Negativzinsen : Münchner Sparkasse verlangt Einlagegebühr

Negativzinsen : Münchner Sparkasse verlangt Einlagegebühr

, aktualisiert 22. Februar 2017, 18:38 Uhr
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Die Münchner Stadtsparkasse legt den negativen Zins der EZB auf ihre Firmenkunden um – und verlangt ab April eine Gebühr für Einlagen.

von Elisabeth AtzlerQuelle:Handelsblatt Online

Die Banken spüren den Strafzins, den die EZB verlangt. Die Stadtsparkasse München berechnet Firmenkunden ab April ein Verwahrentgelt. Die Zeit der Millionengewinne aus den Kundeneinlagen ist trotzdem vorbei.

MünchenDie Stadtsparkasse München zählt zu den ersten Geldhäusern, die künftig Firmenkunden ab einer bestimmten Einlagensumme einen Negativzins berechnen. Ab April müssen Unternehmen 0,4 Prozent berappen, wenn sie mehr als 250.000 Euro an kurzfristigen Mitteln bei der Sparkasse halten. Damit gibt das Geldhaus den Strafzins, den die Europäische Zentralbank (EZB) für Übernachtgelder verlangt, an diese Firmen weiter. Die Notenbank will so die Kreditvergabe in der Euro-Zone ankurbeln, was ihr aber zumindest in Deutschland nicht gelingt.

Bisher scheinen die Kunden die Ankündigung der Sparkasse gelassen zu sehen. Im Moment gebe es „keine großen Reaktionen“ aus der Kundschaft, sagte Sparkassenchef Ralf Fleischer am Mittwoch. „Der ein oder andere wird vielleicht Gelder umverteilen.“ Allerdings wisse man, dass Firmen bei Wettbewerbern schon oft Verwahrentgelte zahlen müssten. Von Privatkunden will die Sparkasse dagegen keine solche Extra-Gebühr verlangen. Man versuche, die Erträge zu steigern und Kosten zu sparen, um genau solche Effekte zu verhindern, sagte Fleischer. Wenn eine der großen Banken jedoch damit beginne, müssten wohl auch andere reagieren.

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Während Strafzinsen für normale Sparer als Tabu gelten, sind sie für Unternehmen, Profiinvestoren und Kommunen mit hohen Einlagen zusehends üblich. Nur eines von 25 großen Geldhäusern, die das Handelsblatt kürzlich befragte, verneint Strafzinsen für Unternehmen.

Der Trend zu einer fixen Grenze wie in München zeigt sich besonders seit Jahresbeginn. Bundesweit haben mehr als ein Dutzend Geldhäuser eine entsprechende Summe festgelegt. Das gilt beispielsweise für die Hamburger Volksbank, die Ostsächsische Sparkasse Dresden, die Kreissparkasse Köln und die Dortmunder Volksbank.

Besonders deutlich ist der Effekt in Sachsen: Im vergangenen Herbst führte die Sparkasse Dresden, das größte Institut des Bundeslandes, einen Strafzins ab Einlagen von einer Million Euro ein. Seit Anfang des Jahres werden Firmenkunden auch bei der Sparkasse Leipzig ab einer bestimmten Summe zur Kasse gebeten. Andere Institute wie die Sparkasse Meißen, die Leipziger Volksbank, die Sparkasse Vogtland und die Kreissparkasse Bautzen zogen nach.


Mit Einlagen wird bald nichts mehr verdient

Die Grenze von 250.000 Euro bezeichnete Fleischer als geschäftspolitische Entscheidung. Sie wird auch für die Stadt München gelten. Die Kommunen, die Träger und somit quasi Eigentümer der Sparkassen sind, sind meist zugleich auch Kunde „ihrer“ Sparkasse und haben oft Millionenbeträge dort geparkt.

Im vergangenen Jahr hat der EZB-Strafzins die Münchner Sparkasse rund zehn Millionen Euro gekostet. „Die EZB-Politik wirkt sich direkt aus“, sagte Fleischer. Eine Folge für das Geldhaus: Es wird ab 2018 mit den Einlagen seiner Kunden voraussichtlich nichts mehr verdienen, wie Fleischer sagte. Die Einlagen betrugen zuletzt fast 15 Milliarden Euro, zwei Drittel davon haben die Kunden in Tagesgeld geparkt. Im vergangenen Jahr verdiente die Sparkasse damit noch 40 Millionen Euro. Doch angesichts des EZB-Strafzins und weil viele sichere Wertpapiere kaum noch eine Rendite abwerfen, kann sie künftig keinen Ertrag daraus mehr erwarten.

Damit fehlt der Sparkasse ein klassisches Standbein bei den Erträgen. Sparkassen und auch Volksbanken verdienen traditionell 80 Prozent ihrer Erträge im Zinsgeschäft – also durch die Anlage von Einlagen und die Vergabe von Krediten. Das wirkt sich auch auf den Gewinn aus. 2016 verdiente die Sparkasse nach Steuern 41 Millionen Euro, für dieses Jahr rechnet sie mit 28 Millionen Euro.

Im April will die Sparkasse mit einem neuen Angebot aufwarten. Dann soll „Yomo“ starten, ein Girokonto, das ausschließlich über das Smartphone läuft und sich an junge Kunden richtet. Mit der App wollen die Sparkassen beispielsweise der Berliner Smartphone-Bank N26, die rund 200.000 Kunden hat, Paroli bieten. Die Idee stammt von der Münchner Sparkasse. Insgesamt haben zehn große Sparkassen in Yomo investiert.

„Wir testen gerade mit Kunden erste Kontoeröffnungen“, sagt Bernd Hochberger, Vorstandsmitglied der Stadtsparkasse. Ab April – wobei der genaue Starttermin noch nicht steht – können dann zunächst Kunden, die bereits Interesse an der neuen App bekundet haben, ein Yomo-Konto eröffnen. Konto und Girokarte sind gratis, die Kreditkarte kostet aber, wobei jede Sparkasse den Preis individuell berechnet.

Das Ziel sei, dass alle knapp 400 Sparkassen künftig Yomo anbieten, so Hochberger. Er geht davon aus, dass auch viele mitziehen werden. Um das so genannte Regionalprinzip zu bewahren – also dass Sparkassen nur Kunden aus ihrem Geschäftsgebiet bedienen – werden die Kunden bei der Kontoeröffnung je nach Postleitzahl der örtlichen Sparkasse zugewiesen. Der Kunde kann aber auch auswählen, dass das Konto bei einer anderen Sparkasse zu führen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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