Negativzinsen: EZB-Direktor streitet mit Deutsche Bank-Chef Cryan

Negativzinsen: EZB-Direktor streitet mit Deutsche Bank-Chef Cryan

, aktualisiert 02. März 2016, 14:07 Uhr
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Glaubt, dass die Banken unter dem Strich von Niedrigzinsen profitieren.

von Jan MallienQuelle:Handelsblatt Online

Die Niedrigzinsen im Euro-Raum helfen den Banken mehr als sie schaden, sagt EZB-Direktor Benoit Coeuré. Deutsche Bank Chef John Cryan hält dagegen und warnt vor den Folgen für die Finanzbranche.

FrankfurtIn Frankfurt prallten heute zwei Welten aufeinander. Auf der einen Seite die Europäische Zentralbank (EZB) und ihr Direktor Benoit Coeuré – auf der anderen die Banken, vertreten durch Deutsche Bank-Chef John Cryan.

Beide kommen zu höchst unterschiedlichen Urteilen, wenn es um die Auswirkungen der Niedrigzinspolitik der EZB auf die Banken geht. „Wir müssen die Aussage korrigieren, dass die Probleme der Banken vor allem mit der Geldpolitik zu tun haben“, sagte Coeuré. Die extrem niedrigen Zinsen seien durch das verhaltene Wachstum und die Inflation gerechtfertigt. Im Februar waren die Preise in der Euro-Zone nach erster Schätzung um 0,2 Prozent gefallen.

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Deutsche Bank Chef John Cryan dagegen warnte: „Wenn die Zinsen negativer werden, dann werden die Verluste [für die Banken] größer." Die Finanzinstitute könnten die Verluste jedoch nicht länger tragen. Er sage dies bewusst in Richtung von Coeuré .    

Der Streit auf dem Finanztag der Süddeutschen Zeitung in Frankfurt kommt zu einem pikanten Zeitpunkt. In der kommenden Woche berät der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB) über eine Anpassung der Geldpolitik. Eine weitere Lockerung gilt dabei als wahrscheinlich. Mögliche Optionen sind: Eine Senkung des Einlagenzinses oder eine Ausweitung der monatlichen Anleihekäufe der Notenbank.

Schon jetzt liegt der Einlagenzins im Euroraum bei minus 0,3 Prozent. Das heißt: Banken, die über Nacht Geld bei der Notenbank parken wollen, müssen dafür eine Strafe zahlen. Das sorgt in der Branche für heftige Kritik. Die EZB will mit dem negativen Einlagenzins die Geldhäuser dazu animieren, ihre überschüssige Liquidität für die Kreditvergabe zu verwenden, statt sie bei der Notenbank zu parken.

Das soll die Effektivität ihres Anleihekaufprogramms verbessern. Aktuell kauft die EZB jeden Monat für 60 Milliarden Euro hauptsächlich Staatsanleihen der Euro-Länder. Das dadurch geschaffene Geld landet jedoch hauptsächlich wieder bei der Notenbank, weil die Banken es dort parken.     


Banken könnten Kosten weiterreichen

Die EZB behalte das Risiko im Auge, dass negative Zinsen die Ertragskraft der Banken beeinträchtigen könnten, sagte Coeuré. Allerdings könnten die Banken  ohne die wachstumsfördernde Politik der EZB aus seiner Sicht weniger Kredite vergeben. Außerdem hätten sie höhere Ausgaben für Zinsen und Risikovorsorge und niedrigere Kapitalerträge.

Cryan dagegen glaubt, dass ein normales Zinsumfeld für die Banken besser sei als Negativzinsen. Bereits jetzt würden die Banken nach Wegen suchen, die Kosten für die Strafzinsen an die Kunden weiterzugeben. So würden sie zum Beispiel bei Hypotheken höhere Margen verlangen. Das würde die Kreditvergabe dämpfen statt sie zu beleben.

Coeuré weist die Kritik zurück. Die Banken hätten bisher die ultralockere Geldpolitik gut verkraftet. Viele Institute hätten sinkende Einnahmen aus dem Zinsgeschäft mehr als wettmachen können. Er wies auf zwei Probleme der Branche hin, die aus seiner Sicht nichts mit der Zentralbank zu tun haben. So säßen in manchen Ländern Geldhäuser auf zu hohen Beständen an faulen Krediten. Zudem verfolgten viele Institute Geschäftsmodelle, die längerfristig nicht tragbar seien. Gewinnschwache Institute müssten Wege finden, Einnahmen zu steigern, die nicht aus dem Zinsgeschäft stammen und wenn möglich ihre Betriebskosten weiter senken.

„Es braucht dringend höheres Wachstum, um die hohe Arbeitslosigkeit zu senken, den Verschuldungsgrad in der Wirtschaft zu verringern und die Inflation wieder in Richtung unseres Preisstabilitätssziels anzuheben“, sagte Coeure. Die Bankenbranche sei stark anfällig, wenn sich die Konjunkturaussichten eintrübten. Das habe die jüngste Verkaufswelle bei Bankenaktien gezeigt. Die Entschlossenheit der EZB, für Preisstabilität zu sorgen, sei daher entscheidend, um Wachstumserwartungen zu beeinflussen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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