Naturdenkmal bedroht: Der Große Salzsee trocknet aus

Naturdenkmal bedroht: Der Große Salzsee trocknet aus

, aktualisiert 23. September 2016, 13:34 Uhr
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Seit 2011 sinkt der Wasserstand ständig.

Quelle:Handelsblatt Online

Der mystische See mit seinem hohen Salzgehalt prägt die Landschaft im US-Staat Utah und ist wichtiger Lebensraum. Doch der Wasserstand sinkt seit 2011 unaufhörlich. Das hat auch dramatische Folgen für die Wirtschaft.

Salt Lake CityAm südlichen Ufer des Großen Salzsees in Utah im Westen der USA liegen mehr als 100 Boote auf dem Trockenen. Ihre Eigentümer können schon lange nicht mehr über das nur wenige Meter tiefe Gewässer segeln. Geringere Niederschläge als üblich und Rekordhitze haben den Wasserstand dieses Sees seit 2011 beständig auf ein jetzt bedenkliches Niveau sinken lassen.

„Wenn dies so weiter geht,(...) ist das gesamte Ökosystem gefährdet“, sagt Jason Curry, ein Sprecher der für Staatsland zuständigen Behörde in Utah. Mit einer Länge von 120 Kilometern und einer Breite von 50 Kilometern prägt der Große Salzsee nicht nur die Identität und die Wirtschaft von Utah. Er dient mehr als 250 Vogelarten als Rastplatz, und in seinem Wasser leben unter anderem Salinenkrebse, deren Verwertung sich ein ganzer Wirtschaftszweig widmet. Das Salz des Sees und andere Mineralien werden abgebaut und anschließend als Dünger oder Streumittel im Winter verwendet.

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Dem Großen Salzsee wird zudem nachgesagt, dem trockenen pudrigen Schnee nachzuhelfen, der die nahe gelegenen Berge bedeckt und Skifahrer aus aller Welt anlockt. Insgesamt schätzt der US-Staat den wirtschaftlichen Wert des Ökosystems auf 1,3 Milliarden Dollar (knapp 1,2 Milliarden Euro).#

Der seit nunmehr fünf Jahren beständig sinkende Wasserstand beunruhigt längst auch schon die Politik. Rund ein Dutzend Abgeordnete wollten sich am Donnerstag und Freitag vor Ort ein Bild von der Lage machen, um dann Lösungen zu suchen – abseits der Gebete für mehr Regen und Schnee in diesem Winter.

Der Große Salzsee enthält generell drei- bis fünfmal so viel Salz wie die Weltmeere. Das erlaubt Badegästen, auf der Oberfläche zu treiben. Für viele Lebewesen ist eine Existenz in dieser unwirtlichen Umgebung unmöglich, doch für bestimme Fliegen, Krabben und den Salinenkrebs bietet der See einen erstklassigen Lebensraum.

Einst waren die kleinen und hellen Krebse als „Sea Monkeys“ bekannt. Heutzutage werden ihre Eier „geerntet“ und weltweit als Futter für andere Meerestiere verkauft.

Mit dem sinkenden Wasserstand und dem immer größeren Salzgehalt werden aber auch diese Tiere immer stärker bedroht. „Salinenkrebse sind sehr robust, was Salz angeht, doch auch sie haben ihre Grenzen und diese erreichen wir gerade“, sagt Don Leonard, der Geschäftsführer der Great Salt Lake Brine Shrimp Cooperative. Diese Gruppe von Unternehmen widmet sich dem Einsammeln und Verkauf der Eier.


Der See ist in schlimmer Verfassung

Doch der sinkende Wasserpegel stresse die Krebse, die weniger Eier produzierten, erklärt Leonard. 2015 sei die Kooperative mit der Ernte unter dem Durchschnitt geblieben. Zudem musste sie Geld für Baggerarbeiten ausgeben, um ihre Boote von der Anlegestelle ins Wasser zu bekommen. Wie stark dieser Wirtschaftszweig betroffen ist, will Leonard nicht so genau sagen. Das Ausbaggern sei aber zu einem jährlichen und kostspieligen Unterfangen geworden.

Ein Besuch bei Leonards Kooperative auf der Antilopeninsel, der größten von mehreren Inseln im Großen Salzsee, steht auch auf dem Programm der Abgeordneten. Am Strand der 25 Kilometer langen Insel, einem Naturschutzgebiet, müssen Besucher mittlerweile etwa 400 Meter hinauslaufen, um Wasser zu erreichen.

Die Politiker wollen zudem in einem anderen Naturschutzgebiet Halt machen, in dem Boote an einem Anleger auf dem Trockenen liegen. Bei ihren Nachforschungen werden sie auch prüfen, ob Utah stärker gegen ein Unkraut vorgehen sollte, das in großen, dichten Büschen wächst und täglich große Wassermengen aufsaugt.

2015 hatten die Abgeordneten 1,5 Millionen Dollar genehmigt, um den See weiter auszubaggern. Die Maßnahme soll einen für Boote passierbaren Kanal schaffen. Die Bauarbeiten dafür werden Anfang 2017 starten, wie Jeremy Shaw, der Manager der Naturschutzgebiete am See, sagte.

„Es ist schlimm“, sagt Lynn de Freitas von der Naturschutzgruppe Friends of Great Salt Lake mit Blick auf die derzeitige Verfassung des Sees. „Wir haben eine Verantwortung für den See und sollten uns zu dieser ehrlich und aktiv bekennen.“

Quelle:  Handelsblatt Online
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