Neue Benotung durch die Bankenaufsicht: Keine Bank fällt beim Stresstest durch

Neue Benotung durch die Bankenaufsicht: Keine Bank fällt beim Stresstest durch

, aktualisiert 26. Juli 2016, 11:53 Uhr
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Der neue Stresstest wird anders aufgezogen als der letzte.

Quelle:Handelsblatt Online

Nach dem diesjährigen Stresstest wird der Kapitalbedarf der jeweiligen Banken nicht veröffentlicht. Und dennoch hat die aktuelle Überprüfung eine enorme Brisanz. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die Europäische Zentralbank wird ihre Ergebnisse des neuesten Banken-Stresstest am Freitag um 10 Uhr mitteleuropäischer Zeit veröffentlichen. Dabei geht es vor allem darum, die Fähigkeit der Institute zu untersuchen, ob sie in einem ungünstigen makroökonomischen Umfeld Schocks abfedern und die Eigenkapitalanforderungen erfüllen können. Im Gegensatz zu den bisherigen Tests gibt es diesmal keine Noten „bestanden“ oder „nicht bestanden“ und auch die Höhe des Kapitalbedarfs wird nicht genannt.

Der Stresstest gewinnt in diesem Jahr eine zusätzliche Brisanz, weil in Italien über die Staatshilfe im Krisenfall für die Banken spekuliert wird. Die italienischen Banken haben faule Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro in ihren Büchern.

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Welche Banken werden untersucht?

Unter die Lupe kommen 51 Banken mit mindestens 30 Milliarden Euro an Kapital. Sie repräsentieren rund 70 Prozent der gesamten europäischen Bankaktiva. Beim Test 2014 wurden noch 123 Kreditinstitute unter die Lupe genommen. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat beschlossen, ihren Fokus auf große Banken zu richten, um eine bessere Vergleichbarkeit zu erzielen. Kleinere Banken werden separat getestet. Fünf italienische Banken sind in der Liste, inklusive der Bank Monte dei Paschi di Siena. Auf die älteste Bank der Welt fokussiert sich die Staatshilfe-Diskussionen zwischen der Europäischen Kommission und dem italienischen Premierminister Matteo Renzi. Monte Paschi bestand den Stresstest im Jahre 2014 nicht – wegen einer Kapitallücke von 2,1 Milliarden Euro.

Welche Informationen werden veröffentlicht?

Die Europäische Bankaufsichtsbehörde hat 2014 rund 12.000 verschiedene Kennziffern veröffentlicht und dürfte es bei diesem Test in ähnlicher Art und Weise tun – inklusive Kapitalpositionen, Risikoengagements und dem Bestand an Staatsanleihen. Zudem wird die Behörde einen Report mit zusammengefassten Daten veröffentlichen..

Woraus besteht die Prüfung?

Für die Prüfung herangezogen werden Daten von Ende 2015. Banken werden aufgrund von zwei Szenarien überprüft: Basis- und Negativszenario, welches jeweils die kommenden drei Jahre bis 2018 abdeckt. Die Europäische Kommission hat im Herbst 2015 das Basisszenario bis 2017 für die meisten Punkte entwickelt. Das Jahr 2018 sei nach Angaben der Kommission hingegen nicht Teil der offiziellen Tests. Das Ergebnis des Basisszenarios ist „eindeutig Teil der Eigenkapitalanforderung nach Basel II”, sagte Danièle Nouy, Chefin der EZB-Bankenaufsicht, am 13. Juli 2016.

Das Negativ-Szenario wurde vom „European Systemic Risk Board” (EBA) mit Sitz in Frankfurt entwickelt. Es beinhaltet eine Rezession in der EU in diesem Jahr und ein Mini-Wachstum für 2018. Die weiteren Annahmen: Rohstoffpreise erleben einen kräftigen Aufschwung. Währendessen fallen die Ölpreise in diesem Jahr um 48 Prozent gegenüber dem Basisszenario, bei dem sie bei 54 Dollar pro Barrel liegen. Die langfristige Zinssätze in der EU würden 2016 um 71 Basispunkte steigen, 80 im Jahr 2017 und 68 Basispunkte 2018.

Diese Annahmen werden wegen der aktuellen Niedrigzinsphase kritisiert. Die EZB, die den Zinssatz auf null gesetzt hat, erwartet die Zinsen für eine längere Zeit auf dem aktuellen oder sogar noch niedrigerem Niveau. Die Bank of England hat am 14. Juli ihren Zinssatz bei 0,5 Prozent gelassen und gleichzeitig eine geldpolitische Lockerung im August signalisiert, sollte sich die Wirtschaft aufgrund des Brexit-Votums abschwächen.


Warum die bisherige Benotung nun nicht mehr stattfindet

Warum wurde die Benotung „bestanden/nicht bestanden“ verworfen?

2014 hat die EBA Grenzwerte gesetzt, um die Mindestkernkapitalquote Tier 1 zu erreichen: Acht Prozent der Risikoaktiva für das Basisszenario und 5,5 Prozent für das Risikoszenario. 24 Banken sind beim Test gescheitert mit einem gesamten Kapitalbedarf von 24,6 Milliarden Euro. Dieses Jahr werden keine Kapitalhürden gesetzt, obwohl wichtige Eigenkapital-Kennziffern veröffentlicht werden. Das Ziel von 2016 laut EBA sei, den Einfluss von hypothetischen Risiko-Szenarien und deren Einfluss auf die Marktdynamik von Banken zu verstehen.

Was werden die wichtigsten Erkenntnisse sein?

Auf die Eigenkapital-Kennziffern werden Analysten und Investoren als erstes schauen. Das EU-Recht verlangt nach CET1-Anforderungen 4,5 Prozent und acht Prozent für Tier 1 und Tier 2. Bei Monte Paschi beispielsweise lag 2014 die CET1-Kennziffer bei minus 0,1 Prozent im Risikoszenario. Im vergangenen Jahr setzte die EZB ihre Erwartungen für die CET1-Kennziffer bei der Bank auf 10,2 Prozent fest.

Was ist das Problem mit Italien?

Nach den neuen EU-Bankenregeln sollen als Konsequenz aus der Finanzkrise 2008 staatliche Hilfen erst fließen, nachdem Aktionäre und private Gläubiger herangezogen wurden. Ausnahmen sind möglich, wenn etwa eine Systemkrise verhindert werden muss oder wenn beim europäischen Bankenstresstest neue Kapitallöcher auftreten. Doch die italienische Regierung versucht einen Weg zu finden, den notleidenden Bank zu helfen, ohne die Investoren an den Verlusten zu beteiligen.

Premier Matteo Renzi, der innenpolitisch unter Druck steht, hatte in den vergangenen Tagen, als sich die Bankenkrise um Monte dei Paschi immer mehr zuspitzte, wiederholt öffentlich erklärt, dass sich die Sparer in Italien keine Sorgen machen müssten. Aus diesem Grund wird über Staatshilfe im Krisenfall für die Banken spekuliert. Die italienischen Banken haben faule Kredite in Höhe von 360 Milliarden Euro in ihren Büchern, Spitzenreiter ist die Bank aus Siena. Vor der Brexit-Abstimmung Ende Juni war Monte dei Paschi in einem Brief von der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank aufgefordert worden, bis 2018 9,6 Milliarden Euro ihrer faulen Kredite abzubauen.

Quelle:  Handelsblatt Online
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