiserien der Jugendbücher von „Fünf Freunde“ oder TKKG“: „Auf den Spuren der 7 Siegel“, heißt es im Titel der Broschüre geheimnisvoll. Doch schnell wird klar, dass es hier um handfeste geschäftliche Interessen geht. Denn in der oberen linken Ecke prangt das Logo von Aldi Süd.

In einer großangelegten Kampagne, die sich besonders an junge Kunden wendet, macht der Discounter Werbung für die wichtigsten Nachhaltigkeitssiegel – von Bio über Fairtrade bis zu weniger bekannten Labels wie UTZ oder PEFC. „Ein Bio- oder Fairtrade-Siegel wird noch schnell erkannt, doch bei vielen anderen Labeln bestehen Unsicherheiten, wofür sie im Einzelnen stehen. Das möchten wir mit unserer ‚7 Siegel‘-Kampagne ändern“, erklärt Ralf-Thomas Reichrath, stellvertretender Geschäftsführer im Zentraleinkauf bei Aldi Süd.

Anzeige

Die Aktion reiht sich ein in weitere Kampagnen, mit denen sich Deutschlands größter Discounter beim Umweltschutz und im Bereich „gesunde Lebensmittel“ profilieren möchte. So hat Aldi beispielsweise seinen Lieferanten seit Anfang des Jahres den Einsatz bestimmter bienentoxischer Wirkstoffe beim Anbau von deutschem Obst, Gemüse und Kartoffeln verboten. Außerdem wird im Laufe des Jahres bei allen Eigenmarken komplett auf nachhaltigen Kakao umgestellt. Darüber hinaus ist Aldi der Tierwohl-Initiative beigetreten, die Bauern Prämien zahlt, wenn sie die Haltungsbedingungen verbessern.

Mit diesen Kampagnen besonders junge Familien und Kinder anzusprechen, ist ein geschicktes Marketing. Denn gerade bei ihnen ist die Sorge um die Umwelt und eine gesunde Ernährung sehr verbreitet. Sie sollen nicht nur mit einer kindgerecht aufbereiteten Broschüre erreicht werden, sondern auch mit einem Gewinnspiel und einer Sammelaktion. In Videos im Stil des Fernsehklassikers „Dingsda“ erklären Kinder auf witzige Weise die einzelnen Siegel.

Die Vertreter der entsprechenden Siegelorganisationen und Umweltschutzverbände sind von dieser Umarmungsstrategie natürlich begeistert. Denn sie profitieren ja auch von dieser Werbung und dem zunehmenden Verkauf ihrer Produkte beim Discounter. „Wir begrüßen die neuen Kampagne von Aldi Süd, die Zielsetzung verschiedener Standardsetzer auf charmante und verständliche Weise einer breiten Konsumentenschicht zugänglich zu machen“, sagt Dieter Overath, der Vorstandsvorsitzende von Transfair.


Eine Milliarde Euro Umsatz mit Fairness-Produkten

„Den Nachhaltigkeitsgedanken schon den kleinen Verbrauchern spielerisch zu vermitteln, halten wir für immens wichtig", sagt auch Andrea Harmsen, Leiterin Presse- und Öffentlichkeitsarbeit von MSC Deutschland. MSC ist ein Siegel für nachhaltigen Fischfang. „Es ist wichtig, dass wir gemeinsam für mehr bewussten Einkauf von nachhaltig gekennzeichneten Produkten werben“, ergänzt Uwe Sayer, Geschäftsführer von FSC Deutschland, die ein Label für nachhaltige Forstwirtschaft etabliert haben.

Für die deutschen Konsumenten ist Nachhaltigkeit zunehmend ein wichtiges Kriterium beim Einkauf. 2014 lag der Umsatz von Waren, die ein Fairness-Siegel tragen, erstmals über 1 Milliarde Euro – eine Verdopplung in nur drei Jahren. Gerade erst hat auch Stiftung Warentest Nachhaltigkeitssiegel getestet und ihnen gute Noten gegeben.

Doch viele Verbraucher wissen nicht, was sich hinter den Labels genau verbirgt, und sind deshalb zurückhaltend, die höheren Preise dafür zu bezahlen. Eine Studie der HHL Leipzig Graduate School of Management und der GfK hat gezeigt, dass 21 Prozent der Befragten eher zu einem als nachhaltig deklarierten Produkt greifen würden, wenn sie besser erkennen könnten, wie umweltfreundlich es tatsächlich sei. Zugleich verstand aber ein Großteil der Befragten die Botschaften die hinter den Bezeichnungen stehen falsch oder gar nicht.

Das will Aldi jetzt ändern - und damit nicht zuletzt seinen Umsatz mit diesen Produkten erhöhen. „Wir möchten mit der Kampagne einen aktiven Beitrag zur Förderung des nachhaltigen Konsums leisten", so Aldi-Manager Reichrath. Denn die höherpreisigen zertifizierten Produkte sind für Aldi zugleich eine Möglichkeiten, aus dem gnadenlosen Preiskampf in der Branche auszubrechen, den der Discounter selber angezettelt hat. Aus dem gleichen Grund setzen die Discounter auch zunehmend auf Regionalprodukte, bei denen Konsumenten ebenfalls bereit sind, mehr zu zahlen.

Mit Broschüren, die komplizierte Zusammenhänge einfach erklären, hat Aldi schon Erfahrung. So hat der Discounter kürzlich in einem Flyer den Kunden erklärt, was eigentlich das christliche Osterfest wirklich bedeutet. Und zwar so fachkundig, dass es selbst der Pressesprecher der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern als „vorbildlich“ bezeichnete.

Quelle:  Handelsblatt Online
Anzeige

Twitter

Facebook

Google+

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%